DER STANDARD-Kommentar: "Fehltritt eines Nationalhelden - Niki Lauda musste als Airline-Chef gehen, weil er das Aktienrecht negierte" (von Claudia Ruff)

Wien (OTS) - Der Rücktritt Niki Laudas als Vorstandschef der Lauda Air ist die logische Konsequenz seiner zahlreichen aktienrechtlichen Verfehlungen als Vorstand. Wie ein allein herrschender Tycoon hat er jahrelang agiert, ungeachtet dessen, dass das Unternehmen Lauda Air nicht ihm allein, sondern auch anderen Aktionären, darunter der AUA als größtem, gehörte.

Wenn er sich Strecken, die er fliegen wollte, in den Kopf setzte, dann wurden die auch geflogen, ob sie wirtschaftlich sinnvoll waren oder nicht. Mit dem Kopf durch die Wand ging er, wohl wissend, dass er für die breite Öffentlichkeit immer so etwas wie ein Nationalheld sein wird. Und Helden killt man nicht so leicht, das schafft schlechte Publicity. Das stimmt so lange, wie alles gut geht und das Unternehmen floriert. In wirtschaftlich schlechten Zeiten aber werden die Aktionäre, also die Eigentümer, unruhig. Nationalheld hin oder her, die AUA wollte und musste handeln, schließlich trifft der Verlust der Lauda Air auch ihre Bilanz ganz gewaltig.

Entscheidend für Laudas Rücktritt war schließlich, dass er den Aufsichtsrat, also seine Eigentümer, über wesentliche Finanztransaktionen nicht richtig beziehungsweise gar nicht informierte. Der Nachweis dessen kostet jeden Vorstand der Welt den Job, egal, ob er jetzt Niki Lauda oder sonst wie heißt.

Es mag schon stimmen, wenn Lauda jetzt sagt, er habe das Unternehmen nach bestem Wissen und Gewissen geführt - bloß, er hat es geführt, wie wenn er der alleinige Eigentümer der Lauda Air wäre, und missachtete dabei die Spielregeln des Aktienrechts. Mit solchen Formalitäten gab er sich gar nicht ab. Denn schließlich tragen weder er persönlich noch seine Privatstiftung, die derzeit noch 30 Prozent an der Airline hält, das wirtschaftliche Risiko an der Lauda Air.

Dieses wirtschaftliche Risiko tragen ausschließlich die AUA (sie hält 36 Prozent an der Lauda Air) und die Lufthansa, die noch mit 20 Prozent beteiligt ist. Denn die Lauda Privatstiftung hat bereits vor Jahren eine Vereinbarung mit der AUA getroffen, dass die AUA Mitte kommenden Jahres dieses Aktienpaket erwerben muss. Den ehemals gefeierten Held treffen die verlustreichen Geschäfte der Fluglinie also in keiner Weise.

Nur, wenn er jetzt sagt, er tritt ab, obwohl er für die Finanzgebarung der Fluglinie gar nicht zuständig war, verkennt Lauda erneut die Wirklichkeit. Im Vorstand gibt es nämlich eine Solidarhaftung. Und genau aus diesem Grund musste nicht nur er, sondern werden auch die anderen zwei Vorstandskollegen Laudas den Hut nehmen müssen.

Auch die tatsächliche Höhe des operativen Verlusts, ob nun eine Milliarde oder darunter, war für seinen Abgang nicht wirklich ausschlaggebend. Denn einen Vorstand zu killen, nur weil das Geschäft schlecht läuft und das Unternehmen Verluste schreibt, ist in der Praxis äußerst schwierig. Wenn die Eigentümer einen Vorstand unter diesen Voraussetzungen aushebeln wollen, dann wird eben nach Formalfehlern gesucht. Das können falsche Spesenabrechnungen sein oder im Fall Laudas die Missachtung des Aktienrechts. Und Lauda lieferte sie der AUA quasi auf dem Tablett.

Niki Lauda hat in seinem Leben viel erreicht, er war dreifacher Formel-1-Weltmeister und baute unter schwersten Bedingungen seine Fluglinie auf. Er überlebte 1976 seinen schweren Unfall am Nürburgring und seine Airline 1991 den Absturz über Bangkok, bei dem 230 Menschen starben.

Doch als Unternehmer zählten all seine sportlichen Erfolge nicht mehr, da musste er sich wie alle anderen Manager in solchen Positionen mit den wirtschaftlichen Realitäten auseinander setzen. Und mit diesen kam Lauda nicht mehr zurecht. Da half ihm am Ende niemand mehr, nicht die Lufthansa, die ihn in früheren Zeiten im Kampf gegen die AUA massiv unterstützte, und schon gar nicht sein Aufsichtsratspräsident Rudolf Streicher, der als ÖIAG-Chef mit sich selbst genug beschäftigt ist.

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