Kommentar 23.11.2000: Wie die Österreicher für dumm verkauft werden (von Günter Fritz)

Wien (OTS) - Wer ÖIAG-Chef Rudolf Streicher Dienstag abends in der ZIB2 reden gesehen hat, konnte glauben, einen Manager vor sich zu haben, der sich im Licht des Erfolgs sonnt: Der Dirigent der österreichischen Industrieholding wirkte so zufrieden und selbstgefällig, als ob ihm gerade der grosse Privatisierungs-Wurf gelungen wäre. Dabei musste Streicher zu zwei wirtschaftspolitischen Grossereignissen im Einflussbereich der ÖIAG Rede und Antwort stehen, die den vergangenen Monaten ihren Stempel aufgedrückt haben und die alles andere als glanzvoll verlaufen sind. Der Rücktritt von Airline-Chef Niki Lauda als vorläufiger Schlusspunkt einer öffentlichen und bisher in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte einzigartigen Schlammschlacht kann wohl kaum als freudiges Ereignis bezeichnet werden. Zwar gelang es Streicher damit, sich aus der Verantwortung für die Unregelmässigkeiten und damit verbundenen Verluste von bis zu einer Milliarde Schilling bei der Lauda Air zu nehmen. Er muss aber weiter dafür geradestehen, dass es ihm als dreifachen Aufsichtsrat bei AUA, Lauda und Tyrolean nicht gelungen ist, dem selbstzerstörerischen Gemetzel zwischen Lauda und den AUA-Chefs Einhalt zu gebieten und für eine straffe bzw. neue Führung der trudelnden AUA-Gruppe zu sorgen, die sich in erster Linie ums Geschäft kümmert. Auch die Telekom-Austria-Emission, die den Österreichern mit allen Mitteln als Volksaktie schmackhaft gemacht wurde, entpuppte sich bereits am ersten Tag als veritabler Flop: Die vielen kleinen Anleger, die den vielversprechenden Aussagen des Telekom-Managements und der von der Regierung mit dem Verkauf beauftragten ÖIAG auf den Leim gegangen sind, müssen einen Milliardenverlust wegstecken. Die Telekom-Emission ist damit nicht nur kein Ruhmesblatt für den österreichischen Kapitalmarkt, sie wird auch was wesentlich folgenschwerer ist - künftig kaum das Vertrauen der Österreicher in den Aktienhandel und in die damit verbundene Informationspolitik fördern. Auch wenn das Umfeld für den Börsegang nicht optimal war, diese Ausrede gilt nur bedingt. Die involvierten Manager und vor allem ihr Oberaufseher, ÖIAG-Chef Rudolf Streicher, haben derzeit sicher keinen Grund, sich entspannt zurückzulehnen und zufrieden die Hände zu reiben. gf

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