Grazer Uni-Pathologe Kleinert: Erste BSE-Tote ist Unsinn

Kein Zusammenhang dieses und aller österreichischer CJ-Fälle mit BSE

Wien, 22. November 2000 (AIZ). - Titel in kleinformatigen Zeitungen zu Berichten über den Tod einer über 70-jährigen Kärntner Creutzfeldt-Jakob (CJ)-Patientin wie "Erstes BSE-Opfer" und deren Weiterverbreitung durch Umweltpolitik-Aktivisten sind für den untersuchenden Pathologen und Universitätsprofessor an der Universitätsklinik in Graz, Reinhold Kleinert, blanker Unsinn, gegen den die Wissenschaft aber trotz intensiver Aufklärungsaktivitäten für die Medien "machtlos" gegenüberstehe. "Das war ein ganz normaler CJ-Fall, wie er immer wieder vorkommt, eine banale Form dieser seit Beginn des 20. Jahrhunderts in der Wissenschaft beschriebenen Krankheit, wie sie immer wieder auftritt", sagte der Professor auf Anfrage des AIZ. Noch dazu sei die CJ bei dieser Patientin noch gar nicht weit fortgeschritten und die eigentliche Todesursache sei ein Herz-Kreislauf-Versagen gewesen. Zwischen diesem CJ-Fall - wie auch unter Berufung auf den Wiener CJ-Spezialisten, den Neurologen und Prionen-Forscher Herbert Budka, bei allen anderen, penibel registrierten und dokumentierten bisher in Österreich aufgetretenen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankungen - und BSE sowie der vermeintlich damit übertragenen neuen, juvenilen Form dieser tödlichen, chronisch-degenerativen Erkrankung des Zentralnervensystems (nvCJ) "ist kein Zusammenhang herstellbar", so Kleinert. ****

Kleinert, der das Gehirngewebe der Verstorbenen an der für die Steiermark und Kärnten zuständigen Grazer Uni-Pathologie untersucht hat, beruft sich mit seinen Erkenntnissen auch auf den Lebenslauf der Patientin, die weder in Großbritannien gewesen sei noch Kontakt mit Rindern gehabt habe. Im Übrigen bestehe in Österreich überhaupt "keine Gefahr für die Bevölkerung". Schon vor Jahren hat sich Österreich in die EU-weit koordinierte Beobachtung aller Creutzfeldt-Jakob-Erkrankungen eingeklinkt, wofür der Wiener Universitätsprofessor Budka zuständig ist. Kleinert schildert, dass für dieses Monitoring alle heimischen CJ-Fälle seit 1965, das waren bis Fertigstellung der Studie 88, neu aufgerollt worden und auf mögliche Zusammenhänge mit BSE geprüft worden sind. Das heißt, es wurde untersucht, ob Fälle der neuen Creutzfeldt-Jakob-Variante darunter gewesen sein könnten. Das beruhigende Ergebnis in allen Fällen: negativ.

Creutzfeldt-Jakob in Österreich stagnierend

Jedenfalls solle in der öffentlichen Diskussion die Kirche auch dahingehend im Dorf gelassen werden, dass das Risiko an CJ zu erkranken verschwindend gering sei und die neue, vor allem jüngere Menschen befallende nvCJ in Österreich überhaupt noch nie aufgetreten sei. "Creutzfeldt-Jakob ist in Österreich de facto vernachlässigbar. Von einer Million Einwohnern erkranken schlimmstenfalls 1,7 bis zwei daran", rückt Kleinert die Dimensionen zurecht und wünscht sich vielmehr, "dass wirklich weiter verbreiteten Leiden wie Alzheimer, die tatsächlich die Menschheit betreffen, die selbe Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit geschenkt wird, wie Creutzfeldt-Jakob".

Obwohl bei der in absoluten Zahlen von rund einem Dutzend CJ-Erkrankungen jährlich in Österreich jeder einzelne Fall die Statistik prozentuell stark beeinflusse, "ist die Verbreitung von CJ in Österreich oft sogar rückläufig, seit Jahren aber jedenfalls zumindest nicht steigend", berichtet Kleinert.

Hintergrund: Creutzfeldt-Jakob

Die nach den Neurologen H. G. Creutzfeldt (1885 bis 1964) und A. Jakob (1884 bis 1931) benannte Erkrankung ist eine bisher nicht kurierbare, chronisch-degenerative Schädigung des Zentralnervensystems und endet tödlich. Sie tritt vor allem bei älteren Menschen auf. Seit einigen Jahren besteht der Verdacht, dass der so genannte Rinderwahn, BSE (eine schwammartige Degeneration des Rinderhirns), beim Menschen durch die Übertragung von krankhaft veränderten Prionen, das heißt schraubenförmige Eiweiße, eine neue, auch jüngere Individuen befallende Variante von Creutzfeldt-Jakob auslösen kann.
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