"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Angst um Bildung" (von Stefan Kappacher)

Ausgabe vom 22. 11. 2000¶

Innsbruck (OTS) - Auf relativ leisen Sohlen ist die Wende auch im Schulbereich gekommen. Im Rahmen des neuen Finanzausgleichs bis 2004 ist der Abbau von bis zu 5000 Lehrerposten im Bereich der Pflichtschulen paktiert worden, diese Woche wird im National rat indirekt der Abbau von 1300 Stellen im Bereich der AHS und BHS beschlossen: Klassenvorstände und Kustoden müssen mehr unterrichten, daher werden eine Zeit lang nur sehr wenige Junglehrer gebraucht werden.

Dass dies nicht nur eine bildungspolitische Bankrotterklärung sein kann, wie die Opposition weismachen will, zeigt die zwiespältige Reaktion der Gewerkschaft: Die AHS-Lehrer drohen massiv mit Streik, während die Vertreter von BHS- und Pflichtschullehrern - die von den Verschlechterungen bei der Abgeltung für Administration und Vertretungsstunden ebenso betroffen sind - sehr kooperativ agieren. Das zeigt einerseits, dass man natürlich nicht alle Schulen und Schultypen über einen Kamm scheren kann; es zeigt aber auch, dass im System Verbesserungs- und damit auch Einsparungspotenziale stecken müssen. Immerhin hat der Gewerkschafter Helm gestern das bestehende Pflichtstundenmodell für die Lehrerarbeitszeit als "historisch überholt" bezeichnet.

Die Chance auf ein zeitgemäßes und motivierendes Dienstrecht für den so wichtigen Lehrberuf birgt unter dem Aspekt des Sparkurses freilich auch die Gefahr, das Kind mit dem Bad auszuschütten. Unbedachte Einschnitte könnten Errungenschaften im Bereich etw a der Integration oder bei der Nachmittagsbetreuung zunichte machen. Das wäre dann tatsächlich eine Zukunft ohne Schulden auf Kosten der Bildung.

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