Kostelka kritisiert: ÖVP hat begonnen, die Geschichte des Jahres 1938 neu zu diskutieren

Wer Geschichte verknappt, verfälscht sie

Wien (SK) "Frau Außenministerin, Sie jetzt, aber auch Bundeskanzler Schüssel und Klubobmann Khol vor wenigen Tagen, haben begonnen, die Rolle Österreichs anlässlich des Jahres 1938 neu zu diskutieren - mit der Begründung, die Zeitgeschichte nicht umschreiben zu lassen", erklärte der geschäftsführender SPÖ-Klubobmann, Peter Kostelka, am Donnerstag vor dem Nationalrat Richtung Außenministerin Ferrero-Waldner. Diese Umschreibung der Zeitgeschichte sei aber die "Intention" der Bundesregierung, dieser Abschnitt der Geschichte sei nicht auf seine "militär-historischen Aspekte einzugrenzen", so Kostelka. "Wer Geschichte verknappt, verfälscht sie." ****

Bundeskanzler Schüssel habe vorgestern bezüglich der "neuen Opferrolle Österreichs" lange Auszüge aus einem Telefonat zwischen Göring und Seiss-Inquart zitiert, um die These der Opferrolle zu fundieren. Seiss-Inquart sei aber nicht "irgendein illegaler Nationalsozialist" gewesen, sondern ein "Mitglied der österreichischen Bundesregierung und österreichischer Innenminister", präzisierte Kostelka.

Die Nationalsozialisten seien zum entsprechenden Zeitpunkt "bereits Mitglieder der Bundesregierung" gewesen - "auf Basis eines Vertrags zwischen dem österreichischen Bundeskanzler und Adolf Hitler". Kostelka: "In der Bundesregierung waren also nicht nur Opfer, sondern auch Täter vertreten."

Der austrofaschistischen Bundesregierung habe die für "eine faschistische Bewegung typische Massenbasis gefehlt", sie konnte sich folglich nur an den "faschistischen Mächten Italien und Deutschland" orientieren - oder den "Weg zurück zur Demokratie" gehen.

"Die Bundesregierung hat sich damals konsequent für Faschismus und gegen die Demokratie entschieden. Österreich musste als faschistischer Trabant zunächst Italiens und in der Folge Deutschlands geradezu seine Unabhängigkeit verlieren". Es könne in dieser Frage nur eine Antwort geben, "nämlich Verantwortung für die eigene Geschichte zu übernehmen", schloss Kostelka. (Schluss) me

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Tel.: (01) 53427-275
http://www.spoe.at

Pressedienst der SPÖ

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK/SPK