"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Die Kultur hat er nicht "im Griff"!

Ausgabe vom 14.12.2000

Dem Leiter der Landesgalerie hat der Kulturhauptmann Kärntens jüngst vorgeworfen, er habe sein Ressort "nicht im Griff". Das ist ja für den Kulturhauptmann das Einzige, was ihn mit der Kultur dieses Landes verbindet, der Wille, sie "im Griff zu haben". Einen anderen Zugang zur Kultur, zur Herzmitte der Menschen, kann er sich gar nicht vorstellen. Er will sie "im Griff" haben (wie die Justiz, wie jeden Einzelnen von uns).

Allein die Kultur will nicht. Hätte der Kulturhauptmann in aller Demut ein paar Jahre dafür aufgewendet, SICH SELBST zu BILDEN, die Weltliteratur (etwa H. C. Artmann) zu lesen, Musik zu hören, sich in ein Bild hineinzuverlieren, ohne danach zu hecheln, das Erschütternde, Unfassbare, Rebellische, das ihm hier entgegentritt, "in Griff" zu bekommen, würde er verstanden haben, dass sich die Kultur von niemandem "in Griff" bekommen lässt. Er hat es vorgezogen, zu spötteln, zu verhöhnen, zu grinsen. Jetzt hilft"s nichts mehr. Kultur ist eine lange Geduld des Herzens; kein Crashkurs der Parteiakademie wird ihm je mehr eine Ahnung davon vermitteln können.

Alexander Kubelka hat nach den vielen unsauberen Witzchen, mit denen sich der KH und sein "Kulturberater" über die Künstler des Landes lustig gemacht haben, ihm die Frage gestellt: "Wie lange sollen wir uns das noch gefallen lassen?" Und, als Preisträger des Landes hinzugefügt: "Ich stehe also nur hier, weil ich strikt zwischen dem Land Kärnten und seinen derzeitigen politischen Repräsentanten unterscheide. Kärnten ist mehr". Die Kultur hat Jörg Haider nicht "im Griff". An ihr wird er scheitern.

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