- 13.12.2000, 16:41:54
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Das WirtschaftsBlatt - Kommentar: "Warum schweigt Josef Kleindienst?" von Peter Muzik
Wien (OTS) - Der neueste Aufdecker der Nation ist ziemlich
schmähstad geworden: Josef Kleindienst denkt einfach nicht daran, der
Wirtschaftspolizei in seine privaten Vermögensverhältnisse Einblick
zu gewähren. Er liess unlängst eine Hausdurchsuchung eiskalt platzen
und zischte sodann auf die Kanarischen Inseln ab, um dort angeblich
Urlaub zu machen. Die recht dubiosen Facts über ihn, die vor rund
einem Monat im WirtschaftsBlatt sowie im "Format" zu lesen waren,
sind leider immer noch nicht aufgeklärt. Das Rätsel, wie ein kleiner
Ex-Polizist in kürzester Zeit zu einem Millionenvermögen kommen kann,
befasst inzwischen nicht nur den zuständigen Untersuchungsrichter,
sondern müsste eigentlich auch die breite Öffentlichkeit und die
Medien interessieren, für die Kleindienst eine Art Nationalheld
geworden ist. Der Mann, der die Spitzelaffäre ins Rollen gebracht
hat, steht inzwischen selbst im Mittelpunkt wilder Gerüchte. Die
Glaubwürdigkeit von Josef Kleindienst, der sich selber als Nehmer
geoutet hat, wurde arg ramponiert. Der ehemals blaue Gewerkschafter,
der etliche FPÖ-Funktionäre in arge Verlegenheit brachte, schweigt
sich aber beharrlich aus, woher sein neuer Reichtum stammt. Und das
müsste zu denken geben - nicht nur der Wiener Wirtschaftspolizei:
Denn wenn alles so paletti wäre, wie er tut, dann könnte er den
Ermittlern ohne weiteres verraten, wie er beispielsweise zu 18
Millionen Schilling Kredit gekommen ist. Oder wie viel ihm seine
Wertpapierspekulationen im Laufe der Jahre tatsächlich gebracht
haben. Er könnte seelenruhig zu den ungeklärten - und womöglich von
seinen zahlreichen Gegnern frei erfundenen - Spekulationen Stellung
nehmen, dass er früher Spenden- und sonstige FP-Gelder auf
Privatkonten abgezweigt habe. Er könnte weiters irgendwelche
Unterlagen über seine merkwürdigen Grundstücksgeschäfte vorlegen -
falls diese wirklich astrein sind. Schliesslich könnte er auch zu den
Mutmassungen etwas sagen, wonach er im Ausland (etwa in
Liechtenstein) nicht nur Konten, sondern auch weitere Grundstücke
besitze. So lange er aber in eigener Sache eisern schweigt, erweist
Kleindienst der FPÖ einen grossen Dienst: Seine anerkennenswerte
Leistung als Aufdecker der Machenschaften a la Kabas oder Kreißl
könnte nämlich bald wieder verblassen - und damit auch manches, was
die Beiden zu vertuschen haben. (Schluss) PM
Rückfragehinweis: Das WirtschaftsBlatt
Tel.: (01) 919 19/0
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