EU - AltKFZ - Richtlinie: Wertstofflager statt Schrottkiste

Ab 2006 müssen Altfahrzeuge zu mindestens 85 % wiederverwendet bzw. verwertet werden - VÖEB-Tagung skizziert Strategien

Wien (OTS) - Rund 4 Millionen Kfz - aufgeteilt auf rund 400 verschiedene Zulassungsmodelle - befahren derzeit Österreichs Straßen. Die EU-Richtlinie Altfahrzeuge sieht ab 1. Jänner 2006 die Wiederverwendung, Verwertung oder das Recycling dieser Fahrzeuge bzw. ihrer Bestandteile vor. Und zwar in einem Ausmaß mind. zu 85 %. Durch diese EU-Richtlinie soll die seit 1992 auf freiwilliger Basis bestehende Alt-PKW-Recycling-Vereinbarung, damals geschlossen zwischen dem BM für wirtschaftliche Angelegenheit, dem BM für Umwelt und der österreichischen Wirtschaftskammer, abgelöst werden. Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VÖEB) und das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft organisierten dazu am 7. Dezember 2000 im Wiener Haus der Industrie eine Informationsveranstaltung, in der die wichtigsten Aspekte und Strategien zur Umsetzung der Richtlinie vor einem Fachpublikum diskutiert werden.

Das Ziel der Richtlinie

Vorrangiges Ziel der EU-Richtlinie Alt-Fahrzeuge ist die Festlegung von Maßnahmen, die auf Vermeidung von Fahrzeugabfällen bzw. auf die Wiederverwendung und Verwertung von Altfahrzeugen und ihren Bauteilen abzielen. So sollen bereits bei der Fahrzeugherstellung möglichst keine gefährlichen Stoffe mehr verwendet und bei Konstruktion und Produktion von neuen Fahrzeugen auf Demontage, Wiederverwendung und Verwertung Bedacht genommen werden. Ein Beispiel zeigt, welche Bedeutung diese Richtlinie in der Praxis haben wird: So sind in einem Mittelklassewagen (wie ein VW Golf) bereits über 150 verschiedene Sorten Kunststoffe und über 250 verschiedene Stahlsorten bzw. Eisenlegierun-gen enthalten. Diese Vielzahl von Einzelkomponenten mit unterschiedlichsten Materialen gilt es in Zukunft zu verwerten.

Hohe Verwertungsvorgaben

Die Verwertungsvorgaben der EU-Richtlinie können durchaus als ambitioniert bezeichnet werden. So müssen bis spätestens 1. Januar 2006 Wiederverwendung und Verwertung pro Jahr bei allen Altfahrzeugen auf mindestens 85 % des durchschnittlichen Fahrzeuggewichtes erhöht werden. Innerhalb derselben Frist muss die Wiederverwendung und das Recycling mindestens 80 % betragen. Diese Quoten erhöhen sich bis spätestens 1. Januar 2015 auf zumindest 95 bzw. zumindest 85 % des durchschnittlichen Fahrzeuggewichtes pro Jahr.

Umsetzung und Finanzierung

Diese Richtlinie ist bis spätestens 21. April 2002 in österreichisches Recht umzusetzen. Wobei durchaus beachtliche Kosten zu berücksichtigen sind. Bei einer derzeit angenommenen Ausgangsbasis von zirka 170.000 jährlich zu behandelnden Fahrzeugen und durchschnittlichen Behandlungskosten zwischen ATS 1.500,-- bis ATS 3.000,-- ist mit einem jährlichen Aufwand von zirka ATS 255 bis 510 Millionen (zuzüglich Verwaltungskosten) zu rechnen. Die Aufbringung dieser Beträge wird derzeit noch in verschiedenen Konzepten diskutiert. In einem so genannten "Ansparmodell" soll der Kfz-Halter jährlich etwa ATS 60 bis 120 beitragen, der Hersteller steuert in diesem Modell rund 50 % der Kosten bei. Das von der Wirtschaft bevorzugte Modell sieht hingegen eine Kombination aus einem Ansparmodell, bei dem die Fahrzeughalter jährlich einen gleichbleibenden Betrag mit der Haftpflichtversicherung zahlen und einem vom Hersteller bzw. Importeur pro Neuwagen zu leisteten Betrag vor. Ein drittes Konzept sieht die Mittelaufbringung durch die teilweise Einrechnung in den Produktpreis vor.

Position des VÖEB

Ing. Walter Kletzmayr, VÖEB-Experte für die EU-RL-Altfahrzeuge meint dazu, dass "die österreichischen Shredder-Betriebe sich jedenfalls zur Zielsetzung der 100 %igen Verwertung von Altfahrzeugen bekennen." Aus Sicht des VÖEB ist dieses Ziel jedoch nur schrittweise und unter Mitwirkung aller Beteiligten - von den Produzenten über die Verwerter bis hin zu den Behörden erreichbar. Die Vorgaben der Richtlinie mit 80 bzw. 95 % Verwertungsquote wird im VÖEB als durchaus sinnvolle Zielvorgabe gesehen. Allerdings fordert man entsprechende Rahmenbedingungen: "Die Wege der Erreichung der Verwertungsquoten sollten und dürfen nicht vorgeschrieben werden. In diesem Sinne ist die wesentliche Forderung des VÖEB für die österreichischen Shredder-Betriebe die Gleichstellung der thermischen mit der stofflichen Verwertung", unterstreicht Ing. Kletzmayr die Position des VÖEB. Laut Aussage weiterer Experten verfügt Österreich bereits jetzt über eine ausreichende Shredder-Kapazität und wird spätestens ab 1.1.2006 auch über ausreichende Kapazitäten zur thermischen Behandlung und Verwertung des Shredder-Abfalls verfügen.

Die vom VÖEB gemeinsam mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft organisierte Veranstaltung "Umsetzung der EU-Richtlinie Altfahrzeuge in Österreich" findet am 7. Dezember 2000 zwischen 8.30 Uhr und 16.30 Uhr im Haus der Industrie, Schwarzenbergplatz 4, 1030 Wien, statt.

Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VÖEB) ist die 1982 gegründete unabhängige Interessenvertretung der österreichischen Entsorgungsbranche. Er vertritt rund 240 Mitglieder und repräsentiert damit ca. 80% der kommerziell geführten Entsorgungsbetriebe. Seine Mitglieder sammeln, behandeln und entsorgen 2/3 des in Österreich anfallenden Abfalls, beschäftigen rund 20.000 Mitarbeiter und erwirtschaften rund ATS 40 Mrd. Umsatz. Der VÖEB sieht seine Aufgaben in allen Bereichen der klassischen Interessenvertretung in Österreich und Brüssel.

FACTSHEET ZUR UMSETZUNG DER EU-RICHTLINIE ALTFAHRZEUGE

AUSGANGSSITUATION

400 verschiedene Zulassungsmodelle von rd. 4 Millionen Kraftfahrzeugen bestimmen die Altfahrzeugverwaltung

150 verschiedene Sorten Kunststoff und 250 Sorten Stahl sind in einem einfachen PKW enthalten

Seit 1992 besteht zwischen BM für wirtschaftliche Angelegenheiten, dem BM für Umwelt sowie der Wirtschaftskammer Österreich die Alt-Pkw-Recyclingvereinbarung; Ziel: Sicherstellung der Alt-Pkw-Verwertung in Österreich

KOSTEN

Anzahl der zu behandelnden Fahrzeuge: 170.000 pro Jahr Behandlungskosten: ca. ATS 1.500,-- bis 3.000,-- Jährlicher Aufwand: ca. ATS 255 bis 510 Mio. zzgl. Verwaltungskosten ZEITPLAN

Bis spätestens 21. April 2002 ist die EU-RL in österr. Recht umzusetzen

Bis 2006 wird die Wiederverwendung und Verwertung von AltKFZ auf mindestens 85 % des Fahrzeuggewichts erhöht

Bis 2015 wird die Wiederverwendung und Verwertung von AltKFZ auf mindestens 95 % des Fahrzeuggewichts erhöht

FORDERUNGEN DES VÖEB

- keine überzogenen Vorgaben im Zuge der Umsetzung der EU-RL in Österreich

- Umsetzung der europäischen RL in österreichisches Recht in Zusammenarbeit und Abstimmung mit allen Beteiligten

- kein Öko-Dumping, keine Wettbewerbsverzerrungen - EU-weite einheitliche Umsetzung (insbe-sondere bei der Erreichung und Einhaltung bestimmter Qualitätskriterien)

  • Nutzung der bestehenden Strukturen
  • Nutzung der Erfahrungen des Pilotprojektes

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