Wirtschaft fordert einheitliche IT-Strategie der Regierung

Qualitätslücke zwischen Handeln der Regierung und Leistungsfähigkeit der Betriebe schließen - Lob für IT-Stipendienaktion der WKÖ. Leitl: "Bis Ende 2001 sollen alle heimischen Unternehmen im Internet vertreten sein"

Wien (PWK1098) Die Wirtschaft fordert von der Regierung die Bündelung ihrer zahlreichen Einzelaktivitäten zu einer einheitlichen IT-Strategie. Ziel müsse es sein, die "Qualitätslücke" zwischen dem Handeln der Regierung und der Leistungsfähigkeit der heimischen Betriebe im eBusiness zu schließen. Bei einer Pressekonferenz mit den Spitzen der heimischen IT-Kompetenz wies Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl auf die enormen Wachstumschancen durch die Integration von Informations- und Kommunikationstechnologien im Wirtschaftsleben hin, nannte aber auch auf die zahlreichen Wachstumsbremsen. "Die Sozialpartner haben mit dem Abschluss von zwei richtungsweisenden Kollektivverträgen für die IT-Branche ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Aber die Veränderungen bei den Rahmenbedingungen gehen mir viel zu langsam voran", sagte Leitl und verlangt von der Regierung eine intensive Durchforstung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für die digitale Wirtschaft, z.B. in der beruflichen Weiterbildung, beim Arbeitsgesetz, im Verwaltungsrecht etc. "Wir fordern aber nicht nur, sondern wir handeln auch", stellte Leitl fest und verwies auf die gemeinsame Initiative der IT-Branche und der Wirtschaftskammer Österreich. Um künftig mehr Studenten für IT-Fächer zu gewinnen, werden ab Wintersemester 2001 insgesamt 1.000 geeignete MaturantInnen mit sehr gutem Maturazeugnis für Studienrichtungen der Informationstechnologie sowie in Kombinationen mit IT-bezogenen Studienrichtungen leistungsorientiert die Gebühren für das erste Studienjahr in der Höhe von je öS 10.000.- finanziert. Mit weiteren zehn Millionen Schilling werden erfolgversprechende wirtschaftsnahe Diplomarbeiten und Dissertationen gesponsert.

Für das kommende Jahr hat sich die Wirtschaftskammer drei konkrete Ziele vorgenommen. "Ersten sollen alle österreichischen Unternehmen und ihre Mitarbeiter vom globalen eBusiness profitieren und die Informationstechnologie in ihr Tagesgeschäft integrieren. Das bedeutet zweitens, dass bis Ende 2001 alle österreichischen Unternehmen im Internet vertreten sein sollen. 77% sind bereits im Netz, 23% müssen wir noch motivieren. Drittens sollen bis Ende nächsten Jahres alle österreichischen Unternehmen in der Lage sein, mit der digitalen Signatur sichere Geschäfte untereinander und mit der Behörde abzuwickeln", stellte Leitl die ambitionierten Ziele der WKÖ im IT-Bereich vor.

Oracle-Geschäftsführer Wilfried Schöfer sieht zwar zahlreiche IT-Initiativen der Regierung gelungen, nun drohe allerdings eine enorme Verzettelung. "Bei mehr als 20 Einzelinititaiven, verteilt auf die unterschiedlichsten Ministerien kommt es zwangsläufig zu Parallel- und Leerläufen. Was fehlt, ist eine österreichweite Strategie und der politische Wille, auch in einer digitalen Welt zu den führenden Volkswirtschaften zu gehören", kritisiert Schöfer. Als positive Beispiele nannte er das Technologieministerium MITI in Japan und Nokia in Finnland, wo es gelungen ist, als kleines Land mit einer gemeinsamen Strategie eine Position als "Global Player " im IT-Geschäft zu erreichen. Dies sei auch in Österreich machbar. "Die Firmen haben das Hirn, was wir brauchen, ist eine einheitliche Strategie und ein einziger Ansprechpartner".

Ernst Nonhoff, Generaldirektor von IBM Österreich, warnte davor, dass trotz der Ausweitung des Bildungsangebotes an den Universitäten und den Fachhochschulen laut einer Studie der ICD den Anbietern von IT-Dienstleistungen aber auch den Anwendern in der Wirtschaft in den nächsten Jahren bis zu 85.000 Fachkräfte fehlen könnten. Deshalb müssten jetzt die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden, um dieses Defizit zu verringern. "Ich danke der WKÖ daher für ihre Initiative, Studenten der IT-Fächer zu unterstützen, und wir werden uns mit einem namhaften Betrag daran betilgen", lobte Nonhoff. Erste Gespräche mit Bildungsministerin Gehrer, mehr Praktiker in den Unterricht einzubeziehen und Lehrer in den Unternehmen weiterzubilden seien ebenfalls auf fruchtbaren Boden gefallen. In diesem Zusammenhang forderte WKÖ-Präsident Leitl die Bundesregierung auf, ihre Haltung zur Einwanderungsquote von IT-Fachkräften nochmals zu überdenken. "Langfristig muss es unser Ziel sein, die Fachkräfte im Inland auszubilden und fit für die Informationsgesellschaft zu machen. Dann wird auch die Diskussion über eine Green-Card überflüssig. Kurzfristig können jedoch ausländische IT-Experten auch aus Nicht-EU-Ländern der Wirtschaft wichtige Impulse bringen", so Leitl. Dass dies in der Praxis auch tatsächlich so ist, unterstrich Kurt Lüscher, Vorstand der UTA Telekom AG. Dort haben Schweizer Experten eine zeitlang ihre österreichischen Kollegen eingeschult und sind dann wieder in die Schweiz zurückgekehrt. Die Jobs, die damit geschaffen wurden, sind heute ausnahmslos von Österreichern besetzt.

Fritz Bock von der ARGE Informationsgesellschaft wies darauf hin, dass die Informations- und Telekommunikationswirtschaft mit einem Umsatz von 150 Mrd Schilling, über 100.000 Beschäftigten und einem Anteil von 5% am BIP die Landwirtschaft längst überholt hat (2,4% vom BIP). "Deshalb haben wir uns auch entschlossen in der Wirtschaftskammer ein siebente Sparte "Dienstleistungen" einzurichten, damit die interessenpolitische Arbeit und die Servicequalität für die Betriebe hier noch fokussierter erfolgen kann", so WKÖ-Präsident Leitl. Bis Ende März 2001 wird feststehen, welche Fachorganisationen der wirtschaftsnahen Dienstleister in dieser neuen Sparte zusammengefasst werden. Ein Kernpunkt ist, dass die IT- und Telekommunikations-Betriebe - und hier vor allem die start-ups als auch die dot.coms - dort eine "neue Heimat" und eine besondere Interessenvertretung in der WKÖ finden werden. (MH)

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