BSE: Rinderbörse meldet starke Absatzrückgänge

Stierpreise um ATS 3,- und Schlachtkuhpreise um ATS 5,- bis 6,-gefallen

Wien, 30. November 2000 (AIZ). - Obwohl es in Österreich bisher noch keinen BSE-Fall gegeben hat, führt die Diskussion über den Rinderwahnsinn bereits zu Konsumrückgängen bei Rindfleisch und in der Folge zu einem steigenden Preis- und Absatzdruck auf dem Schlachtrindermarkt. "Die Absätze sind bei den Stieren bereits dramatisch zurückgegangen. Diese Woche konnten wir - gerade auch bei den Qualitätsprogrammen - nur 60 bis 70 % der normalen Menge verkaufen", berichtet der Geschäftsführer der Österreichischen Rinderbörse, Rudolf Rogl, im Gespräch mit dem AIZ. Die Preise haben sich laut Rogl in den letzten zwei Wochen bei den Stieren um etwa ATS 3,- je kg verringert. "Wir müssen damit rechnen, dass wir unter den derzeitigen Umständen und wenn der Mengendruck anhält, nochmals ATS 1, bis 2,- verlieren werden. Bei den Kühen war der Preisrückgang mit etwa ATS 5,- bis 6,- noch höher gewesen, bei Verarbeitungsware mit ATS 3,- bis 4,- je kg etwas geringer. Bei jenen Kategorien, die nach Frankreich exportiert wurden, waren es aber bis zu ATS 6,- je kg", berichtet der Geschäftsführer. ****

"Die Schlachthöfe argumentieren bei den Preisverhandlungen damit, dass der Absatz im Handel seit dieser Woche in Österreich sinkt und seit zwei Wochen der Absatz nach Italien - ein für Österreich sehr wichtiger Markt - zurückgeht", berichtet Rogl. Wenn keine Entlastungsmaßnahmen gesetzt werden und wenn es dazu kommt, dass die Schlachtungen und der Konsum europaweit nicht wieder angekurbelt werden können, dann wird der Rückstau größer und die Preise werden auf das Interventionspreisniveau gedrückt, befürchtet er. Die Rinderbörse versuche daher gerade im Gütesiegelbereich beziehungsweise in der Qualitätsproduktion die Absatzschienen optimal zu bedienen.

Absatz deutlich gesunken

In Oberösterreich und Niederösterreich liefern die Mitgliedsbetriebe der Rinderbörse pro Woche etwa 1.400 Schlachtrinder an, davon 60 % in Oberösterreich und 40 % im Land unter der Enns. "Diese Woche werden es allerdings nur 900 bis 1.000 Stück sein", weist Rogl auf den starken Absatzrückgang hin. Die Rinderbörse hat in den ersten zehn Monaten des heurigen Jahres 55.000 Schlachtrinder abgesetzt, das sind um 24 % mehr als im Vorjahr. Der Marktanteil beträgt rund 20 % in Österreich.

Absatzsicherheit für Bauern

"In dieser heiklen Phase hat die Rinderbörse eine wichtige Funktion. Wir können den Trend der Preisentwicklung infolge der BSE-Diskussion zwar nicht direkt aufhalten. Wir können aber insofern stabilisierend einwirken, indem wir dafür sorgen, dass keine Okkasionskäufe möglich sind. Wir haben zwar derzeit ein niedriges Preisniveau, aber zu den festgelegten Konditionen können die Bauern wenigstens verkaufen. Wir haben das Instrument der Liefer- und Abnahmeverträge eingeführt, etwa 80 % unserer Lieferungen sind mit den Bauern in Form von solchen Verträgen geregelt. Das heißt, sie verpflichten sich, ihre Rinder über die Rinderbörse zu vermarkten, und wir verpflichten uns, ihre Rinder abzunehmen", stellt Rogl fest. Die Mitglieder hätten in dieser Phase den Vorteil, dass sie beim Absatz bevorzugt behandelt werden.

Innerösterreichischer Angebotsausgleich

Nachdem die Rinderbörse mit 20 Abnehmern über ein breites Absatzspektrum verfüge, sei man darüber hinaus in der Lage, auch Verschiebungen von Warenströmen zu organisieren und überregional Angebot und Nachfrage in Übereinstimmung zu bringen. "Hier ist die innerösterreichische Ausgleichsfunktion ein wichtiges Instrumentarium, um die Preise nicht in den Keller fallen zu lassen", so der Geschäftsführer.

Die Österreichische Rinderbörse hat 14.000 Mitglieder, davon sind etwa 10.000 liefernde Betriebe in Ober- und Niederösterreich. Die Rinderbörse ist als GesmbH organisiert. Sie hat damit keine Direktmitgliedschaften der Bauern, sondern diese sind über neun Rinderzucht- und Mastorganisationen Mitglieder. In der im November 1999 gegründeten Arbeitsgemeinschaft der Rinder-Erzeugergemeinschaften sind neben der Rinderbörse auch Erzeugergemeinschaften anderer Bundesländer (Erzeugergemeinschaft steirisches Rind, Bäuerliche Vermarktungsgemeinschaft Kärntner Fleisch und Rinderzuchtverband Salzburg) vertreten. Alle vier Organisationen repräsentieren rund 25.000 Rinderbauern.
(Schluss) kam

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