Industrie: Konjunkturwachstum hat Zenit erreicht

Hohe Rohstoffpreise und Konsolidierungsprogramm der Regierung dämpfen die Entwicklung

Wien (PWK1018) - "Im dritten Quartal scheint die
Industriekonjunktur ihren Zenit erzielt zu haben. Weitere Steigerungen sind derzeit nicht sichtbar, wir rechnen eher mit einer Stagnation bis leichten Rückgang", erläuterte Joachim Lamel, Syndikus der Bundessektion Industrie, im Rahmen eines Pressegesprächs am Freitag die Entwicklung der österreichischen Industriekonjunktur.

Im Bereich der Produktionsentwicklung melden 15 Fachverbände positive, und fünf Fachverbände (die Stein- und keramische Industrie, die Glasindustrie, Ledererzeugung und Lederverarbeitung sowie die Bekleidungsindustrie) gleichbleibende Produktionsaktivitäten.

Bei den Auftragseingängen zeigen sich jedoch bereits erste Abschwächungstendenzen. 13 Bereiche berichten über positive Auftragseingänge, sechs über stagnierende und der Fachverband der Stein- und keramischen Industrie, der vor allem die Wohnbauschwäche deutlich spürt, über eine rückläufige Auftragseingangs-Entwicklung. Von der Abschwächung sind insbesondere Erzeuger von Vorleistungen betroffen, aber auch die Hersteller traditioneller Konsumgüter rechnen mit einer konjunkturellen Eintrübung.

Der Export entwickelt sich nach wie vor gut. In den ersten acht Monaten des heurigen Jahres stiegen die Exporte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17,6 %. Dieses Wachstum war vor allem von einem kräftigen Anstieg der Exporte nach Drittländern (plus 23,9 %) getragen, die Exporte in die Mitgliedstaaten der EU expandierten in den ersten acht Monaten um 13,9 %.

Sorgenvoll sieht Prof. Werner Clement, Vorstand des Industriewissenschaftlichen Institutes, die gebremste Dynamik der österreichischen Gesamtwirtschaft und der Industrie. Das Konsolidierungsprogramm der Regierung und der sich nicht verbessernde österreichische Kapitalmarkt lassen kaum einen positiven Schwung entstehen. Dazu dämpfen die hohen Erdöl- und sonstigen Rohstoff - wie auch Transportpreise, den Konjunkturaufschwung nicht nur in Österreich, sondern auch in den Industrieländern und damit in wichtigen österreichischen Exportländern.

"Der Kostendruck auf die Erzeugerpreise; so Lamel, lässt unseren Industrieunternehmen wenig Spielraum zu einer besseren Entwicklung. Wir werden in diesem Jahr sicherlich mit Umsatzsiegern rechnen können: Die so wichtige Ertragslage der österreichischen Unternehmen wird sich leider nicht so positiv entwickeln können."

In den ersten sieben Monaten des heurigen Jahres stieg der Produktionsindex gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 7,2 %. Unter Berücksichtigung der sich nun abzeichnenden Entwicklungen dürfte ein Jahresergebnis mit einem Produktionsplus von 6,5 % gegenüber dem Jahr 1999 wahrscheinlich sein. Die Beschäftigung konnte von dieser guten Entwicklung allerdings nicht profitieren. Die erwartete Abschwächung der Konjunktur im Jahr 2001 dürfte dazu führen, dass die Ausweitung der Produktion in einer Größenordnung von 4,5 bis 5,0 % wahrscheinlich ist.

"Die Politik ist gefordert, neben der Belastungsseite auch dringend offensive Maßnahmen, wie die Verstärkung der Mittel für Forschung und Entwicklung und für infrastrukturelle Vorhaben, möglichst rasch in die Tat umzusetzen. Die Regierung hat es zwar versprochen, daher erwarten wir uns, dass es nicht nur bei den Belastungen ein konsequentes Umsetzen geben wird", ergänzte Lamel. (MH)

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