Spendensammler aggressiv auf Kundenfang

Wien (OTS).- AKNÖ Konsumentenschützer fordern wirksame Kontrollen

In der Adventzeit rüsten sich die Spendensammler besonders intensiv für ihre Arbeit. Es ist ihre Hochsaison, in der sie gezielt Kunden suchen. Sei es auf der Straße und vor der Haustür, am Telefon oder mittels Bittbriefen im Postkasten: Es gibt nahezu keinen Ort, wo sie nicht anzutreffen sind. Kein Wunder, denn immerhin sind Spenden auch ein großes Geschäft geworden: Über 4 Milliarden Schilling fließen alleine in Österreich pro Jahr in diverse Organisationen und Vereine. So sehr solidarische Hilfe wichtig und ehrenwert ist, müssen Konsumenten jedoch verstärkt darauf achten, wen sie unterstützen.

Die Arbeiterkammer Niederösterreich kritisiert die Sammelmethoden mancher Organisationen und fordert neuerlich wirksame Kontrollen. Denn immer öfter wird versucht, Kunden zu einer Mitgliedschaft mit einer andauernden Zahlungsverpflichtung zu überreden. An Stelle von Bargeld sollen die Spendewilligen ihre Unterschrift für einem Einziehungsauftrag hergeben. Wenn sie dies tun, bleiben sie rund 7 Jahre ein zahlender Kunde - so lange dauert es durchschnittlich, bis solch eine Einziehungsermächtigung rückgängig gemacht wird. Geworben wird auch mit prominenten Persönlichkeiten, die Vertrauen und Glaubwürdigkeit vermitteln sollen. Diese sind von der Vermarktung ihrer Person manchmal nicht einmal informiert worden.
Die AKNÖ macht darauf aufmerksam, dass für spendensammelnde Vereine noch immer das Vereinsgesetz aus dem Jahr 1867 gültig ist. Das bedeutet, dass für die Mittelverwendung keine Kontrolle von außen möglich ist. Dazu kommt, dass gerade die Straßen- und Haussammlung häufig ohne Sammelgenehmigung erfolgt. Wer will das überprüfen?

Konsumentenschützer Günther La Garde: "Wir wissen aus Erfahrung, dass gewisse Organisationen die Spendenfreudigkeit ausnützen. Nur zu oft wird Geld in Empfang genommen und keine Rechenschaft über die Verwendung abgelegt. Spenden darf aber nicht nur eine Vertrauenssache sein. Es muss eine Absicherung durch Kontrollen geben. Daher unterstützen wir nach wie vor die Umsetzung eines Gütesiegel für Spendensammler. Es gibt berechtigte Hoffnungen, dass dies spätestens nächstes Jahr geschaffen wird."
Für den Kundensuche sind nicht nur ehrenamtliche Vereinsmitglieder unterwegs. Das Spendengeschäft wird zunehmend über Werbeagenturen abgewickelt. Die meisten von ihnen arbeiten auf Provisionsbasis - sie erhalten also einen Teil der Spende und treten dementsprechend aggressiv auf. Günther La Garde: "Für das erste Jahr eines Einziehungsauftrages beträgt die Provision zwischen 60 % und 70% , manchmal sogar bis zu 90 %. Wenn das die Spender einmal wissen, dann überlegen sie sicher genau, wem sie ihr Geld geben."

Die AKNÖ rät allen Konsumenten dringend, den Jahresbericht der Spendenorgansiation anzufordern, um einen Einblick in die Geschäfte zu erhalten. Im Falle einer Mitgliedschaft sollen sich die Unterzeichner eine Kopie des Vertrages geben lassen. Außerdem lohnt sich bei einem Einziehungsermächtigung die genaue Überprüfung der Kontoabbuchungen. Bei Unregelmäßigkeiten muss sofort reklamiert werden. Von so genannten Straßen- und Haustürverträgen kann nach einer Woche zurückgetreten werden. Nach Ablauf dieser Frist gibt es eine jährliche Kündigungsmöglichkeit.
Das Gütesiegel soll helfen, die Transparenz der Mittelverwendung zu verbessern. Damit eine Organisation das Gütesiegel erhält, muss sie genaue Anforderungen erfüllen. Zum Beispiel eine nachvollziehbare Spendenverwaltung, Verzicht auf aggressive Werbemethoden und unabhängige Wirtschaftsprüfer.

Ein interessantes Detail zum Schluß: Durchschnittlich 27 Spenden -Erlagscheine flattern in den Monaten November und Dezember in einen Haushalt. Und manche Postämter schneiden zum Teil kräftig an den Spenden mit. Die AKNÖ Konsumentenschützer untersuchten, wie hoch die Erlagscheinspesen sind. Das Ergebnis: Banken verlangen bei Spendenüberweisungen keine Gebühr. Auf einigen Postämtern, z.B. in Hainfeld oder Traisen, zahlen Konsumenten für ihre Spendenüberweisung jedoch 5,-- Schilling pro Erlagschein.

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