Live auf Ö1: Erstaufführung von Donizettis "Roberto Devereux" in Wr. Staatsoper

Edita Gruberova gibt die Elisabetta, Ramon Varga den Roberto

Wien (OTS) - Am Donnerstag, den 7. Dezember steht um 19.30 Uhr
in Österreich 1 die Liveübertragung von Gaetano Donizettis "Roberto Devereux" aus der Staatsoper auf dem Programm.
Mitwirkende: Chor und Orchester der Wiener Staatsoper, Dirigent:
Marcello Viotti, Edita Gruberova (Königin Elisabeth), Carlos Alvarez (Herzog von Nottingham), Enkeljeda Shkosa (Sara) und Ramon Vargas (Roberto Devereux). In der Pause führt Ö1-Opernspezialist Robert Werba ein Gespräch mit Marcello Viotti.****

Bei seinem ersten Besuch in Wien wurde er nicht freundlich empfangen: Die Erstaufführung des "Roberto Devereux" am Wiener Kärntnertortheater 1844 geriet in den blumigen Worten seines Komponisten Gaetano Donizetti zu einem "piramidale fiasco" und zeitigte nur eine Folgeaufführung. Der Uraufführung im Oktober 1837 in Neapel war noch ein bedeutender Erfolg beschieden gewesen (Donizetti: "... er hätte nicht schmeichelhafter sein können"), ebenso den Übernahmen an mehreren italienischen Theatern sowie in London und St. Petersburg. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verschwand das Werk in der Versenkung, und erst seit Ende der 50er Jahre gilt es als Geheimtipp unter den Donizetti-Opern.

Elisabeth I., die Namenspatronin einer glanzvollen Epoche englischer Geschichte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, gibt der Oper zwar nicht ihren Titel, sondern ihr Liebhaber, der Graf von Essex; dennoch gilt "Roberto Devereux" als der Abschluss von Gaetano Donizettis "Königinnen-Trilogie" nach "Anna Bolena" (1830) - Anne Boleyn war übrigens Elisabeths Mutter - und "Maria Stuarda" (1834). In einer privat überaus schmerzlichen Zeit - die Eltern, seine Kinder und schließlich die Gattin starben nacheinander - bearbeitete der Komponist erneut das Schicksal
einer englischen Regentin und entwickelte seine Auffassung von der historischen Oper weiter: Mit dramaturgischer und musikalischer Zielstrebigkeit zeigte Donizetti den tragischen Konflikt der vier Hauptcharaktere in ihrer konkreten historischen Situation: London
im Jahre 1601, am Ende des elisabethanischen Zeitalters. Diese
Oper führt auf die Abdankung der Monarchin hin. Bereits das Libretto Salvadore Cammaranos beschränkt die Handlung auf die zwei Freundespaare Roberto und den Herzog von Nottingham sowie seine Gattin Sara und Elisabetta I. Der verschwenderische melodische Einfallsreichtum und ein über bloße Illustration hinausgehendes, den szenischen Fortgang (unter-)stützendes Orchester machen die Qualitäten der tragischen Oper aus. "Wer herrscht, weißt du, lebt nicht für sich selbst." Diese vom Chor der Höflinge am Ende des "Roberto" formulierte Wahrheit muss Elisabetta im Laufe des
Stückes begreifen. Der von ihr geliebte Herzog von Essex liebt Sara, die Frau seines besten Freundes Nottingham. Die Königin kann der selbst angeordneten Enthauptung Robertos nicht mehr Einhalt gebieten. Nach dem Verlust ihres Geliebten verzichtet sie auch auf den Thron: In einer Schreckensvision war ihr der Enthauptete erschienen.

Für die Erstaufführung von Donizettis "Roberto Devereux" in der Staatsoper am 7. Dezember 2000 steht ein erlesenes Sängerquartett zur Verfügung - an dessen Spitze die Koloratur-Primadonna assoluta dieser Tage, Edita Gruberova, als Elisabetta. Dies ist nach "Lucia di Lammermoor", "Norina" (Don Pasquale), "Maria Stuarda" und
"Linda di Chamounix" ihre fünfte Donizetti-Partie an der Wiener Staatsoper, aus deren Ensemble die Künstlerin hervorgegangen ist. Die Titelpartie singt der Mexikaner Ramon Vargas, ein Absolvent
des Wiener Opernstudios, der mittlerweile in die erste Reihe der lyrischen Tenöre aufgestiegen ist. An der Staatsoper feierte er zuletzt Erfolge als Rodolfo ("La Bohème") und Edgardo ("Lucia di Lammermoor"). Ebenfalls jung an Jahren und dennoch wohlbekannt ist der Sänger des Herzogs von Nottingham, der spanische Bariton
Carlos Alvarez, in der Rolle von Nottinghams Gattin Sara debütiert die junge Albanerin Enkeljeda Shkosa. Marcello Viotti führt nach Massenets "Hérodiade" und Meyerbeers "Le Prophète" nun erstmals in Wien die Oper eines Landsmannes zur Premiere. Ein Debütant ist der rumänische Regisseur Silviu Purcarete, der seit seinen Antiken-Inszenierungen am Burgtheater ("Die Bakchen") und bei den
Festwochen ("Phaedra", "Les Danaïdes") in Wien kein Unbekannter mehr ist. Gemeinsam mit dem Bühnen- und Kostümbildner Helmut Stürmer wird Purcarete die optisch-szenische Komponente verantworten, die historische Impressionen aus dem
Elisabethanischen Zeitalter mit modernen Elementen verbindet.(ih)

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