"Neue Zeit" Kommentar: "Der Trend" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 5.12.2000

Graz (OTS) - Angesichts von 226.000 abgegebenen Stimmen das Wahlergebnis im Burgenland bereits als die vollzogene Wende in der politischen Großwetterlage Österreichs anzusehen, wäre aus Sicht der bundespolitischen Opposition eine gefährliche Überschätzung. So erfreulich die Wahlsiege für SPÖ und Grüne sind, so fatal wäre es, das schwarz-blaue Experiment bereits als gescheitert zu betrachten. Dafür bedarf es noch viel Überzeugungsarbeit in der Bevölkerung, viel parlamentarischer Ausdauer und vor allem eines ähnlich guten Ergebnisses bei der Wiener Landtagswahl im kommenden Jahr. Bei aller Vorsicht in der Übertragung der politischen Stimmung im Burgenland auf ganz Österreich hat sich jedoch ein Trend eindeutig fortgesetzt:
die FPÖ hat selbst von der niedrigsten Ausgangsbasis in ganz Österreich weiter verloren. Von den fast 26 Prozent bei der Nationalratswahl im Vorjahr blieben ganze zwölfeinhalb Prozent übrig. Eine nahezu identische Tendenz zur Landtagswahl in der Steiermark. Auch wenn die FPÖ-Spitze das Burgenland-Ergebnis ob der Kleinheit des Landes hinunterspielt, bleibt eine Tatsache dennoch bestehen: der negative Trend. Wenn dieser auch in Wien anhält, dann werden die Ergebnisse der Landtagswahlen zu einer wirklichen Nervenprobe der FPÖ und ihres Führers Jörg Haider. Dann, und nur dann, besteht hohe Wahrscheinlichkeit, dass der größere Koalitionspartner von sich aus das schwarz-blaue Experiment vorzeitig für gescheitert erklärt.

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