Kommentar 22.11.2000 - Wirtschaftsblatt zur Telekom-Aktie

Bei der Volksaktie wurde aufs Volk vergessen von Robert Gillinger

Wien (OTS) - Als Volksaktie wurde sie uns verkauft, an das Volk geglaubt hat aber niemand. Da wurde lieber die Zuteilung für Privatanleger gekürzt, um nur ja genug Stück für Institutionelle zu haben. Und die haben jetzt mehr davon, als sie eigentlich wollten, die Zuteilung lag bei den meisten bei 100 Prozent. Die Folgen daraus werden uns jetzt drastisch vor Augen geführt: Die Telekom-Austria-Aktie ist kein Ruhmesblatt für den österreichischen Kapitalmarkt, bereits der erste Glockenschlag am Börseparkett läutete den Abgesang auf die grösste österreichische Emission aller Zeiten ein. Der Aktienkurs kannte nur eine Richtung - südwärts. Dabei hätten bei den Verantwortlichen, der ÖIAG als Verkäufer und den Emissionsbanken, spätestens mit dem Head-Debakel die Alarmglocken läuten müssen. Auch dort wurden institutionellen Anlegern mehr Anteile zugeschanzt, als ihnen zuvor versprochen worden war. Und die reagierten darauf mehr als verschnupft: Bis dato hat sich der Head-Kurs in etwa halbiert. Auch der Zeitpunkt der Telekom-Emission ist falsch gewählt, um institutionellen Anlegern mehr Stück als gewollt ins Depot zu werfen. Denn sobald der Kurs auch nur etwas an Schwäche zeigt, müssen die Fonds verkaufen. Kein Fondsmanager will zu Jahresende einen Wert in seinem Portfolio ausweisen, der eine negative Performance aufweist. Und Österreichs Banken sind in Summe einfach zu klein, um ein - für hiesige Verhältnisse - derart grosses Emissionsvolumen mittels Stützungskäufen auf Kurs zu halten. Damit führt sich auch die alte Mär von den "zittrigen Händen" der Privatanleger ad absurdum. In Zeiten der Globalisierung reist das Kapital mit immer höherer Geschwindigkeit rund um den Globus, immer auf der Suche nach noch mehr Rendite. Fonds haben einfach keine Zeit mehr, Verluste eines Titels auszusitzen - der Manager des Fonds wäre sehr schnell seinen Job los. Ausserdem sind Grossanleger viel eher gewillt, Verluste zu realisieren, wenn es mit dem schnellen Zeichnungsgewinn nicht klappt. Andere Investments machen die Miese von der kleinen TA-Position lässig wett. Private haben mehr Zeit, sind mittlerweile eher Investoren als Spekulanten, aber denen wollte man ja nicht mehr Telekom-Aktien zukommen lassen.

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