• 13.12.2000, 14:24:05
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  • OTS0254

Trendwende am Mineraldüngermarkt

Erdgaspreise seit Sommer 1999 verdoppelt - Heuer mehr Inlandslieferungen

Wien, 13. Dezember 2000 (AIZ). - Der Markt für mineralische
Düngemittel hat sich in den letzten Monaten komplett gedreht, teilt
der führende österreichische Düngemittelhersteller Agrolinz Melamin
mit. Waren die Düngemittelläger bei den Herstellern vor einem Jahr
trotz eines historischen Tiefstpreises von unter ATS 1.000,- pro
Tonne ab Werk lose zum Bersten voll, so können die heimischen
Produzenten heute bei rund doppelt so hohen Kalkammonsalpeter-
Preisen nur mehr sehr begrenzt Aufträge annehmen, weil die Läger
praktisch "besenrein" leer sind. Wie kam es zu dieser Entwicklung?
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Stilllegung von Produktionsanlagen

Das beträchtliche Überangebot an Düngemitteln der vergangenen Jahre
hat bei den Produzenten starke Verluste verursacht. Die Folge davon:
Schließungsmaßnahmen von unrentabel gewordenen Produktionsanlagen im
Ausmaß von ca. 4 Mio. t Ware oder ca. 10 % des Düngemittelbedarfs
der EU-15. Die Stilllegungsmaßnahmen waren für die betroffenen
westeuropäischen Unternehmen mit sehr hohen Kosten verbunden und nur
unter Abbau von ca. 4.000 Arbeitsplätzen möglich.

Restrukturierungsmaßnahmen wurden nur in Westeuropa durchgeführt,
während in Osteuropa die Produktionskapazitäten durch staatliche
Stützung aufrechterhalten werden. Die Anlagen produzieren jedoch mit
hohem Energieaufwand und wesentlich niedrigeren Umweltstandards.
Sich auf diese Produzenten bei der Versorgung des Marktes zu
verlassen, wäre ein hohes Risiko, da durch mangelnde
Instandhaltungsmaßnahmen mit überraschenden Produktionsausfällen
gerechnet werden muss.

Massiv gestiegene Produktionskosten

Seit Mitte des Vorjahres steigen die Energiepreise dramatisch an,
was durch den hohen Dollarkurs noch deutlich verstärkt wird. Die
Düngemittelindustrie muss heute mit mehr als doppelt so hohen
Erdgaspreisen leben wie im Sommer 1999. Trotz der laufenden
Preiserhöhungen bei Stickstoffdüngern besteht für die Produzenten
nach wie vor eine unbefriedigende Erlössituation, da rund 80 % der
variablen Kosten bei der Produktion von Stickstoffdüngemitteln auf
Energie entfallen. Ähnlich ist die Situation bei NPK-Düngern, da
neben der Verteuerung der Stickstoffkomponente auch Rohphosphat
infolge des hohen Dollarkurses wesentlich zur Verteuerung der
Produktionskosten beiträgt.

Angebot und Nachfrage

Der Düngemittelmarkt ist geprägt von einem zentraleuropäischen
Preisniveau, das nur mehr auf Grund unterschiedlicher Transport- und
Logistikkosten eine gewisse Regionalisierung erfährt. Gerade das
vorige und das heurige Jahr, mit den diametral entgegengesetzten
Verhältnissen, zeigen deutlich den Wettbewerb am europäischen
Düngemittelmarkt. Nach einer Periode des Überangebots und sehr
niedriger Preise wurde für das laufende Wirtschaftsjahr ein
ausgeglichenes Angebots- und Nachfrageverhältnis erwartet. Ausgelöst
durch die deutlich höheren Preise in den Überseemärkten und vom
nachhinkenden europäischen Preisniveau wurden jedoch aus den
küstennahen Produktionsstätten unerwartet hohe Düngermengen aus
Europa exportiert. Dadurch ist periodisch eine Verknappung des
Angebotes entstanden. Diese wurde von den Marktteilnehmern durch den
hohen Einlagerungswillen infolge steigender Preise und hoher
Lagerverfügbarkeit noch stärker empfunden.

Marktsituation Österreich

Die veränderten europäischen Marktverhältnisse führen dazu, dass die
in den vergangenen Jahren üblichen Importe offensichtlich nicht oder
nur in geringem Ausmaß nach Österreich kommen. Auch diese
Produzenten beliefern bevorzugt den Heimatmarkt und aus
Kostengründen frachtnahe und logistisch günstiger gelegene Länder.

Vor diesem Hintergrund sieht sich die inländische
Düngemittelindustrie mit einer unerwartet hohen Inlandsnachfrage
konfrontiert. Bis jetzt sind wesentlich höhere Düngermengen ins
Inland geliefert worden als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Dennoch konnten bei weitem nicht alle Wünsche nach frühzeitiger
Lieferung erfüllt werden, weil die Industrie nicht in der Lage ist,
innerhalb von sechs Monaten nahezu den gesamten Bedarf eines
Wirtschaftsjahres zur Verfügung zu stellen.

Es wurden und werden auch weiterhin alle Anstrengungen unternommen,
Zusatzmengen für das Inland zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig
muss festgestellt werden, dass eine bedarfsdeckende Versorgung über
das gesamte Wirtschaftsjahr unter den geänderten Voraussetzungen nur
dann möglich ist, wenn die Verteiler den üblichen Ergänzungsbedarf
erst während der Anwendungssaison ordern und damit der Industrie
Zeit geben, Mengen entsprechend nachzuproduzieren.
(Schluss)

Rückfragehinweis: AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst
Tel: 01/533-18-43, e-Mail: pressedienst@aiz-in.com

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FAX: (01) 535 0438

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