Förderung des Kunstschaffens in der Region BILD

LH Sausgruber übergibt IBK-Fördergaben an junge Kulturschaffende

Bregenz (VLK) - Jedes Jahr vergibt die Internationale Bodenseekonferenz (IBK) Fördergaben von je 10.000 Schweizer
Franken an junge Kulturschaffende in der Region Bodensee. In
diesem Jahr wurde die Sparte Literatur berücksichtigt. Die Fördergaben wurden vom IBK-Vorsitzenden, Landeshauptmann
Herbert Sausgruber, am Montag, 4. Dezember 2000 im Festspiel-
und Kongresshaus Bregenz im Anschluss an die IBK-Regierungschefskonferenz verliehen. ****

Die Fördergaben sollen gemäss Reglement "an junge Kulturschaffende vergeben werden, die bereits auf sich
aufmerksam gemacht haben und zur Hoffnung Anlass geben,
mittels einer Förderung zur rechten Zeit eine weitere Stufe
zu erreichen".

Unabhängige Jury beurteilte 18 anonym eingereichte Texte

Unter Leitung der IBK-Kommission Kultur hat eine
unabhängige Jury unter 18 anonym eingereichten Texten sechs ausgewählt und den IBK- Regierungschefs zur Förderung vorgeschlagen. Aus jedem Mitgliedland konnten maximal zwei Nominierungen erfolgen. Die Namen blieben bis zum Ende der
Jurierung unter Verschluss. In die Jury entsandte jedes IBK-Mitgliedsland einen Experten. Die Koordination erfolgte durch
Walter Lendi, Leiter des Amtes für Kultur des Kantons St.
Gallen.

Schecks über jeweils zehntausend Franken erhalten:

Tim Krohn, Zürich:

Geboren 1965 in Wiedenbrück, aufgewachsen in Glarus. 1984-
92 Studium der Philosophie, Germanistik und Politologie, seit
1992 freischaffender Autor, seit 1998 Präsident des Schweizer SchriftstellerInnen-Verbands. Saxofonist und Bassklarinettist
der Musikgruppe shasimosa tütü bis 1993. Mehrere Bücher, Theaterstücke und Hörspiele. Nationale und Internationale
Preise, Werkbeiträge und Stipendien der Kantone Glarus und
Zürich.
./.

Begründung der Jury: Der von Tim Krohn vorgelegte Anfang
eines offensichtlich erotischen und zugleich verkappten Künstlerromans bietet höchstes Lesevergnügen. Zunächst das Vergnügen an einer überaus eleganten und wandlungsfähigen Sprache, wenn die Protagonisten mit je eigener Stimme zu
Worte kommen. Und dann: Was für ein Ohr für Dialoge! Vor
allem aber das Vergnügen an der Romankonstruktion, wo wir im Verlaufe einer verzwickten Fax-Korrespondenz sozusagen direkt
die Entwicklung - und Verwicklung - der Geschichte verfolgen können. Es entstehen "wiederholte Spiegelungen", welche in
höchst an- und aufregender Weise ein heutiges Reden über
Erotik und Liebe möglich machen. Und nicht zuletzt das
Vergnügen an einer psychologischen Kunst, die einerseits
Porträts von tschechovscher Prägnanz und Durchdringung hervorbringt und zugleich im Dienste einer raffinierten Lesermanipulation steht, welche aber jederzeit durchschaubar
als Spiel zwischen dem klugen Autor und seinen klugen
Leserinnen und Lesern genossen werden kann.

Simone Meier, Zürich:

Geboren 1970 in Lausanne, aufgewachsen in Zeiningen AG,
Studium der Germanistik, Amerikanistik und Kunstgeschichte in
Basel und Berlin. Zunächst freie Mitarbeiterin, dann Kulturredaktorin der Wochenzeitung WoZ, Zürich. Seit Februar
1998 Kulturrredaktorin beim "Tages-Anzeiger", Zürich, seit
Mai 1999 freie Mitarbeiterin bei "Theater heute". Roman:
"Mein Lieb, mein Lieb, mein Leben".

Begründung der Jury: Was ist Ironie? Was Ernst? Was ist Verulkung, was Entsetzen, wer weiss das schon genau? Der Text
bewegt sich leicht und funkelnd zwischen reiner Phantasie und Möglichkeit, zwischen Realem und Fiktion, was ihn zusammen
mit den Stilmitteln der Zeitverschiebung und veränderter literarischer Form zu einem Lesevergnügen macht.

Ralf Schlatter, Zürich:

Geboren 1971 in Schaffhausen, dort aufgewachsen. 1998
Abschluss des Studiums von Geschichte, deutscher Literatur
und Publizistik in Zürich. Während des Studiums
Jahresaufenthalt in Santander/Spanien. 1997 Schreibwerkstatt
und Lektorat finanziert von der Kulturstiftung des Kantons
Thurgau, weitere diverse Lesungen und Schreibwerkstätten u.a.
mit Adolf Muschg und Frederike Kretzen. Als Dramaturg tätig
mit dem Schweizer Clown José Bétrix für ein
Clowntheaterstück. Als Historiker Mitarbeit an der neuen Schaffhauser Kantonsgeschichte. Seit Januar 2000 Arbeit als
Redaktor des Kulturmagazins "neXt" beim Schweizer Fernsehen.

Begründung der Jury: In seinem Text gelingt es Ihm, die
Figur des Georg Federseel, der eigentlich Zauberer werden
möchte, dann aber durch den Verlust eines Zeigefingers nicht
mehr zaubern kann, in verschiedenen Geschichten in
erfinderischer Fabulierlust darzustellen. Dabei verwendet er
auf weite Strecken hin eine moderne Erzähltechnik, indem er
zum einen den Erzähler zugunsten der beschränkten Perspektive
der Figur immer wieder zurücktreten lässt und zum andern vor
allem durch die Montage zweier verschiedener Erzählebenen den Kunstcharakter des Textes, die Fiktionaliät des Dargestellten
stets sichtbar macht.

Stefan Sprenger, Schaan:

Geboren 1962 in Zürich. 1982 Matura, 1990 Abschluss Freie Kunstklasse an der Schule für Gestaltung, Luzern. 1997
Beendigung der Arbeit als Kunsterzieher. 1999 Reise nach
Island.

Begründung der Jury: Der Autor Stefan Sprenger hat mit
seinem Prosatext "Drei Orte in Grönland" ein impressives
Stück erzählender Reiseliteratur vorgelegt. Besonders
beeindruckt die bildhafte Sprache, mittels der der Autor aus
ruhiger Distanz die Eiswelt Grönlands beschreibt. Seine
malerische Beschreibung lässt vor den Augen des Lesers ein
Panorama entstehen, ein visionäres Gemälde, das sich einem nachhaltig einprägt.

Christian Uetz, Romanshorn:

Geboren 1963 in Egnach. Insgesamt drei Jahre Tätigkeit als Primar- oder Reallehrer. Neun Semester Studium für
Philosophie, Komparistik und Altgriechisch an der Universität
in Zürich. 1995-1998 Teilzeitpensum als Deutschlehrer an der
Schule für Beruf und Weiterbildung SBW in Romanshorn. Ab 1993 Veröffentlichungen und Lesungen. Stipendienaufenthalte im Künstlerhaus D-Schloss Wiepersdorf (Februar bis Juni 1996),
bei der Lydia-Eymann-Stiftung in Langenthal (April 1999), im Künstlerhaus ‚Villa Waldberta‘, München (April bis Juni
2000).

Begründung der Jury: In seinen Texten gelingt es ihm,
nicht nur "Inhalte", sondern die Sprache selbst zum Thema zu
machen. Er erreicht dies, indem er die traditionellen
syntaktischen und wortsemantischen Bezüge bewusst auflöst und
so den Blick auf die Sprache als einem von Menschen
gemachten, willkürlichen System lenkt, das wir jederzeit
verändern können. Seine Texte sind in diesem Sinne eine Art Sprachkritik und als solche ein Aufruf zur ständigen Spracherneuerung, die er als Befreiung der Sprache von teils erstarrten Signifikanten versteht.

Joachim Zelter, Tübingen:

Geboren 1962 in Freiburg i.Br.. 1982-1989 Studium der Politikwissenschaft und Anglistik an der Universität
Tübingen, 1994 Promotion in Anglistik, 1995-1996 Lehrauftrag
für Deutsch an der Yale University (USA), 1996-1997 Dozentur
für Anglistik an der Universität Tübingen. Langjährige
Mitarbeit als Schauspieler in der Tübingen-Anglo-Irish-Theatre-Group. Seit 1997 freischaffender Künstler. Baden-württembergische Stipendien und Preise, div.
wissenschaftliche Publikationen und literarische Veröffentlichungen.

Begründung der Jury: Der von Joachim Zelter vorgelegte
Text überzeugt zuallererst durch seine Originalität. Spannend
und geistreich erzählt der Autor, spielend gelingt ihm die
virtuose Umsetzung seiner brillanten Einfälle. Wie selbstverständlich werden die Verstrickungen in die Lügenwelt vorgeführt, auf die wir uns einlassen, deren Sympathisanten
wir sind. Ein durch und durch unterhaltender und
intelligenter Text auf hohem literarischem Niveau.

Präsentation der Werke beim Bodensee-Festival 2001

Die Geförderten können beim Bodensee-Festival
(voraussichtlich im Mai 2001 in Lindau) ihre Werke öffentlich präsentieren.

Seit der erstmaligen Verleihung der Fördergaben (1991) hat
die IBK bereits 50 Fördergaben im Gesamtwert von einer halben Million Schweizer Franken vergeben. Hinzu kommen die nunmehr
sechs Fördergaben des Jahres 2000. Bisher berücksichtigte
Sparten waren: Musik (1991), Bildende Kunst (1992 und 1997), Kleinkunst/Kleintheater (1993 und 1999), Literatur (1994 und
2000), Fotografie (1996), Junge Musik (1996). Im Jahr 2001
wird die Sparte Tanz berücksichtigt werden. Die Jurierung der Tanzdarbietungen soll im Sommer 2001 in Lindau erfolgen.

Bitte Sperrfrist bis Montag, 4.12.2000, 17.30 Uhr, beachten! (tm/dig,nvl)

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