Eine Schlacht ist nicht der ganze Krieg von Gerald Stefan - Kommentar 5.12.2000

Wien (OTS) - Das Aufatmen der roten Generäle war weit über das Burgenland hinaus zu hören. Es fiel mit der Abenddämmerung zusammen, die sich über das pannonische Schlachtfeld legte und die Trümmer einer schwarz-blauen Armee bedeckte. Jetzt wetzen die Partei-Chronisten schon die Feder: An jenem ersten Adventsonntag begann der Umschwung, möchten sie so gerne schreiben. Weiter gehen soll das Epos so: Als Feldherr Niessl und der mit allen Wassern gewaschene Alt-General Stix die rechten Horden in den Neusiedler See getrieben hatten, schöpfte die SP-Armee Hoffnung - während die gegnerische Koalition in Furcht und Zweifel gestürzt wurde. Gestärkt treten die Roten jetzt zur Entscheidungsschlacht um die Hauptstadt an, tapfer unterstützt von den grünen Freischärlern unter ihrem pfiffigen Generalissimus Van der Bellen. Sind aber erst mal die Wiener Blauen zurechtgestutzt, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis über dem ganzen Land wieder das rote Banner weht. So denkt wohl jetzt die rote Kommandozentrale. Doch die SPÖ läuft Gefahr, sich bitter zu täuschen. Sie hat eine Schlacht gewonnen, nicht den Krieg. Und sie hat noch lange nicht genug gelernt. Auf den Sieg ihres pannonischen Feldherrn sollte sie nicht zu viel geben. Es ist zwar in der Tat kein Ruhmesblatt für ÖVP und FPÖ, dass sie, selbst mit einem Bank-Burgenland-Skandal bewaffnet, noch Stimmenverluste einfuhren. Doch die burgenländische SPÖ muss trotzdem umdenken, sonst holen sie die Sünden ihrer Vergangenheit ein. Verweist sie auf den Wirtschaftsaufschwung der letzten Jahre, so fehlt die Anmerkung, dass die Ziel-1-Förderung aus Brüssel ihn bewirkte. Und die Politik, marode Unternehmen per Landesgeld oder Kredit der Bank Burgenland aufzupäppeln (meist mit kurzfristigem Arbeitsplatzgewinn, aber desaströsem Resultat) gehört auf den Schrottplatz. Reformieren, privatisieren, entpolitisieren: Die Verwirklichung dieser Schlagworte ist bitter nötig. Auch auf Bundesebene. Eine umgebaute SPÖ könnte den schwarz-blauen Feldherren gefährlich werden. Schafft Gusenbauer das nicht, bleibt Wolfgang Schüssel unangefochten im Kaiserpalast. Ihr Gutes hat die Burgenland-Wahl aber auf jeden Fall, und zwar für Österreich: Sie macht der Opposition Hoffnung und der Regierung Angst - und spornt daher alle beide zu fleissiger Arbeit an. (Schluss) gst

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