Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik/Parteien "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Beweis der Erpressbarkeit

Ausgabe vom 22. Nov. 2000 Klagenfurt (OTS) - Beweis der Erpressbarkeit. Koalition gerettet, Gesicht verloren. Die ÖVP ist vor einer in der Spitzelaffäre rabiat gewordenen FPÖ zu Kreuze gekrochen. Sie hat es zugelassen, dass man ihrem Innenminister den obersten Polizeibeamten vor der Nase herausschießt. Sie ließ sich mit der Drohung erpressen, dass widrigenfalls "parlamentarische Schritte" gegen Strasser eingeleitet würden, was wohl das Koalitionsende bedeutet hätte. Die ÖVP lieferte gestern den Beweis ihrer Erpressbarkeit. Nun, der Preis in der Person Erik Buxbaums mag ihr vielleicht gar nicht so unerschwinglich hoch erschienen sein. Doch Buxbaum ist nicht der Preis. Getroffen wurde Innenminister Ernst Strasser, ja so sehr getroffen, dass die FPÖ ihm nun gar nicht mehr zu drohen braucht. Sie hat einen Sieg davongetragen, der über die Spitzelaffäre hinausweist. Wolfgang Schüssel war es vorbehalten, die Kategorie Dankbareit in der Politik einzuführen. Sein Amt verdankt er jedenfalls nicht dem Wähler - und das ist spürbar. Ernst Strasser hingegen hatte keinen Anlass, dankbar zu sein, sondern korrekt. Er orientierte sich an selbstverständlichen Anstandsregeln, sei es gegenüber Demonstranten, Schubhäftlingen. Strasser stach allein schon deshalb hervor, weil er sein Handeln an den Grundwerten ausrichtete und diese nie in Zweifel ziehen ließ. Eine Selbstverständlichkeit, doch heutzutage schon eine "Lichtgestalt", wie die Hamburger "Zeit" schreibt. Genau das hatte die FPÖ frühzeitig erkannt. Diesen "Anti-Haider" galt es zu treffen. Jetzt hat sie ihn mit Hilfe der ÖVP getroffen.

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