DER STANDARD bringt in seiner Samstag-Ausgabe (16.12.00) einen Kommentar zur Uni-Reform: Schlechte Zeiten für Stubenhocker

Die Dienstrechtsreform an den Universitäten knackt starre Strukturen (von Martina Salomon)

Wien (OTS) - Die geschlossene Beamtenkarriere an den Universitäten ist vorbei, heißt es. Der Vorschlag des Bildungsministeriums für ein neues Dienstrecht wird wohl noch für heftige Debatten sorgen.

Hat das herrschende Karrieremodell an den Hohen Schulen bisher graue Mäuse bevorzugt? Manches spricht dafür. Beispielsweise: Wer sich tunlichst wenig von der universitären Futterkrippe wegbewegt und als kleiner Assistent möglichst lang vor "seinem" Professor auf den Bauch gehaut hat, wurde dafür signifikant häufiger mit höheren akademischen Weihen belohnt als andere.

Jene, die für einige Zeit ins Ausland gingen, einen Exkurs in die Wirtschaft oder einfach nur eine Familienpause gewagt hatten, konnten oft nie wieder richtig Tritt fassen in der geschlossenen Universitätslandschaft.

Denn am Institut hatte man ja inzwischen die Reihen dicht geschlossen - und die geduldigen "Daheimgebliebenen" belohnt. Besonders Umtriebige auf den diversen Berufungsvorschlägen verliehen ihrem Karrierewunsch ja auch gerne mit "Minoritenplatzschleicherei" (wo das Bildungsressort beheimatet ist) Nachdruck. Diese Möglichkeit, sich einzuweimperln, ist in der Autonomie der Universitäten (voraussichtlich ab Oktober 2002) auf jeden Fall passe - oder man muss es beim jeweiligen Rektor tun.

In den letzten Jahren wurden zu allem Überfluss auch noch alle Assistenten pragmatisiert. Viele Fächer sind mehr oder weniger zubetoniert.

Weil 60 Prozent im Mittelbau unter 40 sind, schaut es für den Nachwuchs in einigen Studienrichtungen zappenduster aus. Viele wissenschaftliche Mitarbeiter - vor allem Frauen - verharren daher in schlecht bezahlten (Teilzeit-)Jobs ohne Aussicht auf einen Karrieresprung.

Die Absicht, diese starren Strukturen mit einem neuen Dienstrecht und befristeten Verträgen aufzubrechen, ist daher vorerst einmal zu begrüßen. Der Zeitpunkt passt: Werden doch in den nächsten fünf Jahren ein Viertel aller Professorenstellen durch Pensionierung frei. Obwohl die neue Flexibilität natürlich auch Schattenseiten hat:

Denn für einen Techniker ist es nicht so schwierig, zwischen Wirtschaft, Auslandsjob und Uni hin und her zu switchen.

Weniger gefragte Fachkräfte in der - sagen wir mal - Orientalistik oder sei's auch nur in der Germanistik werden hingegen nach dem Auslaufen ihres befristeten Assistenten- oder Vertragsprofessorenjobs wohl Probleme haben, einen adäquaten Posten auf dem freien Markt zu finden. Und wer sich ständig am Sprung sieht, ist vielleicht nicht mehr mit ganzem Herzen bei der Sache der Wissenschaft.

Andererseits sollten die Universitäten ja nur Personal behalten, das sich durch Spitzenleistungen - und nicht durch simples Hockenbleiben mangels anderer Alternativen - qualifiziert hat. Das nützt auch den Studenten: Sie haben ein Recht darauf, von den Besten ihres Fachs unterrichtet zu werden.

Bei der anstehenden Reform werden gleichzeitig viele Gremien abgeschafft, in denen basisdemokratisch entschieden - gleichzeitig aber auch einer überbordenden Gschaftlhuberei gefrönt wurde. Dafür sollen klarere Managementstrukturen geschaffen werden. Die Universitäten werden eine Art öffentlich-rechtliche Betriebe, ähnlich wie der ORF.

Doch die neuen Rektoren und Studiendekane werden es voraussichtlich nicht so leicht wie in einem "normalen" Wirtschaftsunternehmen haben. Schließlich ist man im akademischen Betrieb ernsthafte Hierarchien und klare Budgetverantwortung nicht wirklich gewöhnt.

Und weil die Unis ab 2002 alle neuen Bedienstetenverträge selbst regeln dürfen, wird der Druck steigen, wieder in die alte Gemütlichkeit (plus ins endlose Palaver bei Entscheidungen) zurückzufallen. Befristete Verträge? Bei den Germanisten unmöglich, wird es heißen.

Die Universitäten haben es selbst in der Hand: ob sie die neuen Herausforderungen annehmen oder alles beim Alten belassen.

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