Start der dreiteiligen "Brennpunkt"-Reihe "Holokaust" im ORF

Kein Verbrechen des 20. Jahrhunderts hat die Menschheit so erschüttert wie der Holokaust. Das Verbrechen des Jahrhunderts, der Holokaust, ist heute so unfassbar wie damals und deshalb gegenwärtiger denn je: Aus diesem Grund startete der ORF am 27. Oktober mit Andreas Novaks "Menschenbilder"-Dokumentation "Simon Wiesenthal" einen Programmschwerpunkt zum Thema "Holokaust", in deren Mittelpunkt Guido Knopps Dokumentationsreihe "Holokaust" steht. Die Serie des Leiters der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte, Guido Knopp, steht unter der Patronanz von Simon Wiesenthal und ist ab Montag, dem 27. November, in einer ORF-Bearbeitung von Walter Erdelitsch in drei Teilen im "Brennpunkt" zu sehen. Teil eins steht am 27. November um 21.05 Uhr auf dem Programm von ORF 2, Teil zwei folgt am Donnerstag, dem 30. November, um 21.05 Uhr, Teil drei am Freitag, dem 1. Dezember, um 21.20 Uhr. Der ORF strahlt jede Folge darüber hinaus auch am Nachmittag aus, um jungen Menschen die Möglichkeit zu bieten, diese Dokumentation zu sehen. Zeitgeschichtsexperte Knopp macht mit seiner jüngsten Produktion der Öffentlichkeit eine große Anzahl neu entdeckter Filmaufnahmen zugänglich und versucht, das Jahrhundertthema so umfassend wie möglich filmisch darzustellen.

Servicewiederholung für Österreichs Jugend am Nachmittag:
Um diese internationale Serie vor allem der österreichischen Jugend leichter zugänglich machen zu können, zeigt ORF 2 die einzelnen Folgen ein weiteres Mal am Mittwoch, dem 29. November, sowie am Freitag, dem 1., und am Montag, dem 4. Dezember, jeweils um 16.00 Uhr. Dabei wird es zusätzliche Informationen und Gespräche geben, u. a. diskutiert "Brennpunkt"-Redakteur Walter Erdelitsch am 29. November mit dem Wiener Stadtschulratspräsidenten Dr. Kurt Scholz und dem Historiker Dr. Doron Rabinovici, am 1. Dezember mit Schülerinnen und Schülern des BRG "Bertha von Suttner" und am 4. Dezember mit Prof. Leon Zelman, dem Leiter des Wiener Jewish Welcome Service, und der Holokaust-Überlebenden Dagmar Ostermann.

Teil 1: Menschenjagd:
"Menschenjagd" ist der Titel des ersten Teils der dreiteiligen "Brennpunkt"-Serie "Holokaust", die der ORF in einer Bearbeitung von Walter Erdelitsch zeigt. Am 22. Juni 1941 griff Deutschland die Sowjetunion an. Während Reichspropagandaminister Goebbels diesen Überfall fadenscheinig als Präventivkrieg zu verkaufen suchte, stießen die Divisionen der Wehrmacht in wenigen Tagen tief ins Landesinnere vor. In ihrem Schatten folgten die sogenannten Einsatzgruppen. 3.000 Mann, die hinter der Front ihr mörderisches Handwerk verrichteten. Erstes Ziel: die vollständige Ausrottung der sogenannten "jüdisch-bolschewistischen Intelligenz", vor allem von Juden in Partei- und Staatsstellungen". "Bolschewismus" und "Judentum" setzten die NS-Machthaber gleich. So wurden schon in den ersten Wochen des Krieges Zehntausende von Juden erschossen. Zunächst galten die Mordbefehle zumindest dem Wortlaut nach nur den Männern im wehrfähigen Alter.
Für Hitler war der Angriff auf die Sowjetunion Auftakt zu dem Krieg, von dem er immer schon geträumt hatte: Vernichtungskrieg für "Lebensraum" im Osten, Ausgeburt seines Wahns vom Großgermanischen Reich vom Atlantik bis zum Ural. Die einheimische Bevölkerung sollte vertrieben, verstreut, "rassisch ausgelaugt", "verschrottet" werden, so das todverheißende Vokabular im "Generalplan Ost" Heinrich Himmlers.
Doch bald ermordeten die Sonderkommandos auch jüdische Frauen. Eine wesentliche Zäsur in der Genesis des Holokaust verbindet sich mit dem Namen der ukrainischen Stadt Bjelaja-Zerkow, wo sich ein Soldat der Wehrmacht nach einer Erschießung erkundigte, was mit den nun elternlosen Kinder geschehen solle. Die Antwort lautete, das sei nicht seine Sache und "Wir erschießen erst ab 14". Nach einer Woche holte ein Lastwagen auch diese Kinder zur Erschießung ab. Wehrmachtspfarrer intervenierten und die Aktion wurde kurzzeitig gestoppt. Doch Feldmarschall von Reichenau wiederholte seinen zuvor erteilten Befehl, die Kinder zu erschießen. Inzwischen hatte Himmler ohnedies die Weisung gegeben, die Juden unabhängig von Alter und Geschlecht umzubringen. Als sich der Feldzug gegen die Sowjetunion ab Herbst 1941 festfuhr, stellte Hitler als treibende Kraft endgültig die Weichen zum Massenmord. Er stimmte den Vorschlägen seiner Helfer Heydrich und Goebbels zu, mit den Deportationen aus dem Reichsgebiet zu beginnen. Es war die Stunde der Zuarbeiter - radikaler Vor- und Mitdenker auf allen Ebenen des Nazistaates. Von den Vollstreckern Himmler und Heydrich bis hin zu willigen Schreibtischmördern wie Adolf Eichmann. Im Oktober 1941 wurden die ersten deutschen, österreichischen und böhmischen Juden nach Lodz deportiert. Um diese Zeit begann der Bau der ersten Vernichtungslager Chelmno und Belzec. Das Morden in den besetzten sowjetischen Gebieten erreichte eine neue Dimension. Von diesem Zeitpunkt an war es nur noch ein kleiner Schritt bis zu den Gaskammern von Auschwitz und Treblinka.

Weitere Beiträge zum ORF-Programmschwerpunkt "Holokaust": Als weitere Beiträge zum "Holokaust"-Schwerpunkt im ORF-Fernsehen zeigte ORF 2 am Freitag, dem 27. Oktober, um 21.20 Uhr Andreas Novaks "Menschenbilder"-Dokumentation "Simon Wiesenthal" und die "Brennpunkt"-Dokumentation "Schweigen und erinnern", in der Elisabeth Scharang am Mittwoch, dem 8. November, um 23.15 Uhr in ORF 2 die Ausschreitungen gegen Juden während der sogenannten Reichskristallnacht in der damaligen Ostmark aus der Sicht der Täter, der Mitläufer und der stillen Zeugen dokumentierte. Anlässlich der Eröffnung der Grazer Synagoge präsentierte Udo Bachmair am Dienstag, dem 14. November, um 23.05 Uhr in ORF 2 im Religionsthemenabend "kreuz&quer" die Dokumentation "Die Synagoge war mir Heimstätte". Regina Strassegger begab sich in ihrem Film auf "eine Zeitreise zur Grazer Synagoge". Ebenfalls mit der Grazer Synagoge beschäftigte sich ein "Österreich-Bild aus dem Landesstudio Steiermark" am Sonntag, dem 19. November, um 18.30 Uhr in ORF 2. Georg Altziebler zeigt dabei in seiner Dokumentation auch eine "Geschichte des Judentums in der Steiermark". Am Mittwoch, dem 22. November, berichtete die "Brennpunkt"-Dokumentation "Kunstraub" von Eva-Maria Berger um 23.15 Uhr in ORF 2 über Kunstgegenstände in Österreichs Museen, deren Herkunft nicht eindeutig geklärt ist. Am Montag, dem 27. November, zeigt ORF 1 in der bereits dritten Ausstrahlung im ORF um 22.00 Uhr "Schindlers Liste", Steven Spielbergs erschütterndes Meisterwerk über den Naziterror. Zwölf Mal für den Oscar nominiert, erhielt Spielbergs Film mit dem Hauptdarstellertrio Liam Neeson, Ralph Fiennes und Ben Kingsley insgesamt sieben Academy-Awards. Und am Mittwoch, dem 6. Dezember, steht um 23.30 Uhr das außergewöhnliche Filmdokument "Hitler - Eine Karriere" von Joachim C. Fest und Christian Herrendoerfer auf dem Programm von ORF 1.

Zeitgeschichte-Schwerpunkt auch im ORF-Radio und in 3sat: Maria Reininger widmete sich am Montag, dem 30. Oktober, um 18.20 Uhr im "Journal-Panorama" dem Thema "Der Wohnungsraubzug - bis heute unerledigt". Etwa 70.000 Miet-wohnungen und 3.000 Eigenheime wurden nach 1938 arisiert. Doch erst jetzt, 60 Jahre später, wird über Entschädigungen nachgedacht. Am Samstag, dem 11. November, stand um 22.35 Uhr anlässlich der Ausstellung im Jüdischen Museum Wien Gerhard Prettings Beitrag "Zwischen Ost und West. Galizische Juden und Wien" auf dem Programm von "Österreich 1 extra". Und in "Motive - Aus dem evangelischen Leben" beschäftigte sich Martin Gross am Sonntag, dem 19. November, um 19.00 Uhr mit dem Thema: "Kreuz und Hakenkreuz - Die evangelische Kirche Österreichs im Dritten Reich".

Auf dem Programm von 3sat stand vom 22. Oktober bis 12. November jeweils Sonntag um 20.15 Uhr der Vierteiler "Auschwitz und kein Ende". Und am Donnerstag, dem 9. November, zeigte 3sat um 23.10 Uhr "Pogrom", ein szenisches Stenogramm der "Besprechung der Judenfrage" mit Erwin Steinhauer und Thomas Maurer.

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