International Solid Waste Association: Neue Schwerpunkte in der Abfallwirtschaft

Abfallwirtschaft heute: Management von Massenströmen, Zahlungs- und Informationsströmen

Wien (OTS) - "Die Abfallwirtschaft ist heute weit über die traditionellen Bereiche von Sammlung und Entsorgung hinausgewachsen", formuliert Dr. Christoph Scharff, Präsident der International Solid Waste Association (ISWA) das neue Verständnis der internationalen Abfallwirtschaft. "Sie ist nicht mehr darauf beschränkt, Abfälle zu transportieren und zu behandeln, sondern versteht sich als Management von Massenströmen, begleitet von Zahlungs- und Informationsströmen."

Produktion, Handel und Konsumenten sind eng eingebunden. Behörden, Wissenschaft und Forschung, Medien und die Öffentlichkeit sind weitere neue Kräfte. Sie alle erfüllen als Spezialisten ihre spezifischen Funktionen in einem arbeitsteiligen System.

Sustainable Development

"Diese drei Bereiche - Ökologie, Ökonomie und soziale Einbettung -sind auch die Säulen der Nachhaltigkeit, die die Agenda 21 fordert:
Sustainable Development. Mit diesem erweiterten Horizont wächst auch die Verantwortung der Abfallwirtschaft für eine nachhaltige Entwicklung."

Kooperation mit der UNO-Umweltschutzorganisation

Die ISWA ist dieses Jahr - rasch nach dem Amtsantritt von Christoph Scharff als Präsident im Juli - eine formelle Kooperation mit der UNEP, dem Umweltschutzprogramm der Vereinten Nationen, eingegangen. Nach der WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist die ISWA damit Partner von zwei UN-Organisationen.

Die Experten der ISWA unterstützen dabei die UNEP bei ihrer Arbeit und gehen in die Länder der Dritten Welt, um dort vor Ort Trainingskurse und Schulungen anzubieten. "Die Ballungsräume der Entwicklungsländer", so Scharff, "werden entscheidende Bedeutung für die Entwicklung des Planeten erhalten."

Die UNEP schätzt, dass es bis 2025 rund 100 Megacitys mit mehr als 5 Millionen Einwohnern geben wird - 80 davon werden in der Dritten Welt sein. Großstädte nehmen heute nur 2% der Erdoberfläche ein, verbrauchen aber 75% der Rohstoffe und erzeugen einen ebenso großen Anteil des gesamten Abfallaufkommens.

"Hier müssen wir ansetzen, wenn wir die Abfallwirtschaft vom Entsorgungsdenken zum nachhaltigen Stoffstrom-Management entwickeln wollen", formuliert Scharff seinen Auftrag. "Das ist unsere Verantwortung."

Zahlen zeigen die Größenordnung: Hongkong - mit 7 Millionen Einwohnern kleiner als Österreich - hat 32.000 t Bauschutt zu bewältigen - pro Tag.

Schwerpunkte: Südostasien, Naher und Mittlerer Osten und Osteuropa

Die regionalen Entwicklungsschwerpunkte in den kommenden Jahren liegen daher in Südostasien, im Nahen und Mittleren Osten und bei den EU-Beitrittskandidaten in Ost-Europa.

"In der Abfallwirtschaft", so Scharff, "hat in der Kooperation die EU-Erweiterung auf die osteuropäischen Länder längst stattgefunden." Das Hauptinteresse dieser Länder liegt bei konzeptiven und strategischen Ansätzen, während früher technische Fragen die Diskussion beherrschten.

In den Entwicklungsländern stellt sich hingegen zumeist das Problem der Erfassung von Abfällen, um sie kontrolliert behandeln oder entsorgen zu können. "Ein Land wie China steht gerade vor der Aufgabe, erstmals Müllgebühren einzuführen - für mehr als eine Milliarde Menschen. Für uns ist es längst eine Selbstverständlichkeit, dass Entsorgung mit Kosten verbunden ist. Hier liegt die Herausforderung in der Planung, Ausweich-verhalten und illegale Entsorgung zu vermeiden."

Themenführerschaft Österreichs

Noch wenig beachtet von der breiten Öffentlichkeit, aber um so mehr von der Fachwelt hat Österreich in den letzten Jahren die internationale Themenführerschaft in den neueren, den "fuzzy issues" der Abfallwirtschaft an sich gezogen.

Zwei internationale Arbeitsgruppen der ISWA stehen unter Vorsitz österreichischer Experten und halten in den kommenden Tagen am Rande des Kongresses ihre Sitzungen ab:

Volkswirtschaftlichen und Klimaschutz-Aspekten widmet sich eine neue internationale Arbeitsgruppe der ISWA, deren Gründung eine der ersten Aktionen von Christoph Scharff als Präsident der ISWA war und die am Freitag hier in Wien zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammentritt - der Working Group on Economic Analyses for Sustainable Development.

Zwei internationale Working Groups tagen in Wien

"Die Aufgabenstellung ist naheliegend: Finanzielle Mittel für Umweltschutz sind begrenzt: Wo also soll der nächste Schilling - oder Euro - mit dem größten Nutzen für die Umwelt eingesetzt werden? Welche Maßnahme leistet den größten Beitrag zum Klimaschutz? Mehr getrennte Sammlung und Recycling? Biologische Verfahren? Müllverbrennung? Abfallvermeidungs-technologien? Wenige große Anlagen oder viele kleine - Stichwort Entsorgungsautarktie?"

Mit der volkswirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Analyse wurde methodisches Neuland betreten, das mittlerweile als österreichische Innovation international und auf EU-Ebene Aufmerksam-keit auf sich zieht.

Die Wissenschafter dieser Working Group versuchen, Methoden für eine volkswirtschaftliche Bewertung und Optimierung abfallwirtschaftlicher Strategien zu entwickelt. Hier liegt auch die Chance, zu einer Objektivierung von Umweltzielen zu kommen - 10 Jahre nach Rio de Janeiro.

750 Abfallwirtschaftsexperten in Wien

Bei der Erreichung dieser neuen abfallwirtschaftlichen Zielsetzungen ist einer der Erfolgsfaktoren Kommunikation. "Es war 1994 eine österreichische Initiative, im Rahmen der ISWA eine internationale Arbeitsgruppe zum Fachbereich Kommunikation und soziale Fragen ins Leben zu rufen, die Working Group on Communication and Social Issues. Heute folgen über 750 Delegierte aus 41 Ländern dem Ruf von Stadt Wien und ISWA nach Wien, um den neuesten Forschungs- und Praxisstand zu diskutieren."

Die Themenschwerpunkte sind klar erkennbar: Akzeptanz für abfallwirtschaftliche Projekte, von Sammelsystemen bis zu Anlagenstandorten, von Müllgebührenmodellen bis zum Entsorgungsverhalten. Die internationalen Referenten berichten ihre Erfahrungen mit erfolgreichen Kommunikationsstrategien.

Szenario für die Zukunft

Wesentliches langfristiges Ziel von Christoph Scharff als ISWA-Präsident ist eine Perspektive für die Abfallwirtschaft: "Ich habe nach meinem Amtsantritt den 12 internationalen Arbeitsgruppen der ISWA und den mehr als 250 Experten die gleiche Frage gestellt: Wo soll die Abfallwirtschaft in 10 Jahren stehen, wenn wir das Ziel der nachhaltigen Wirtschaftsweise erreichen wollen? Und wie kommen wir dorthin? Welcher Forschungsbedarf entsteht dadurch? Welcher Regelungsbedarf besteht? Wie sind die Auswirkungen auf die Entwicklungs-länder? Welche Finanzierungsmodelle versprechen Erfolg?"

Das Ergebnis der 12 Arbeitsgruppen soll in zwei Jahren vorliegen und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit kontroversiell sein. "Aber das ist wohl die beste Basis für eine Positionsbestimmung und einen neuen Aufbruch in der globalen Abfallwirtschaft, die dann vielleicht schon ein Stoffstrom-Management ist."

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