"Kleine Zeitung" Kommentar: "Sittenbilder" (von Ulrich Stocker)

Ausgabe vom 23.11.2000

Graz (OTS) - Wenn sich, wie gestern wieder im Nationalrat, Rot und Blau "ihre" Skandale um die Ohren beuteln, ist die Antwort, welches der ärgere - der Datenklau oder die Burgenland-Bank sei, mit der Inszenierung vorgegeben: Der jeweils andere ist der Schuft, alles übrige ablenkendes Dekor.

Die Sicht ist eine selbst gestellte Falle. Denn beide Affären haben eine gemeinsame doppelte Ebene: Sie sind Kriminalfälle, reichen aber weit darüber hinaus. Sie sind Sittenbilder.

In der Bankaffäre gingen 4,5 Milliarden Schilling den Bach hinunter - ein halbes Jahresbudget des Burgenlands. Man saß einem Großbeträger auf, das ist die halbe Wahrheit. Der zweite Teil besteht darin, dass im pannonischen Miniland die paar Dutzend Akteure der wirtschaftlich-politischen Machtelite alle nach dem Motto "Du Direktor, ich Aufsichtsrat" (und vice versa) verbandelt waren. Dem Jagd- und Golffreund hackt man kein Auge aus.Provinz schafft Vertrautheit - bis zum Ende.

Der Spitzelskandal? Ist er denkbar ohne sammelwütigen und in sich zerstrittenen Polizeiapparat?

Das Fazit ist klar: Die Kriminalfälle sind zu klären. Aber wer die Unsitten, die sie ermöglicht haben, verdrängt, nimmt die Fortsetzung in Kauf.

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