Armutskonferenz: Nizza - Europ. Rat beschließt Aktionspläne gegen Armut

"Soziale Agenda" nimmt auch Österreich in die Pflicht. Andere Länder haben damit längst begonnen. Kritik an politischen Parteien: "Haben ihre Lieblingsarmen" - "Ganzheitliche Sicht fehle".

Wien, 8.12.00 (OTS) - Der Europäische Rat in Nizza wird im Rahmen der "Sozialen Agenda" die Ausarbeitung nationaler Aktionspläne gegen Armut beschließen. Das nehme auch Österreich "in die Pflicht", besonders weil "andere Staaten damit längst begonnen haben", sagte Michaela Moser, die Vertreterin Österreichs im European Anti Poverty Network (eapn). Moser verwies auf das Beispiel Frankreichs, wo im Rahmen eines Dreijahresplanes Finanzmittel in der Höhe von umgerechnet rund 100 Milliarden Schilling für die Armutsbekämpfung zur Verfügung gestellt werden. Dabei würden neben infrastrukturellen auch "symbolische" Maßnahmen gesetzt wie die Erstellung von Wahllisten für Wohnungslose, die auch dieser sonst vernachlässigten Gruppe politische Teilnahme ermöglichen soll. Partizipation ist nach den Worten Mosers einer der Grundpfeiler erfolgreicher Armutsbekämpfung, unabdingbar seien auch der Zugang Betroffenen zu sozialen Grundrechten und Armutsvermeidung als deklarierte politische Priorität.

"Der Erfolg solcher Aktionspläne steht und fällt mit der ganzheitliche Sicht der Armutsrisken". Der Sozialexperte der Diakonie Österreich, Martin Schenk, kritisiert dass jede politische Partei ihre "Lieblingsarmen" wie kinderreiche Familien oder Behinderte habe, die dann gegen andere benachteiligte Gruppen wie Obdachlose, Suchtkranke oder Zuwanderer ausgespielt werde. "Die beliebte Spaltung in würdige und unwürdige Arme ist mit der in Nizza vorliegenden "Sozialen Agenda" unvereinbar", so Schenk.

NGOs wie die im Armutsnetzwerk vereinten Organisationen sehen die soziale Wirklichkeit hinter den oft vieldeutigen Zahlen viel unmittelbarer und Tendenzen wie die steigende Armut immer jüngerer Personen viel deutlicher, sagte Werner Bachstein, Sozialexperte der Wiener Caritas und Universitätsassistent am Institut für Sozialpolitik der WU-Wien. Ihre Kompetenzen und ihr Know-How sollten von den politisch Verantwortlichen stärker herangezogen werden.

Die ARMUTSKONFERENZ - Lobby derer, die keine Lobby haben -Frauenhäuser, Schuldnerberatung, Bewährungshilfe, Caritas, Diakonie, - Kolpingwerk, Beratungsstellen für MigrantInnen, Wohnungslosenhilfe, - Arbeitsloseninitiativen, Volkshilfe, Kath.Sozialakademie, Soziale -Unternehmen, Plattform der Alleinerziehenden, ...

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