"Neue Zeit" Kommentar: "Rekorde" (von Andreas Kolb)

Ausgabe vom 22. November 2000

Graz (OTS) - Die größte Aktienemission in der Geschichte Österreichs bricht einen Rekord nach dem anderen: Noch nie wurde ein derartiges Aktienpaket an der Wiener Börse platziert, wie jenes der Telekom Austria. Noch nie hat eine Aktie bereits am ersten Tag einen derartigen Kursrutsch mitgemacht. Noch nie haben sich so viele Anleger - vor allem institutionelle - so blitzartig von einer Aktie getrennt, die sie gerade erst erworben hatten. Noch nie hat sich ein Finanzminister bei einer Privatisierung so verrechnet, wie Karl-Heinz Grasser bei der Telekom. 30 Milliarden Schilling hätten indirekt das Budget entlasten sollen, 16 hat die ÖIAG aus der Telekom-Emission lukrieren können. Es war der denkbar schlechteste Zeitpunkt für den Telekom-Börsegang. Im Oktober und November geben die Börsen weltweit nach. Telekommunikations-Werte sind derzeit wenig gefragt. Die Fonds, potenziell die stärksten Käufer von neu am Markt befindlichen Aktien, sind gegen Jahresende nicht gewillt, ein auch noch so kleines Risiko einzugehen. Und die Turbulenzen, die weltweit die Börsen beuteln, schrecken viele Anleger ab. Dass der Telekom-Börsegang ein Begräbnis erster Klasse wird, war leicht abzusehen. Weil aber auf Teufel komm raus privatisiert werden muss, haben Regierung und ÖIAG ihn durchgedrückt. Die Kosten für die Beerdigung übernehmen ohnehin die vielbeschworenen "kleinen Leute". Im Fall der Telekom sind das vorerst 91.500 gutgläubige Privatanleger und 13.500 Mitarbeiter, die sich auf das Abenteuer Telekom eingelassen haben.

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