Bischof Aichern: Es darf kein Vergessen geben (2)

Marsalek: Mauthausen Aktiv ist und wird erfolgreich sein

Wien (ÖGB). Nationalratspräsident Dr. Heinz Fischer sagte zu Beginn der Veranstaltung, dass jene Menschen, die in Mauthausen leiden mussten und überlebten - das war aber nur ein Bruchteil - sich zusammengefunden haben, um "Niemals zu vergessen". Mehr als 50 Jahre sind seit damals vergangen, an den Anliegen aus diesen Erfahrungen muss aber weiter festgehalten werden. Österreich war ein Opfer. Aber deshalb darf man keinen Punkt machen, sondern muss weiterdenken. Man dürfe nicht die Weichen in die falsche Richtung stellen, ohne darüber nachzudenken, wie sensibel dieses Thema ist. ++++

Bischof Aichern sagte, dass uns die Opfer des Nationalsozialismus ein mahnendes Beispiel sein müssen. Die Lagergemeinschaft hat durch ihre jährlichen Gedenkveranstaltungen die Schrecken des Konzentrationslagers Mauthausen wach gehalten. In Oberösterreich habe die Gewerkschaftsjugend und die Katholische Jugend eine Aktivgruppe gegründet und damit einen wichtigen Beitrag gegen das "Vergessen" und "Wegschieben" geleistet. Der Verein Mauthausen Aktiv Österreich wurde vom ÖGB und der Bischofskonferenz unter Mithilfe der Israelitischen Kultusgemeinde als Nachfolgeorganisation der Lagergemeinschaft Mauthausen gegründet. Bischof Aichern: "Es ist Pflicht und Ehrenaufgabe an die Überlebenden zu denken. Die große Gefahr heute sei, dass das Konzentrationslager Mauthausen von anderen vergessen werde - es darf aber kein Vergessen geben."

Dr. Ariel Muzicant, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, sprach der Lagergemeinschaft Mauthausen Hochachtung und Dank für die in den vergangenen 55 Jahren geleistete Arbeit aus. "Das Vermächtnis ist eine heilige Verpflichtung, dass so etwas nicht mehr passiert", sagte Muzicant.

Betroffenheit erzeugte der Obmann der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen, Hofrat Hans Marsalek, bei den vielen Gästen der Feierstunde mit seiner Rede. Die Lagergemeinschaft sei schon im Konzentrationslager Mauthausen, in dem insgesamt 250.000 Häftlinge waren, gegründet worden. "Und obwohl es viele Nationalitäten und daher auch Sprachen gab, gab es nur eine Sprache:
Die der SS, die über Tod und Leben entschied". Marsalek sagte, dass die überparteiliche Nachfolgeorganisation Mauthausen Aktiv Österreich alle Voraussetzungen habe, das Vermächtnis der Lagergemeinschaft fortzusetzen. Man müsse für mehr Toleranz unter den Menschen, für eine tolerantere Politik, gegen Fremdenhass, aber für mehr soziale Gerechtigkeit eintreten. "Ihr werdet dabei erfolgreich sein", sagte Marsalek. (ew)

ÖGB, 7. Dezember 2000
Nr. 1073
(Fortsetzung)

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