DER STANDARD-Kommentar: "Wem der Bauch gehört" (von Eva Linsinger)

Wien (OTS) - Natürlich meint es Frauenminister Herbert Haupt nur gut mit den Frauen. "Ein Glück" könne es sein, mit so einer schweren Entscheidung wie der zu einer Abtreibung nicht allein gelassen zu werden, denkt er laut darüber nach, warum ein Schwangerschaftsabbruch nicht die alleinige Entscheidung der Frau bleiben solle.

Haupts "Glück" klingt schlicht nach Bevormundung und Entmündigung:
Soll die Fristenlösung nur mit der Unterschrift des Vaters möglich sein, nach dem Motto "Dein Bauch gehört mir"? Soll der Weg zur Abtreibung durch verpflichtende Beratungsgespräche erschwert werden? - Nein, versichert Haupt, er wolle nur die väterliche Verantwortung für ein Kind, geboren oder ungeboren, einmahnen.

Das könnte man ihm vielleicht glauben, wenn seine Wortmeldung zur Fristenlösung die erste der schwarz-blauen Koalition wäre. Ist sie aber nicht: Erst im Sommer hat Bundeskanzler Wolfgang Schüssel eine Abtreibungsdebatte ausgelöst - indem er in einem Brief an Fristenlösungsgegner eine "Änderung der gesetzlichen Regelung" avisierte. Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck hat es nicht beim Reden belassen: Er hat die Abtreibungspille Mifegyne, von vielen als schonender erachtet als eine Kürettage, auf Spitäler beschränkt. Ein Facharzt darf zwar die Kürettage durchführen, auch in der eigenen Praxis, aber nicht die Pille verabreichen.

Das ist nicht logisch, passt aber zur Methodik, bewusst ein Gesetz einer bestimmten Ideologie anzupassen. Auch ÖVP und FPÖ wissen, dass Frauen nicht aus Spaß abtreiben und dass die Alternative zur Fristenlösung die Engelmacherin ist. Aber ein bisserl schwerer wird man es den Frauen ja machen können. Damit man ihnen die Entscheidung nicht allein überlässt.

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