Wie sicher sind unsere Christkindlmärkte?

AUVA warnt vor sorglosem Umgang mit Strom

Wien (ots) - Die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA)
warnt vor Stromunfällen, Brand- und Sturzgefahr, die bei zu sorglosem Umgang auf Christkindlmärkten und Punschständen in Wien, Niederösterreich und Burgenland bestehen. Im Marktbereich freiliegende Leitungen, unzureichende bzw. ungenügend geschützte elektrische Verteiler, zu niedrig hängende Lichterketten, verbotene Friteusen nach dem Tauchsiederprinzip, zu weit entfernte Feuerlöscher und anderes mehr gefährden Arbeitnehmer, Schausteller und Besucher. Dir. Josef Müller, Leiter der AUVA Landesstelle Wien, schließt an die Warnung zwei weitere Bitten an: "Bitte denken Sie bei Advent- oder Weihnachtsfeiern im Betrieb an die Brandgefahr durch brennende Kerzen und trockenes Reisig. Leider häufen sich in diesen Tagen auch die Wegunfälle. Bitte bedenken Sie, dass eine Alkoholisierung auch den gesetzlichen Versicherungsschutz aufhebt und wir Ihnen dann weder mit Rente noch mit umfassenden Rehabilitationsmaßnahmen helfen können."

Traditionelle und professionelle Christkindlmärkte wie zum Beispiel vor dem Wiener Rathaus bieten größtmöglichen Schutz für Arbeitnehmer und Besucher im Außenbereich. Wochenendmärkte in Niederösterreich entsprechen leider nicht immer den erforderlichen Sicherheitsbestimmungen.

Nicht ganz so professionell sind manche elektrischen Installationen und der Brandschutz im Innenbereich der Stände gelöst:
für Einbauten auf Holz gelten besondere Regeln. Zum Beispiel dürften Friteusen mit Heizstäben, die voll aufgeheizt wie Tauchsieder aus dem Öl genommen werden können, schon seit einigen Jahren nicht verwendet werden. Bei einer Entzündung des Öls dauert es zu lange, wenn der Feuerlöscher an der hinteren Außenwand befestigt ist. Hier könnten Arbeitnehmer empfindlich verletzt werden.

Auf Grund der eingesetzten elektrischen Geräte kann es zu Stromstärken von bis zu 230 mA(mpere) kommen. Massive Herz-/Kreislaufprobleme treten bereits bei Strömen ab 50 mA auf. Bei einem Stromschlag mit 50 mA besteht eine 95prozentige Wahrscheinlichkeit für ein Herzkammerflimmern oder einen Herzstillstand.

"Wie die Christkindl-Märkte so hat der sorglose Umgang mit Strom bei uns schon Tradition. Da setzt sogar der gesunde Hausverstand aus:
Niemand würde eine brennende Kerze mitten in Watteschnee oder neben einen Vorhang stellen: Spotleuchten mit besonders heißer Lampe dagegen schon. Wie gefährlich dieser Umgang mit Strom sein kann, zeigt die Zentralstatistik elektrischer Unfälle: Von rund 150 gemeldeten Elektrounfällen pro Jahr gehen zehn bis 15 tödlich aus. Diese Todesrate von zirka 10 Prozent katapultiert die Elektrounfälle auf den ersten Platz im gesamten Arbeitsunfallgeschehen. Allerdings ist die elektrische Gefährdung im Gesamtunfallgeschehen mit seinen insgesamt rund 130.000 Schadensfällen pro Jahr eine kleine statistische Größe", meint Dir. Josef Müller.

Mit mehr als 33.000 Schadensfällen und 30 Toten im Jahr stellen Sturz und Fall die häufigsten Unfallursachen dar. Lose und ungeschützt zwischen den Ständen am Boden liegende Leitungen sind in der Dunkelheit leicht zu übersehen und sollten daher befestigt und abgedeckt werden.
Für den Arbeitnehmerschutz und die Beurteilung, wie sicher Christkindlmärkte sind, hat die AUVA folgende Tipps zusammengefasst:

Generell: Haushaltselektrik hat auf einem Christkindlmarkt nichts verloren.

Für die Stromversorgung (ÖVE EN 1, Teil 4 (§97)/1990) sind Anschlusskästen oder Verteiler, die den technischen Bestimmungen für Baustromverteiler entsprechen, vorgeschrieben.

Außenleuchten und Leitungen müssen berührungssicher in einer Höhe von mindestens 2,5 Meter befestigt und spritzwassergeschützt ausgeführt sein

Kaputte Glühbirnen nur nach Abschaltung der gesamten Lichterkette austauschen

Leuchten müssen einen Mindestabstand zu brennbaren Teilen haben; dieser Abstand ist auf Nutzleuchten angegeben.

Leuchten und Steckdosen ohne F-Kennzeichnung (F in einem auf der Spitze stehenden Dreieck) dürfen nicht verwendet werden, da sie die Anforderungen für Bauteile auf leicht brennbarem Material (Holz) nicht erfüllen.

Verlängerung elektrischer Leitungen im Außenbereich mittels Tischverteiler oder Verlängerungsleitungen aus dem Supermarkt sind verboten. Steckdosen müssen gegen Manipulationen und Feuchtigkeit (Schutzart IP54) ausreichend geschützt sein.

Bei der Verlegung elektrischer Leitungen ist zusätzlicher mechanischer Schutz (ÖVE E5) und Zugentlastung (Schutz vor dem Herausziehen) erforderlich.

Für die Leitungen sind schwere Gummischlauchleitungen oder Gleichwertige (z.B. gelbe oder orange "Baustellenleitungen" ) zu verwenden.

Leitungen, die mit fliegenden Klemmen und Isolierband verlängert werden, sind gefährlich.

Freistehende Tische mit Dach bieten keinen ausreichenden Feuchtigkeitsschutz für elektrische Installationen, z. B. Zuckerwatteerzeugung.

Fluchtwege ausreichend beleuchten und nicht verstellen.

(Schluss)

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