3sat-Präsentation: "Der lange Schatten der Geschichte - Sudetendeutsche und Tschechen"

Wien (OTS) - "Reden wir miteinander! Versuchen wir, gemeinsam
die Geschichte aufzuarbeiten und gute Nachbarschaft in einem Vereinten Europa zu verwirklichen." Das ist die Kernaussage der ORF/3sat-Dokumentation "Der lange Schatten der Geschichte -Sudetendeutsche und Tschechen" von Walter Raming, die gestern, Freitag, dem 24. November 2000, im ORF-Zentrum präsentiert wurde. An der Veranstaltung nahmen neben Peter Zurek, Leiter der Satellitenredaktion ORF, und Ministerialrat Dr. Walter Heginger vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur der tschechische Senator Univ.-Prof. Dr. Frantisek Mezihorak sowie Autor und Regisseur Walter Raming und der wissenschaftliche Berater Univ.-Prof. Dr. Arnold Suppan teil. Weiters unter den Gästen: die Wiener Landtagspräsidentin Maria Hampel-Fuchs, der Wiener ÖVP-Klubobmann Johannes Prochaska, Werner Mück, Leiter der ORF-Hauptabteilung "Bildung und Zeitgeschehen", und Mag. Helmut Kletzander, Leiter der ORF-Minderheitenredaktion. Der Film ist am Mittwoch, dem 29. November, um 20.15 Uhr in 3sat zu sehen und steht am Freitag, dem 15. Dezember, um 12.05 Uhr auf dem Programm von ORF 2. Die Dokumentation entstand als Produktion der Alpha TV im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur -Medienservice unter der Projektleitung von Ministerialrat Dr. Walter Heginger.

"Vor der katastrophalen Trennung unserer beiden Nationen in den Jahren 1938 bis 1945 war es nicht nur eine Geschichte des Hauens und Stechens , sondern vor allem eine gegenseitige Bereicherung", schrieb das Prager Blatt "Mlada fronat Dnes" am vergangenen Mittwoch über die gemeinsame tausendjährige Geschichte der Deutschen und der Tschechen. Für Peter Zurek, Leiter der Satellitenredaktion ORF, stellt der Film von Walter Raming beide Seiten der Medaille dar: "Die unglückliche Vergangenheit und die Zeiten des friedvollen Zusammenlebens, in denen diese gegenseitige Bereicherung wohl stattgefunden hat - denn dort, wo gehauen, gefochten und gestochen wird, tritt kollektiver Verlust ein". "Diese Dokumentation ist" - so Zurek weiter - "sowohl Unterrichtsmittel in bester Tradition als auch Kulturprogramm in jener Qualität, um die 3sat seit nunmehr 16 Jahren bemüht ist". "Durch strikte Beobachtung von Faktentreue und Verantwortungsbewusstsein bei der Aufarbeitung eines sensiblen Themas ist sie damit ein gutes Beispiel für eine der Stärken des öffentlich-rechtlichen Rundfunks", schloss Zurek.

Für Ministerialrat Dr. Walter Heginger waren sowohl sachliche als auch emotionale Gründe - er wurde in Nordmähren geboren und musste seine Heimat 1945 verlassen - ausschlaggebend dafür, diesen Film zu realisieren. "Ein wesentliches Anliegen dieser Dokumentation ist es", so Heginger, "dazu beizutragen, dass dieses Kapitel der Geschichte nicht der Vergessenheit anheim fällt. Der Film soll vor allem Jugendliche über diese Thematik informieren und dazu anregen, das Gemeinsame in der Geschichte über das Trennende zu stellen."

Senator Frantisek Mezihorak dankte dem ORF und 3sat dafür, "mit dieser Dokumentation einerseits die Problematik der Geschehnisse aufzuzeigen und andererseits dazu beizutragen, einen Weg in die gemeinsame europäische Zukunft zu finden".

In der Dokumentation "Der lange Schatten der Geschichte -Sudetendeutsche und Tschechen" kommen tschechische und österreichische Historiker und Zeitzeugen, unter ihnen Fürst Karl Schwarzenberg, ehemaliger Kanzleichef des tschechischen Präsidenten Havel, zu Wort. Die Betroffenen der Benesch-Dekrete von 1945 erwarten im Zuge der Verhandlungen um den EU-Beitritt Tschechiens eine Lösung ihrer Probleme, die Anerkennung des Menschenrechtes auf Heimat und Wiedergutmachung zumindest in Form einer moralischen Verurteilung des damaligen Unrechts an Millionen schuldloser Menschen. 1945 verloren mehr als drei Millionen altösterreichische Sudetendeutsche die tschechische Staatsbürgerschaft, wurden enteignet und aus ihrer angestammten Heimat vertrieben. Die Dokumentation zeigt die weit in die Geschichte zurückreichenden Wurzeln des nationalen Konflikts auf, ebenso die Bereitschaft vor allem junger Tschechen, das Gemeinsame in der Geschichte und nicht das Trennende als Grundlage einer besseren Zukunft zu sehen.

(Fotos via APA)

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