Prammer: Aus der Frauengeschichte lernen

Wien (SK) "Aus der Frauengeschichte lernen" lautete der Titel der heutigen Tagung im Renner-Institut mit der Frauenforscherin und Historikerin Prof. Gerda Lerner. "Uns wird täglich vor Augen geführt, wie man aus der Geschichte lernen kann", erklärte SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer in Anspielung auf die frauenfeindlichen Maßnahmen der Regierung und die gestrige parlamentarische Plenardiskussion um die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses wegen der Spitzelaffäre. "Frauen sind die ersten, die es trifft. Vor allem in Zeiten, in denen es um das Abhandenkommen des demokratischen Systems geht." ****

Die gestrige Debatte empfand Prammer als "bezeichnend". "Größte Aufmerksamkeit und Standing Ovations für das unsoziale Budget, aber völlige Ignoranz und Kaffeehausstimmung in den Reihen der Regierungsparteien, wenn die Aufklärung der Spitzelaffäre thematisiert und die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses eingefordert wird." Der entsprechende Antrag wurde erwartungsgemäß abgelehnt.

Lerner spricht im Zusammenhang mit der Regierungspolitik und den Auswirkungen auf die Frauen von einem "Backlash" und zeigt historische Beispiele auf, die ähnliche Szenarien darstellten. "Ob es die Französische Revolution war oder die Pariser Kommune, der Kommunismus oder bürgerliche Bewegungen: Immer wenn Frauen sich eine eigene Struktur und gewisse Errungenschaften erkämpft haben, werden die frauenspezifischen Organisationen und Einrichtungen abgebaut." Zuerst würden Finanzmittel gestrichen, dann gesetzliche Regelungen zu Ungunsten der Frauen erlassen und schließlich ein konservatives Frauenbild propagiert, das den Frauen die Selbstständigkeit nimmt. Lerner: "Die furchtbare Tragödie der Frauengeschichte ist, dass wir immer neu anfangen müssen." Der Kampf allerdings lohne sich, da gewisse Fortschritte schlussendlich nicht mehr ganz rückgängig gemacht werden könnten.

Prammer wies darauf hin, dass gerade hier die Gefahr zu suchen sei. Rechtsnormen, die noch nicht gänzlich in das Bewusstsein der Menschen gedrungen sind, könnten relativ einfach wieder rückgängig gemacht werden. Als Beispiel nannte die Bundesfrauenvorsitzende die Gleichbehandlungsgesetze. "Diese sind noch nicht zum Leben erweckt. Hier ist vieles noch nicht einklagbar, einforderbar, umsetzbar gemacht." Dazu gehöre noch eine Menge Bewusstseinsarbeit, dieser erste Schritt sei noch nicht ausreichend vollzogen. Es bestünde daher die Gefahr, dass diese Rechtsnormen wieder zunichte gemacht würden. (Schluss) wf/mp

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