Verzetnitsch: Vermächtnis Mauthausen "Niemals vergessen" (1)

Jenen schuldig, die in Mauthausen gestorben sind

Wien (ÖGB). Im Parlament erfolgte heute im Rahmen einer Feier die Übergabe des Vermächtnisses der ehemaligen Häftlinge von Mauthausen an den Verein "Mauthausen Aktiv Österreich", dessen Gründungsmitglieder der ÖGB und die Bischofskonferenz unter Mitwirkung der Israelitischen Kultusgemeinde sind, und deren Vorsitzender Willi Mernyi ist. An der Veranstaltung nahmen Bischof Dr. Maximilian Aichern, Nationalratspräsident Dr. Heinz Fischer, ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch, Dr. Ariel Muzicant von der Kultusgemeinde, Hofrat und Obmann der Lagergemeinschaft Mauthausen, Hans Marsalek und Willi Mernyi teil. Verzetnitsch sagte, dass mit der heutigen Übergabe des Vermächtnisses durch die ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen uns Nachgeborenen und den Gründern des Vereins Mauthausen Aktiv Österreich große Verantwortung in die Hände gelegt wird.++++

"Als einer der Mitbegründer dieses Vereines verspreche ich namens des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, dass wir dieses Vermächtnis mit allen uns zu Gebote stehenden Möglichkeiten im Geiste der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen fortsetzen werden", sagte Verzetnitsch bei der Feierstunde im Parlament: "Ich verspreche das nicht nur deshalb, weil in den Statuten des ÖGB festgeschrieben ist, dass wir den Kampf gegen alle Erscheinungen und Überreste des verbrecherischen Regimes fortsetzen und beseitigen müssen, sondern weil wir es jenen schuldig sind, die in Mauthausen oder in einem der vielen anderen Konzentrationslager gestorben sind."

Niemals dürfe man die Trauer angesichts des qualvollen Todes, der seine Spuren im Konzentrationslager gezogen hat, vergessen, niemals dürfe man die Todesmärsche, auch wenn manchmal versucht wird, diese Spuren schamhaft zu verwischen, vergessen und niemals darf darüber der Mantel des Schweigens gebreitet werden. Verzetnitsch: "Denn es geht um die Würde des Menschen und es geht um das aktive Verteidigen dieser Würde."

Man dürfe es sich auch nicht so leicht machen, indem man Töne der Vergangenheit und der Gegenwart damit entschuldigt, dass man in die Zukunft sehen muss und man soll doch jene, die gestern noch den Rassismus auf ihre Plakate geschrieben haben, in Ruhe arbeiten lassen. Unrecht wird nicht ungeschehen, nur weil man es in versöhnliche Worte kleidet, sagte Verzetnitsch und unterstrich dies mit einem Beispiel: "Ethnische Säuberung - klingt harmlos, doch es sind entsetzliche, mit Schmerz, Trauer und Tod verbundene Worte." Säuberung heißt Schmutz beseitigen. Aber dieser "Schmutz" sind Kinder, Frauen und Männer. Und die Beseitigung erfolgte durch Maschinenpistolen, Granaten und mit Folterwerkzeugen.

Überall dort, wo Menschen diskriminiert, verspottet und abgelehnt werden, müssen wir Widerstand leisten, sagte der ÖGB-Präsident weiter. Da darf es kein Wegsehen und da darf es auch kein Schweigen geben - denn die Geschichte hat uns gelehrt, dass Schweigen und Wegschauen die Geschichte herausfordern. Das Vermächtnis der ehemaligen Häftlinge von Mauthausen ist für uns nicht nur ein Auftrag "niemals zu vergessen", was geschehen ist, sondern gleichzeitig Verpflichtung zu jeder Stunde gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit Widerstand zu leisten.

Treten wir aber auch für alle jene ein, die schwach sind, die unsere Hilfe brauchen, die Hoffnung für die Zukunft haben wollen. "Solange unsere Erinnerung lebendig bleibt, wird sie als Schutzwall dienen gegen gewisse Versuchungen, das totalitäre Böse an die Macht kommen zu lassen. Wenn wir zulassen, dass die Erinnerung verfliegt, wird das Vergessen die Dimension der Tragödie selbst annehmen" - zitierte Verzetnitsch Elie Wiesel.

Verzetnitsch abschließend: "Wer keine Erinnerung hat, hat auch keine Zukunft. Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann auch die Zukunft nicht gestalten" - diesen Satz haben die ehemaligen Häftlinge der Lagergemeinschaft Mauthausen u. a. in ihrem Vermächtnis niedergeschrieben. Für uns als ihre Nachfolger, für die heutige, aber auch die künftige Gesellschaft ist dieses Vermächtnis Auftrag und Herausforderung gleichzeitig. Und beides beginnt für uns immer damit: "Niemals vergessen".

Bei der Feierstunde wurde an ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch auch ein gemeinsames Positionspapier der Gemeinden Langenstein, Mauthausen, Ried i. d. Riedmark und St. Georgen/G. zur Reforminitiative "Reorganisation und Neugestaltung" der KZ-Gedenkstätte Mauthausen übergeben, indem die künftigen Maßnahmen und Vorhaben für die Gedenkstätte Mauthausen von den Bürgermeistern dieser Gemeinden festgehalten werden. (ew)

ÖGB, 7. Dezember 2000
Nr. 1072
(Fortsetzung)

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