Arbeiter strategisch beteiligen - nicht zu Börsenspekulanten machen

Positive Zwischenbilanz nach drei Jahren AMAG-Stiftung

Linz (GMT OÖ/ÖGB). "Mitarbeiterbeteiligungen haben in allererster Linie den Zweck, den Belegschaften strategischen Einfluss zu verschaffen und einen Beitrag zur Sicherheit der Arbeitsplätze zu leisten. Es geht nicht darum, Arbeiter zu Börsenspekulanten zu machen", sagt Walter Schopf, Landessekretär der Metaller in Oberösterreich und einer der AMAG-Stifter.++++

1997 hatte die Belegschaft 20 Prozent der AMAG Anteile erworben und in eine Stiftung eingebracht. Die Hammerer GmbH und die Constantia Gruppe von Herbert Turnauer hatten jeweils 40 Prozent gekauft. Walter Schopf ist einer der Väter des AMAG Modells: "Der Gewerkschaft waren vor allem zwei Dinge wichtig: Wir wollten für das Unternehmen eine österreichische Lösung, unter anderem um zu verhindern, dass sich internationale Konzerne mit dem Kauf der AMAG einen Konkurrenten vom Hals schaffen. Und wir wollten die 20 Prozent Anteile der Belegschaft bündeln, damit wir auch strategisch mitreden können."

So ist die europaweit einzigartige AMAG-Stiftung entstanden: Die Belegschaft ist am Kapital beteiligt und hat auch Einfluss auf die Unternehmenspolitik. "Die Gewerkschaft hat damals echten Weitblick bewiesen", sagt Schopf. "Nach drei Jahren können wir eine durchaus positive Zwischenbilanz ziehen. Das ist sicher dem großen Engagement der Gewerkschaft und der Betriebsräte zu verdanken."

Das AMAG-Modell im Überblick: 1997 erwerben die Mitarbeiter 20 Prozent der AMAG-Anteile; eine Stiftung wird gegründet, die 20 Prozent der Mitarbeiter werden zur Gänze dort eingebracht; der Vorstand der Stiftung verwaltet das Vermögen und wickelt die Auszahlung der Dividende ab; in den vergangenen drei Jahren wurden zwischen 10.000 und 14.000 Schilling an jede Kollegin und jeden Kollegen ausbezahlt - alle Beschäftigten bekamen unabhängig vom Einkommen den gleichen Betrag; bei wichtigen strategischen Entscheidungen sind die Mitarbeiter durch ihre Vertretung stimmberechtigt;

In der VOEST wird derzeit ein Mitarbeiterbeteiligungsmodell diskutiert. Hintergrund ist vor allem die von der Regierung geplante völlige Privatisierung der ÖIAG Betriebe. Mit einer Beteiligung der Mitarbeiter in einem größeren Umfang, das heißt mit einem größeren Aktienpaket, hätten die Beschäftigten und ihre Vertreter mehr Einfluss auf die Zukunft ihres Konzerns und ihrer Arbeitsplätze.

Helmut Oberchristl, Landesvorsitzender der oberösterreichischen Metaller und Zentralbetriebsratsvorsitzender der VOEST: "Mit einer Mitarbeiterbeteiligung können wir Beschäftigten, neben dem gewerkschaftlichen Einsatz, einen Beitrag für unsere Arbeitsplätze leisten. Das heißt nicht, dass wir plötzlich alle nur mehr den Aktienkurs im Kopf haben und den Kollegen neben uns am liebsten wegrationalisieren würden, damit der Kurs steigt. Wir bleiben auch weiterhin abhängig Beschäftigte."

ÖGB, 1.Dezember 2000
Nr. 1038

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