Das WirtschaftsBlatt - Kommentar: "Warum schweigt Josef Kleindienst?" von Peter Muzik

Wien (OTS) - Der neueste Aufdecker der Nation ist ziemlich schmähstad geworden: Josef Kleindienst denkt einfach nicht daran, der Wirtschaftspolizei in seine privaten Vermögensverhältnisse Einblick zu gewähren. Er liess unlängst eine Hausdurchsuchung eiskalt platzen und zischte sodann auf die Kanarischen Inseln ab, um dort angeblich Urlaub zu machen. Die recht dubiosen Facts über ihn, die vor rund einem Monat im WirtschaftsBlatt sowie im "Format" zu lesen waren, sind leider immer noch nicht aufgeklärt. Das Rätsel, wie ein kleiner Ex-Polizist in kürzester Zeit zu einem Millionenvermögen kommen kann, befasst inzwischen nicht nur den zuständigen Untersuchungsrichter, sondern müsste eigentlich auch die breite Öffentlichkeit und die Medien interessieren, für die Kleindienst eine Art Nationalheld geworden ist. Der Mann, der die Spitzelaffäre ins Rollen gebracht hat, steht inzwischen selbst im Mittelpunkt wilder Gerüchte. Die Glaubwürdigkeit von Josef Kleindienst, der sich selber als Nehmer geoutet hat, wurde arg ramponiert. Der ehemals blaue Gewerkschafter, der etliche FPÖ-Funktionäre in arge Verlegenheit brachte, schweigt sich aber beharrlich aus, woher sein neuer Reichtum stammt. Und das müsste zu denken geben - nicht nur der Wiener Wirtschaftspolizei:
Denn wenn alles so paletti wäre, wie er tut, dann könnte er den Ermittlern ohne weiteres verraten, wie er beispielsweise zu 18 Millionen Schilling Kredit gekommen ist. Oder wie viel ihm seine Wertpapierspekulationen im Laufe der Jahre tatsächlich gebracht haben. Er könnte seelenruhig zu den ungeklärten - und womöglich von seinen zahlreichen Gegnern frei erfundenen - Spekulationen Stellung nehmen, dass er früher Spenden- und sonstige FP-Gelder auf Privatkonten abgezweigt habe. Er könnte weiters irgendwelche Unterlagen über seine merkwürdigen Grundstücksgeschäfte vorlegen -falls diese wirklich astrein sind. Schliesslich könnte er auch zu den Mutmassungen etwas sagen, wonach er im Ausland (etwa in Liechtenstein) nicht nur Konten, sondern auch weitere Grundstücke besitze. So lange er aber in eigener Sache eisern schweigt, erweist Kleindienst der FPÖ einen grossen Dienst: Seine anerkennenswerte Leistung als Aufdecker der Machenschaften a la Kabas oder Kreißl könnte nämlich bald wieder verblassen - und damit auch manches, was die Beiden zu vertuschen haben. (Schluss) PM

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