Unser Haus und unsere Kunst

Musiktheater als Bastion für Geist, Herz und Gemüt
(Von Franz Schwabeneder)

Die Botschaften über kleine opernhauszahlende Männer und über ãJa zum MusiktheaterÒ-hinausposaunende Buben sind unübersehbar plakatiert. Die Aussagen, bei dieser Volksbefragung zum Bau des Musiktheaters handle es sich um basisdemokratische Mitsprache mündiger Bürger, sind getroffen. Ebenso die Aussagen, es handle sich um spekulative Parteipolitik und Kleingeistigkeit gegenüber den Erfordernissen einer prosperierenden Kulturgesellschaft. Die Aufforderungen, an diesem Sonntag in das Wahllokal zu gehen und mit Ja zu stimmen Ð oder mit Nein Ð, sind ausformuliert. Noch einmal sei hier dargelegt, warum sich die OÖ. Nachrichten so vehement für den Bau des Musiktheaters und für die Neukonzeption der bedeutendsten traditionellen Kunst-Institution des Landes engagiert haben. Und damit Haltung ohne clevere Taktiererei eingenommen haben. Und somit auch das Risiko des Scheiterns in Kauf nehmen müssen.
Wir leben in einer Zeit der Konsum- und Infantilkultur. Es ist wunderbar gelungen, den Menschen einzubläuen, der Einkauf in den urbanen Waren-Kathedralen sei ãErlebniskulturÒ. Die zwischenmenschlichen Banalitäten bei ãTaxi OrangeÒ und die ãBig BrotherÒ-Alltagsseifenopern finden Massen-Zuneigung. Shakes-Bier-Trinker Zlatko ist ein sympathischer Held der Spaßgesellschaft. Diese überall reproduzierbare uniforme Unterhaltungskultur ist wohl die perfekte Ausformung der Globalisierung.

Akzeptiert. Soll so sein. Diesen Entwicklungen ist Respekt zu zollen. Keinesfalls soll aus moralinsaurer Abschätzigkeit der Bau des Theaters als Bastion des ãguten GeschmacksÒ für eine elitäre Snobgesellschaft gefordert werden. Aber als eine Bastion der Eigenart und Eigenwilligkeit, der regionalen Unverwechselbarkeit im Umgang mit Kunst, soll eine funktionierende Spielstätte mit Musiktheater, Schauspielhaus, Jugend- und Kindertheater verstanden sein. Als Haus für zeitgemäße Pflege der Tradition, als Haus für kulturelle Bildung und Wissenserweiterung, als Haus für aktuelle künstlerische Arbeiten und Visionen.
Theater ist lebendigste Kunst für die Augen, für die Ohren, für den Kopf, für das Gemüt. Sie ist die blödelnde, unterhaltsame, poetische, intellektuelle, emotionelle und provozierende Sicht auf den Menschen und seine Welt. Kunst als Selbst-Erkenntnis. Der Blick wird zurückgeworfen in die Vergangenheit und nach vorne in die Zukunft gerichtet. Wir sehen alle Abgründe, alle Hinfälligkeiten, alle Verrücktheiten und alle Großartigkeiten. Das zu zeigen, dafür haben die Dichter wie die Besessenen geschrieben. Dafür haben Komponisten die Klangbilder entworfen, und dafür singen sich Männer und Frauen die Seele aus dem Leib.
Für den Neubau des Musiktheaters lassen sich viele Argumente finden:
von der architektonischen städtebaulichen Entwicklung und Umwegrentabilität über den Bildungsauftrag und die Kulturpflege bis zum gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Renommee einer Stadt und eines Landes. Die Wahrheit aber ist: Oper, Operette, Musical, Tanz, Schauspiel, diese ganze wunderbare Theaterkunst, ist geistiger Reichtum einer zivilisierten Gesellschaft. Es ist unsere Kunst. Und dafür bauen wir unser Haus.

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