"Holokaust" im ORF: Wiederholung Teil drei

Wien (OTS) - Im Rahmen des Programmschwerpunkts zum Thema "Holokaust", in dessen Mittelpunkt Guido Knopps Dokumentationsreihe "Holokaust" steht, wiederholt ORF 2 am Montag, dem 4. Dezember 2000, um 16.00 Uhr den dritten und letzten Teil der dreiteiligen "Brennpunkt"-Reihe in der ORF-Bearbeitung von Walter Erdelitsch. Anschließend an die Servicewiederholung für Österreichs Jugend diskutiert "Brennpunkt"-Redakteur Walter Erdelitsch mit Prof. Leon Zelman, dem Leiter des Wiener Jewish Welcome Service, und der Holokaust-Überlebenden Dagmar Ostermann. Zeitgeschichtsexperte Knopp macht mit seiner jüngsten Produktion der Öffentlichkeit eine große Anzahl neu entdeckter Filmaufnahmen zugänglich und versucht, das Jahrhundertthema so umfassend wie möglich filmisch darzustellen. Das Buch zur Serie "Holokaust" ist im C. Bertelsmann Verlag München erschienen. Am Mittwoch, dem 6. Dezember, steht um 23.30 Uhr das außergewöhnliche Filmdokument "Hitler - Eine Karriere" von Joachim C. Fest und Christian Herrendoerfer auf dem Programm von ORF 1.

Teil drei: Befreiung
Die Bilder vom 21. August 1942 kann der Wiener Hubert Pfoch nicht vergessen. Als Soldat der deutschen Wehrmacht beobachtete er damals im polnischen Siedlce, wie SS-Männer jüdische Familien in Viehwaggons trieben. Seine heimlich aufgenommenen Fotos belegen die unglaubliche Brutalität der Szene. 1942 gehörte der Holokaust im besetzten Polen schon zum Alltag. Nur eines war ungewöhnlich an den Ereignissen vom Bahnhof in Siedlce: Statt der üblichen Täuschung musste sich die SS roher Gewalt bedienen. Das Geheimnis der Mordfabriken hatte durchzusickern begonnen. Und damit keimte Widerstand.

Im Warschauer Ghetto bewaffneten sich polnische Juden, um ihr Leben bis zum Tode zu verteidigen. Doch erst als die endgültige "Räumung" des Ghettos im April 1943 befohlen wurde, erhoben sich die Opfer. Sie kämpften mit dem Mut der Verzweiflung und zwangen die SS, täglich mehr Verstärkung und schwere Waffen herbeizurufen. Drei Wochen dauerte die ungleiche Schlacht. Am Ende blieb vom ehemaligen Ghetto nur ein rauchendes Trümmerfeld. Die Waffen der Täter hatten gesiegt -wie bei allen anderen Aufständen in den Ghettos und Lagern, in Sobibor oder Treblinka. Doch die Botschaft der Opfer, sich nicht wie "Lämmer zur Schlachtbank" führen zu lassen, hat überlebt.

Als die Rote Armee im Frühjahr 1945 immer weiter heranrückte, erteilte Reichsführer SS Heinrich Himmler den Befehl, alle Häftlinge aus dem Osten ins Reichsinnere zu treiben. Kein Zeuge sollte den Feinden lebend in die Hände fallen. Auf den sogenannten "Todesmärschen" schleppten sich Tausende völlig entkräftete Menschen - meist zu Fuß - in endlosen Kolonnen gegen Westen. Der deutsche Jude Hans Frankenthal erinnert sich an die katastrophalen Bedingungen, unter denen er tagelang in einem Güterwaggon zu leiden hatte: "Vor Erschöpfung haben wir auf den Leichen unserer gestorbenen Leidensgenossen geschlafen."

Inzwischen standen bereits die Westalliierten vor den Toren der verbliebenen Lager. In endlosen Irrfahrten pendelten die Züge in dem immer schmaler werdenden Streifen zwischen den Fronten. Das "1.000-jährige Reich" lag längst in Trümmern, doch noch immer ließen die Wachen ihre Opfer nicht ziehen. Benjamin Helfgott, der im April 1945 erleben musste, wie sein Vater erschossen wurde, fragt sich noch heute: "Warum haben sie das getan? Hitler war tot, es war doch bereits alles vorbei!"

Als die Alliierten in die Lager kamen, standen sie fassungslos vor dem Ausmaß des Grauens, das - trotz des Wissens um die Existenz der KZs - niemand für möglich gehalten hatte. Filmaufnahmen aus dem befreiten Konzentrationslager Bergen-Belsen im April 1945 sprengten jede Vorstellung: Mannshohe Leichenberge säumten die Lagerstraßen, und in Lumpen gehüllt blickten die wenigen Überlebenden aus teilnahmslosen Gesichtern ihren Befreiern entgegen. Und noch immer wollten viele die Augen verschließen. Erst als die Alliierten viele Deutsche nach der Befreiung zu einem Gang durch die Konzentrationslager zwangen, setzte eine zögernde Auseinandersetzung mit dem Verbrechen ein. Kaum mehr als 50.000 Juden konnten die Alliierten aus den Lagern retten. Nahezu sechs Millionen fanden den Tod. Die Erinnerung an das oft jahrelange Martyrium unter dem nationalsozialistischen Rassenwahn verfolgt die Überlebenden des Holokaust bis heute. Von der Erinnerung gibt es keine Befreiung, weder für Täter noch für Opfer.

(Foto via APA)

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