Leben zur Zeit der Seuchen

Wo der Wille zum Sparen besonders am Platz wäre
(Von Meinhard Buzas)

Schmerzhaft wird es erst, wenn es in nackten Zahlen auf dem Gehaltszettel, auf der Rechnung, auf dem Zahlschein steht. Dann ist das unangenehme Wirklichkeit, was vorher in mehr oder minder schönen Reden, mehr oder weniger verklausuliert, angekündigt wurde: das Sparen. Oder besser: das Bespartwerden.
Jetzt rückt unaufhaltsam die Zeit heran, wo es anfängt, weh zu tun. Damit ist nicht nur der Autobahntausender, also die Vignette, gemeint, auch wenn sie ein bezeichnendes und entlarvendes Einzelbeispiel regierenden Sparwillens ist: Vorwiegend von ausgabenseitiger Einschränkung war vorher die Rede, zugegriffen aber wurde und wird in überwiegendem Maß bei den Einnahmen. Das fast aufs Doppelte verteuerte Straßenpickerl schmerzt zwar einmal intensiv, der Zorn darüber aber gerät wieder in Vergessenheit.
Was unter dem Strich weniger beim monatlichen Lohn für Arbeit herauskommt, das tut permanent weh und ist dauernde Irritation und/oder Belastung. Da helfen alle wortreichen Beschwörungen, alle volkswirtschaftlichen Rechtfertigungen, alle Verweise auf Erfüllung von EU-Zielen nichts: Wem genommen wird, der schreit. Und es wird kräftig und nachhaltig genommen.

Dabei kommt es zu einem Kumulierungseffekt, der zwar nicht geplant und vorhersehbar war, aber besonders spürbare und verstärkende Auswirkungen auf alle Haushalte hat: Zusätzlich zu den höheren Abgaben und Kürzungen in allen Lebensbereichen haben Rohstoffpreise und Eurokurs Einfluss auf Fixkosten in wichtigen Bereichen des täglichen Lebens: von den Treibstoffpreisen bis zur Heizkostenrechnung. Beide drehten sich in steiler Spirale nach oben, die Auswirkungen auf das frei verfügbare Einkommen sind empfindlich. Dazu passen, obwohl sie zuerst wie ein Widerspruch klingen, die Umfragen, wonach die Österreicher heuer zu Weihnachten noch um zehn Prozent mehr Geld für Geschenke ausgeben werden. In Wahrheit ist es ganz folgerichtig: Es schlägt wieder einmal die ãVerkaufts mei GwandÒ-Mentalität durch. Kauf, so lange es noch geht, wer weiß, wie lange es noch geht.
So bleibt uns tatsächlich nicht viel erspart im Übergang zu einem neuen Jahr und einem neuen Jahrtausend. Das kommt ja kalendarisch korrekt tatsächlich erst in vier Wochen, wenn auch stimmungsmäßig nicht viel davon zu merken ist, denn die ganze Stimmung wurde voreilig schon zur vorangegangenen Jahreswende verpulvert. Aber so ist es im Leben halt: Je rauschender das Fest, desto intensiver der nachfolgende Kater.

Wo politischer Sparwille mehr als begrüßenswert wäre, aber schmerzlich vermisst wird: bei den Schlammschlachten um Spitzel und sonstige Affären, bei einem pensionskassierenden Kurzzeitminister, der außer leeren Versprechungen keine nennenswerte Lücke hinterließ, bei den verbalen Abstiegen eines wildgewordenen Provinzpolitikers in die Regionen der allertiefsten Schublade, bei den Auswüchsen des Geiferns als politisches Stilmittel. Offenbar sind die Seuchen der Zeit nicht nur auf den Bereich der Tierhaltung beschränkt.

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