OeNB: Gouverneur Dr. Liebscher:

- Währungsunion und preisstabiler Euro sind ein Erfolg

  • Sicherung des Wirtschaftsstandortes Österreich durch nachhaltige Budgetkonsolidierung und weitere Strukturreformen
  • Klares Bekenntnis zur EU-Erweiterung

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Wien (OTS) - Bei einer Veranstaltung des Belgian Financial
Forums am 30. November d.J. in Antwerpen betonte Gouverneur Liebscher, dass die Währungsunion und der Euro ein Erfolg
sind, wenn man z.B. die beachtlichen Fortschritte des Disinflationsprozesses, bei der wirtschaftlichen Konvergenz
oder bei der Sanierung der öffentlichen Haushalte im Euroraum betrachte. Mit der Einführung des Euro und dem dadurch
bedingten Wegfall der Wechselkursschwankungen hätten sich die Transaktionskosten für den innereuropäischen Handel deutlich reduziert, die grenzüberschreitende und wettbewerbsfördernde Preistransparenz habe sich erhöht und die Integration der europäischen Finanzmärkte schreite zunehmend voran. Der Euro entwickle sich an den internationalen Finanzmärkten sehr gut
und erlange zunehmende Bedeutung als Ankerwährung. Gouverneur Liebscher gab sich überzeugt, dass die Einführung des Euro-Bargeldes Anfang 2002 auch die öffentliche Akzeptanz für den
Euro fördern werde.

Der EZB-Rat habe - zur Sicherung des vorrangigen Zieles der Preisstabilität - im bisherigen Jahresverlauf und im Rahmen
seiner geldpolitischen Strategie präventiv mehrere
zinspolitische Schritte gesetzt und damit gleichzeitig einen bedeutenden Beitrag zu nachhaltigem, nicht-inflationärem
Wachstum im Euroraum mit positiven Auswirkungen auf die Beschäftigung geleistet. In diesem Zusammenhang sei es auch besonders wichtig, dass sich die Tarifpartner bei der
Lohnfindung und die Unternehmen bei ihrer Preisgestaltung an
diesem Preisstabilitätsziel orientieren. Darüber hinaus unterstrich er die Bedeutung eines ausbalancierten und
konsistenten Policy-Mix im Euroraum, wobei Geld-, Fiskal-Einkommens- und Strukturpolitik gut zusammenspielen müssten.
Im Zentrum der Bemühungen stünde unverändert die nachhaltige Sanierung der öffentlichen Haushalte gemäß dem Stabilitäts-
und Wachstumspakt. Koordinierte Fiskal- und Strukturpolitiken
im Euroraum müßten die Bemühungen der stabilitätsorientierten Geldpolitik flankieren, um das wirtschaftliche Potenzial des Eurogebietes voll auszuschöpfen.

Kräftiges Wirtschaftswachstum, ein sich belebender
Arbeitsmarkt, stabile Preise, moderate Lohnstückkosten und
eine hohe preisliche Wettbewerbsfähigkeit, eine Stabilisierung
der öffentlichen Finanzen, eine höhere Attraktivität für Auslandsinvestitionen, die traditionell bewährte monetäre Stabilität und die verantwortungsvolle Politik der
Sozialpartner hätten, so der Gouverneur, die internationale Wettbewerbsfähigkeit Österreichs nach dem EU-Beitritt und der Teilnahme an der Währungsunion deutlich gestärkt. Zum Ziel der österreichischen Bundesregierung, bis zum Jahr 2002 ein ausgeglichenes Defizit zu erreichen, merkte Gouverneur
Liebscher an: "Wenngleich die Budgetsanierung sowohl den
Unternehmen als auch den Arbeitnehmern und Konsumenten
Einbußen abverlangt, ist sie insgesamt eine sinnvolle
Investition in eine nachhaltige internationale
Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Österreich.” Darüber hinaus mahnte er neuerlich ein, dass die bereits eingeleiteten Reformen zur Beseitigung bestehender Strukturschwächen energisch vorangetrieben werden.

Gouverneur Liebscher legte weiters ein klares Bekenntnis
zur Erweiterung der Europäischen Union ab. Bezugnehmend auf
die wichtigsten wirtschaftspolitischen Herausforderungen für
die sog. "Transformationsländer” und EU-Beitrittskandidaten in ihrem wirtschaftlichen Aufholprozess unterstrich er, dass Strukturreformen der Schlüssel zu langfristigem Erfolg sind.
Die Entwicklung eines stabilen, privatisierten Finanzsektors
mit einer effizienten Intermediationsfunktion sei dabei von besonderer Wichtigkeit für die Investitionstätigkeit und damit eine solide Basis für ökonomische Expansion. Geld- und Fiskalpolitik müssten stabilitätsorientiert, nachhaltig und konsistent sein, die Einkommenspolitik solle an Produktivitätsfortschritten ausgerichtet werden. Auch in den Transformationsländern, so Gouverneur Liebscher weiter, sollte
die Preisstabilität das vorrangige Ziel einer mittelfristigen ausgerichteten Geldpolitik sein, welche durch unabhängige Zentralbanken zu gewährleisten sei. Er warnte jedoch vor überambitionierten Zielen, welche rasch zu Glaubwürdigkeitsverlusten führen und insgesamt sogar kontraproduktiv auf den langfristigen Aufholprozeß dieser
Länder wirken könnten, wenn sie nicht von der realen Wirtschaftsentwicklung gestützt werden.

Hinsichtlich der wirtschafts- und währungspolitischen Integration der EU-Beitrittskandidaten hielt Gouverneur
Liebscher fest, dass das Eurosystem einen 3-stufigen,
monetären Integrationsprozess vorschlägt: Beitritt zur Europäischen Union, freiwillige Teilnahme am
Wechselkursmechanismus II und schließlich Integration in den Euroraum und Teilnahme am Eurosystem. Er mahnte jedoch, dass
das Tempo der Erweiterung nicht auf Kosten der Qualität gehen dürfe. Abschließend zeigte sich Gouverneur Liebscher
optimistisch, dass die künftige Erweiterung der EU ähnlich erfolgreich wie die vorangegangenen Erweiterungsrunden sein
werde.

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