LEINER: MEHR PRAXIS INS MEDIZINSTUDIUM Biotechnologie verstärken; Ernährung und Psychosomatik fehlen

Wien, 30. November 2000 (ÖVP-PK) Der Studierende, der den Arztberuf wählt, sollte so ausgebildet werden, dass er die wissenschaftliche Laufbahn antreten könnte und die ihn ebenso befähigt, mit Patienten umzugehen. Dies erklärte heute, Donnerstag, ÖVP-Abg. Dr. Günther Leiner anlässlich seiner Rede im Parlament zum Budgetkapitel Wissenschaft, die er den neuen Studienplänen für die Medizinerausbildung widmete.****

Der Patient und nicht die Krankheit stehe im Vordergrund des ärztlichen Handelns. Darauf ist auch in den neuen Studienplänen der Wiener Medizinischen Fakultät Rücksicht genommen worden. Dieses neue Diplomstudium Humanmedizin, das bereits ab 2001 in Wien eingeführt wird (Innsbruck und Graz werden zu einem späteren Zeitpunkt folgen), dauert zwölf Semester und umfasst ein Stundenaufkommen von 300 Semesterstunden. Davon entfallen 256 Semesterstunden auf Pflichtfächer, worin 60 Stunden für die klinisch-praktische Ausbildung vorgesehen sind. Zwölf Semesterstunden entfallen auf Wahlfächer und 30 Semesterstunden auf freie Wahlfächer. Weiters ist vor Ablegung des zweiten Teils der dritten Diplomprüfung eine Pflichtfamulatur im Ausmaß von 24 Wochen zu absolvieren, erläuterte Leiner.

Die Gestaltung des Studienplans wird künftig von folgenden Leitlinien getragen: Integration, Problemorientierung, methodengeleitetes Prüfen, Evaluation und Qualitätskontrolle. Neben dem für alle Studierenden verpflichtenden Inhalten des Kerncurriculums gibt es Wahlpflichtelemente, in denen auf die Tiefe der Durchdringung großen Wert gelegt wird. In diesen sollen die Grundzüge des wissenschaftlichen Arbeitens nahegebracht werden, und sie stellen somit auch eine gute Vorbereitung auf die Diplomarbeit dar.

"Es muss in Zukunft eine spezielle Sensibilität in der Beurteilung der Biotechnologie in der Medizin vermittelt werden", betonte Leiner. Hohe wissenschaftliche und therapeutische Relevanz ist angesagt. Die Biotechnologie greift in die gesamte Medizin ein, führt naturgemäß weit über die Medizin hinaus und berührt fundamentale Fragen unseres Selbstverständnisses, unserer sozialen Verantwortung, der Gestaltung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, der Sinnhaftigkeit von Wissenschaftlichkeit und technisch machbaren Fortschritt (z.B. Umgang mit Embryonen, usw.).

"Im neuen Curriculum der Wiener Fakultät fehlt aber die Ernährungsmedizin und die psychosomatische Medizin als Lehrstuhl", bedauert der Mediziner und Politiker Leiner, "da gerade das Zusammenspiel von Psyche und Körper viele Auswirkungen im täglichen Leiden hat und eben die Beurteilung dieses Zusammenspiels eine gesamthafte Beurteilung der Befindlichkeit des Menschen ermöglicht."

Sehr positiv bewertet Leiner das neue Curriculum in folgenden Punkten:

o Das Prüfsystem wird modernisiert, sodass Prüfungen künftig nachvollziehbar und objektiv sind. Entsprechend dem neuen Unterricht finden dann auch die Prüfungen in integrierter Form statt, die Zahl der Prüfungen mit Konsequenz auf den Studienfortschritt wird deutlich reduziert.

o Es wird im Studium auf die grundlegende personale Beziehung des Vertrauens zwischen Arzt und Patient Rücksicht genommen. Dies geschieht künftig nicht nur in Lehrveranstaltungen, sondern auch durch begleitende patientenorientierte Gespräche in Kleingruppen.

o Unabhängig von fachspezifischen Besonderheiten ist für diese Form von Unterricht die eigene praktische Erfahrung Voraussetzung. Erst das konkrete Erleben von Unzulänglichkeiten, Versäumnissen und Fehlern schaffe auch beim Studenten und angehenden Arzt die notwendige Sensibilität, so Leiner.

Zur Reduktion der hohen Studienabbrecherzahl (oft erst nach einigen Jahren Studium) soll zudem durch verstärkte Maßnahme im ersten Studienabschnitt gewährleistet werden, dass sich der Studierende rasch klar wird, ob er für den Arztberuf geeignet ist oder nicht. "Es ist den Studierenden zu wünschen, frühzeitig an Einsichten und Erfahrungen teilzuhaben, die andere vor ihnen auf einem oft mühsameren Weg erworben haben", erklärte Leiner abschließend.
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