FORMAT: Grosz: "Juden haben Angst vor steigendem Antisemitismus"

Ehrenräsident der Israelitischen Kultusgemeinde wünscht sich Schuldbewußtsein der Österreicher

Wien (OTS) - In einem Interview mit dem am Montag erscheinenden Nachrichtenmagazin FORMAT wünscht sich Paul Grosz, Ehrenpräsident der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde , als Vorbedingung für die Restitution ehemals arisierten Vermögens mehr Schuldbewußtsein der Österreicher: "Das ist alles ein Mumpitz, wenn es vorher nicht ein Mea culpa gibt. Das ist die Voraussetzung iner Katharsis, einer Reinigung."

Zudem äußerte Grosz gegenüber FORMAT die Befürchtung, aufgrund der gegenwärtigen Resitutionsdebatte könnte der "Antisemitismus virulent werden": "Viele österreichische Juden haben Angst."

Anders als in Deutschland habe es in Österreich nach 1945 kein Schuldgefühl gegeben: "Seit 1945 war Österreich eifrig bemüht, sich von den Nazigreueln zu distanzieren, um von den westlichen Demokratien akzeptiert zu werden. Die Republik kam bald zu dem Schluß, daß es billiger war und ist, sich von jeder Mitverantwortung oder gar Mitschuld reinzuwaschen und sich gegenseitig Persilscheine auszustellen", kritsiert Grosz. Es gehe darum, daß die Täter ihre Schuld einbekennen, was nie geschehen sei. "Die österreichischen Antisemiten haben die Juden akzeptiert wie einen Ausschlag", so Grosz. Damit sei für ihn die Gewißheit da, daß ein Wiederholen programmiert sei.

Kritik übte Grosz aber auch an der Passivität der österreichischen Juden: "Sie haben keine Forderungen gestellt. Sie haben akzeptiert, daß sie hier nicht willkommen sind."

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Format
Tel.: (01) 217 55/0

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | FMT/OTS