Major Franz Lang zu Gast im Ö3 "Frühstück bei mir"

Leiter der Kriminalabteilung Salzburg im Portrait

Wien (OTS) - Major Franz Lang von der Kriminalabteilung Salzburg, Koordinator der kriminalistischen Ermittlungen der Seilbahnkatastrophe von Kaprun, war heute, Sonntag, zu Gast im Ö3-Frühstück bei mir. Im folgenden die Fortsetzung des Interviews, das Claudia Stöckl mit ihm führte.****

Claudia Stöckl: Herr Lang, auffällig ist, wenn man mit Ihnen spricht, dass Sie sehr leise sprechen. Hat das einen bestimmten Grund?"

Franz Lang: "Was ich wirklich nicht mag, das ist Nervosität und Hektik und Aggressivität in der Stimme. Meine Leute wissen, wenn sie laut ins Büro kommen werden, gehen sie gleich wieder hinaus. ( ...) Meine Frage ist immer wenn jemand schreit 'Sind wir auf einem Kasernenhof oder können wir uns auch so unterhalten?' ".

Claudia Stöckl: "Die Polizei ist ja jetzt durch den aktuellen Fall der Spitzelaffäre eigentlich auch in Verruf geraten. Können Sie das nachvollziehen, dass, so wie der Herr Kleindienst das ja sagt, Polizisten aus politischem Druck geheime Daten weitergeben? "

Franz Lang: "Ich persönlich akzeptiere es, wenn jemand Sorgen hat, dass er sich irgendwo äußert und mitteilt. Wenn er versucht hat, zunächst das intern mit Leuten, die er kennt, die das abstellen können, zu sprechen, und er das nicht getan hat, dann würde ich ihm das vorwerfen. Ich kenne es nicht, dass man Dinge, die man lange tut, dann plötzlich kritisiert oder irgendwo abzustellen versucht, ich habe ja auch schon Suspendierungen hinter mir, wo Leute einfach begonnen haben, wirklich an den Rand des Zulässigen oder über den Rand des Zulässigen zu arbeiten bei uns.

Claudia Stöckl: "Das heißt, dass die eben Daten weitergegeben haben, oder was haben die gemacht?"

Franz Lang: "Mit Datensachen habe ich konkret noch nichts zu tun gehabt, das heißt auch nicht, dass irgendwer was wirklich getan hat, das muss wirklich ganz korrekt überprüft werden.

Claudia Stöckl: "Also, Sie können sich durchaus vorstellen, dass an der Spitzelaffäre etwas Wahres dran ist?"

Franz Lang: "Diese Frage ist sehr, sehr gefährlich. Ich wünsche mir nur Eines: Wenn es das so gegeben hat, dass diese Leute aus dem Verkehr gezogen werden."

Claudia Stöckl: "Sie haben jetzt durch die Arbeit der letzten Tage und auch die Art, wie Sie das kommuniziert haben, eigentlich wieder der Polizei ein besseres Image gegeben. Ist das dann auch eine persönliche Befriedigung?"

Franz Lang: "Ja, ich merke das schon bei meinen Vorgesetzten, dass sie ganz zufrieden waren mit dieser Leistung und diesem Job, den wir hier gemacht haben. Ich habe das dann noch nicht so realisiert, aber in diesem Beruf arbeiten sehr, sehr viele gute Leute. Daher ist der Ärger sicher intern sehr, sehr groß, wenn irgendwelche Dinge von Leuten gemacht werden, die nicht in Ordnung sind und das Image wieder am Boden ist und, in unserem Betrieb kann ich das wirklich sagen, dass wir uns selber sehr radikal sauber halten. "

Claudia Stöckl: "Wie viel Kaffee haben Sie in den letzten Tagen getrunken?"

Franz Lang: "Prinzipiell vor jeder Einsatzbesprechung und vor jeder Pressekonferenz, ich glaube 10 Tassen am Tag schon."

Claudia Stöckl: "Sie haben es gerade gesagt, Sie waren derjenige, der bei der Pressekonferenz für die Ermittlungen und für die Ermittler gesprochen hat, waren aber vor 500 Medienvertretern, 100 Kameras im Wohnzimmer der ganzen Welt quasi damit zu Hause. Ist Ihnen das jemals bewusst geworden?"

Franz Lang: "Nein, an und für sich nicht. Aber schön langsam realisiert man es, Leute sprechen einen darauf an, die Bundesregierung ruft zurück."

Claudia Stöckl: "Wer hat Sie angerufen?"

Franz Lang: "Der Bundeskanzler hat sich öfters erkundigt, wie es uns geht."

Claudia Stöckl: "Sie haben gesagt, dass Sie seit letztem Samstag in keine Zeitung mehr geschaut haben und auch nicht fern gesehen haben, um sich selbst nicht zu sehen, warum?"

Franz Lang: "Ich habe keine Sekunde in den Fernseher geschaut. Bei den Zeitungen ist es mir so gegangen, da war mal ein Bericht über mich in den Salzburger Nachrichten. Nach den ersten zwei Absätzen habe ich die Sache weggelegt, ich habe befürchtet, dass verwirrt einen einfach. Hoffentlich ändert sich der Umgang mit den Kollegen nicht, Publicity hat, glaube ich, auch sehr viel mit Angst zu tun."

Claudia Stöckl: "Mit Angst, sich selber dadurch zu verändern, oder mit Angst, dass die Leute zuviel wissen über einen? Und dass man zuviel hergibt?"

Franz Lang: "Ja, beides. Man will sich doch frei bewegen. Immer beobachtet zu werden, heißt immer anständig sein und das kann ich auch nicht."

Claudia Stöckl: "Herr Major, sie sind Polizist. Sie werden doch immer anständig sein, oder?"

Franz Lang: "Na ja, ich war mal bei einem Verein, der hat das Motto gehabt 'Jeden Tag eine kleine Sünde' und dort sagten sie immer, 'Du hast das Motto nicht verstanden'. Aber es ist wirklich so, man muss sich im Leben immer Dinge suchen, die spannend sind und einfach auch einmal nach einer spontanen Lust irgend etwas machen können. Und immer der Brave sein, dass wird erstens fad im Leben. Ich hoffe, jetzt rede ich nicht zu gefährlich von meiner Person, von meinem Job, aber man muss das auch zulassen können und man muss es bei anderen auch verstehen.(...).

Claudia Stöckl: "Sie lachen einfach wissend. Was sind denn die kleinen Sünden, die Sie machen?"

Franz Lang: "Das fängt beim Essen an und bei uns ist auch so, dass wir, wenn wir etwas größere Erfolge haben, dann feiern wir sie anständig und man merkt in unserem Job, dass viele Leute, die irgendwelche Positionen haben, sich doch irgendwo ein Privatleben gönnen, wo sie ihre Rolle nicht spielen müssen und das ist sehr, sehr wichtig."

( Fortsetzung )

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Tel.: 01/ 360 69 / 19120ORF Radio Öffentlichkeitsarbeit

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | HOA/HOA