"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Schwere Zeiten für Europa

Ausgabe vom 15.12.2000

Es ist schon seltsam. Da gewinnt einer eine Wahl mit einem Vorsprung von 337.576 Stimmen und ist dennoch der Verlierer. Gemeint ist der Demokrat Al Gore, der im US-Wahlkrimi dem Republikaner George W. Bush unterlag. Aber im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist vieles seltsam. Es entscheiden nicht Stimmenmehrheiten, sondern Wahlmänner und oberste Richter, die im konservativen oder im liberalen Lager sitzen. Aus der Ferne betrachtet, müssen wir Österreicher eigentlich froh sein, diesseits des Atlantiks unser Zelt aufgeschlagen zu haben. Trotz ewiger Meckerei...

Der Bush-Sieg ist Schnee von gestern. Die Europäer interessiert vielmehr, welche Politik der Texaner, der mit Hilfe der Öl-Lobby 1995 zum Gouverneur gewählt wurde, künftig verfolgen wird. Eines ist klar:
Der Präsidentensohn will das amerikanische Engagement bei Friedenseinsätzen reduzieren. Die USA wollen nur noh einschreiten, wenn ihre Wirtschaftsinteressen gefährdet sind; etwa, wenn es um Energie und Rohstoffe geht. Es sei nicht die Aufgabe amerikanischer Luftlandetruppen, "auf dem Balkan Kinder auf dem Schulweg zu begleiten", ließ Bushs Beraterin Condoleezza Rice aufhorchen. Europa und die NATO werden sich damit abfinden müssen. Was aber den smarten und locker wirkenden "sunny boy" nicht daran hindern wird, die Armee zu stärken und einen Schutzschild gegen feindliche Raketen aufzubauen.

Kritiker halten Bush für ein "intellektuelles Fliegengewicht". Mag sein. Als Gouverneur hat er jedenfalls bewiesen, dass er stur wie eine Bulldogge sein kann.

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