"Das Leben von 35 Millionen Menschen kostet einen Stealth Bomber" UN-Koordinatorin für humanitäre Hilfe über Krisengebiete und Katastrophenhilfe 2001

7. Dezember 2000: Carolyn McAskie, UN-Koordinatorin für humanitäre Hilfe, präsentierte heute bei einem Pressegespräch in Wien die Arbeitsschwerpunkte des UN Büros für die Koordination humanitärer Hilfe (OCHA) für 2001. 19 Krisengebiete wurden identifiziert, in denen auch 2001 dringendste Nothilfe geleistet werden muss, um das Überleben von 35 Millionen Menschen zu sichern. Zur Finanzierung des Überlebens von 35 Millionen Menschen in diesen Gebieten benötigen die UN und die Internationalen Hilfsorganisationen 2, 3 Milliarden US Dollar - den Preis eines Stealth-Bombers.

Dringender Hilfsbedarf in 19 Krisengebieten
Gemeinsam mit UN Generalsekretär Kofi Annan hat Frau McAskie am 28. November die Hilfsappelle der Vereinten Nationen und der internationalen Hilfsorganisationen für 19 humanitäre Krisengebiete vorgestellt. Um das Überleben von mehr als 35 Millionen Menschen in den betroffenen Gebieten während des nächsten Jahres zu sichern, werden 2,3 Milliarden US $ benötigt, die zum Großteil durch Zahlungen der internationalen Staatengemeinschaft finanziert werden sollen. Nach Ländern aufgeschlüsselt werden in den sogenannten "Consolidatet inter-agency appeals 2001"
(http://www.reliefweb.int/appeals/2001.html) die humanitäre Situation
sowie der Hilfs- und Finanzbedarf dargestellt.

Die vordringlichste Zielgebiete für internationale Nothilfe werden im kommenden Jahr folgende Länder sein: Afghanistan, Angola, Burundi, Nordkorea, Äthiopien und Eritrea, die Region der Großen Seen und Zentralafrika, die Molukken, der Nordkaukasus, die Republik Kongo, Sierra Leone, Somalia, Südosteuropa, der Sudan, Tadschikistan, Tansania, Uganda und Westafrika.
Ursache der humanitären Katastrophe sind in den meisten der genannten Länder Kriege oder Bürgerkriege. Gewalt und Vertreibung lassen die Armut auf ein für Millionen Menschen lebensbedrohliches Ausmaß steigen.

Fokus: Frauen als Kriegsopfer
80 % der Opfer von gewaltsamen Konflikten und Vertreibung sind Frauen und Kinder. Da Frauen besonders unter Kriegen leiden, richtet sich der Fokus der internationalen Hilfsmaßnahmen im nächsten Jahr auf die Situation von Frauen im Krieg. Sexuelle Gewalt sei nicht ein Nebeneffekt von Kriegen, sondern werde vielfach als Kriegstaktik angewandt, wie Carolyn McAskie am Beispiel von Sierra Leone schilderte. Die internationale Gemeinschaft müsse dies bei ihren Hilfsmaßnahmen verstärkt berücksichtigen, denn "sexuelle Gewalt im Krieg ist nicht ein ungewollter sexueller Akt, sondern ist Folter und Kriegsverbrechen." Darüber hinaus sei diese Art von Kriegsverbrechen mitverantwortlich für die rapide Ausbreitung von AIDS in einigen afrikanischen Regionen.
Folgende Maßnahmen würden deshalb im nächsten Jahr in internationale Hilfsaktionen einfließen:
· Gender-Screening: alle Hilfsaktionen sollten gender-spezifische Aktivitäten umfassen
· Aufdeckung von sexuellen Kriegsverbrechen
· Therapie und Beratung für Frauen, die Opfer sexueller Gewalt wurden und meist nach der Gewalt noch die soziale Stigmatisierung durch ihre Umgebung erleiden.

Mehr Sicherheit für Hilfeleistende
Ein besonderes Anliegen sei es den Vereinten Nationen, die Sicherheit der Mitarbeiter von Hilfsorganisationen zu erhöhen. Es sei als Alarmsignal zu werten, dass 1999 erstmals mehr Leute im Hilfseinsatz umgekommen sind als im Einsatz für internationale Friedenstruppen. Die Hilfsappelle für 2001, die nach Ländern aufgeschlüsselt die humanitäre Situation und den Hilfsbedarf darlegen, würden deshalb heuer auch Angaben zu Risikofaktoren und Kosten für die Sicherheit der Helfer enthalten.

Österreichisches Engagement zur Friedensschaffung
Besonders gewürdigt wurde von Frau McAskie das österreichische Engagement zur Friedensschaffung und Konfliktprävention im Rahmen der UN. Österreich habe seit 1993 durch die rege Beteiligung an UN-Friedensmissionen und durch die Bereitstellung nationaler Ressourcen zur humanitären Hilfe die Arbeit von OCHA wesentlich unterstützt. Der vielfache Einsatz des österreichischen Bundesheers zeige beispielhaft die Einsatzmöglichkeiten von nationalen Militäreinheiten in der Katastrophenhilfe.
Ebenfalls hervorgehoben wurde das große österreichische Engagement bei den Friedensverhandlungen für Burundi im Rahmen des Arusha-Friedensprozesses. Nach Unterzeichnung eines Friedensabkommens durch die politischen Parteien gehe es nun darum, die bewaffneten Gruppen in die Friedensgespräche zu integrieren und die politischen Aspekte des Abkommens umzusetzen.

Abschließend äußerte Carolyn McAskie Zuversicht, die für humanitäre Hilfe dringend benötigten 2,3 Mrd. $ von der Staatengemeinschaft zu erhalten. Nach den enormen Mitteln, die für die Krisen in Albanien und Osttimor aufgebracht wurden, sei die Hoffnung berechtigt, dass "es sich dabei nicht um einmalige, unwiederholbare Anstrengungen handelte."

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