"Kleine Zeitung" Kommentar: "Weißer Gott" (von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 2.12.2000

Graz (OTS) - Holland ist ein schönes, freizügiges Land. Es spielt prächtigen Fußball, lässt die Räume offen, macht sie nie eng und überwindet sie mit flinken, verwegenen Zügen: das Spiel als Spiegel der Liberalität eines Landes.

Diese Woche hat es die Räume zu weit aufgerissen. Es hat den Rubikon überschritten: Als erster Staat der Welt entschied sich das Parlament in Den Haag dafür, dass Ärzte ausweglos kranken Patienten aktive Hilfe beim Sterben gewähren dürfen. Diesen Tabubruch hat seit der Nazizeit keine westliche Regierung mehr zu setzen gewagt. Erstmals stellt ein europäisches Land das Recht auf individuelle Selbstbestimmung über die Urverantwortung des Staates, menschliches Leben zu schützen.

Dieses Gesetz tastet - unter dem Trikot vorgeschützter Liberalität - Leben an. Es überträgt Ärzten die Lizenz zum karitativen Töten. Diese werden, was sie bisher nur in der Sprache des Boulevards waren:
Götter in weiß.

Die EU will in Nizza feierlich ihre Charta der Grundrechte anschlagen. Wenn sie hier nicht laut die Stimme erhebt und das Mitgliedsland zurück auf das gemeinsame Wertefundament sanktioniert, macht sie ihre Philippika zu einem Stück Papier, wortreich, aber wertlos.

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