Commission on Radio and Television Policy diskutiert Übergang des Journalismus zu digitalen Medien

Zweitägiges Symposium "Bridging Old ad New Media" im ORF-Zentrum Wien

Wien (OTS) - Das Internet und andere digitale Kommunikationstechnologien bieten neue Möglichkeiten der Berichterstattung und bringen erhöhte ethische Verpflichtungen für Journalisten und Nachrichtenorganisationen: Dies ist die Schlußfolgerung von Journalisten, Führungskräften aus dem Medienbereich und Entscheidungsträgern der Medienpolitik beim Jahrestreffen der Commission on Radio and Television Policy am 17. und 18. November im ORF-Zentrum Wien.

Ellen Mickiewicz: Integrität des Journalismus

Besondere Aufmerksamkeit widmete die Commission dem Thema der Verantwortlichkeit bei Recherchen und Berichterstattung im Internet. "Nachrichten können auf völlig neue Weise aufbereitet werden, unter Verwendung der unterschiedlichsten Arten von Quellen sowie Kombinationen von visuellen, graphischen und textlichen Mitteln", erklärte dazu die Co-Vorsitzende der Commission, Ellen Mickiewicz, Leiterin des DeWitt Wallace Center for Communications and Journalism an der Duke University in den Vereinigten Staaten. "Die Öffentlichkeit hat heute die Möglichkeit, die Welt gründlicher zu verstehen als in der Vergangenheit. Die Chancen des Internets sind jedoch bedingt durch die Integrität der Journalisten und die Meinungsfreiheit."

David Brewer, CNN: Neue Qualität des Journalismus

Das Internet beeinflusse journalistische Vorstellungen darüber, was einen vollständigen Bericht ausmache, argumentierte David Brewer, leitender Redakteur von CNN Interactive für Europa, Afrika und den Nahen Osten. "Nur Angst zu schüren und Interesse hervorzurufen, wird bald als unverantwortlicher Journalismus gelten," so Brewer. Gute Nachrichtenorganisationen müßten zumindest ins Auge fassen, durch die gleichzeitige Veröffentlichung von Fact Files und Links zu Informationen im Internet eine vollständigere Dokumentation jedes Zeitungs- oder Fernsehberichts zu bieten.

Über neue Kommunikationstechnologien informieren

Die Commission rief Journalisten auch dazu auf, angesichts ihres Einflusses auf die Gesellschaft und demokratische Regierungsformen, insbesondere auf Wahlen, über die neuen Kommunikationstechnologien an sich zu informieren sowie über Versuche von Regierungen, Unternehmen oder anderen Gruppen, den freien Informationsfluss im Internet einzuschränken, zu berichten.

Erhard Busek: Bedeutung der neuen Medien für die demokratische Entwicklung

Dr. Erhard Busek, Co-Vorsitzender des Symposiums: "Die Commission on Radio and Television Policy hat in den zwei Tagen des Symposiums insbesondere die Bedeutung der neuen Medien in Mittel und Osteuropa analysiert und aus dieser Analyse Empfehlungen für einen ‚Brückenschlag zwischen alten und neuen Medien' verabschiedet. Die Veränderungen in den Ländern Mittel- und Osteuropas machen eine rasche Information notwendig, wobei gerade dort die modernsten Technologien in Politik und Wirtschaft Eingang finden. Die Bedeutung für die demokratische Entwicklung ist an den Beispielen der Information durch die Verteter der Menschenrechte in Bosnien-Herzegowina und Jugoslawien sichtbar geworden. Allerdings stehen wir erst am Anfang einer Entwicklung, die für den Journalismus eine große Herausforderung bedeutet. Der Vorteil der neuen Medien zeigt sich darin, dass hier mehr Information als in den Medien Radio und Fernsehen angeboten werden kann. Die journalisische Sorgfalt ist auch in den neuen Medien von größter Bedeutung. Die Verwendung von Quellen und Daten aus dem Internet muss insbesonder bei der Berichterstattung über Wahlkämpfen mit größter Sorgfalt erfolgen. Hinsichtlich der notwendigen demokratischen Kontrolle und der Transparenz ist Information öffentlicher Stellen erforderlich. Um den Zugang der Öffentlichkeit zu Informationen zu fördern, sollten Regierungen den Umgang mit und den breiten Zugang zum Internet fördern. Die Quellen extremistischer Veröffentlichungen im Internet sind aufzudecken, denn nur Öffentlichkeit garantiert entsprechende Kontrolle. Auf längere Sicht ist mit einem Zusammenwachsen der alten und neuen Medien zu rechnen."

Regulierung ist keine Lösung

Die Teilnehmer aus 20 Ländern erkannten an, daß die neuen Medien neue Lösungsansätze für eine Vielzahl an alten Problemen erfordern könnten - z.B. anonyme Veröffentlichungen und Haßparolen -, warnten jedoch davor, eine Regulierung durch die Regierungen als Lösung zu sehen. "Das Internet ist wie ein Flohmarkt, und in diesem Flohmarkt gibt es Taschendiebe", meinte Peter Orlov, stellvertretender Chefredakteur der Nachrichtenabteilung von NTV International, dem größten privaten Fernsehsender Rußlands. "Beim Versuch einer Regulierung läuft man Gefahr, das Kind mit dem Bade auszuschütten -und wenn die Regierungen anfangen, Kontrolle auszuüben, kann niemand sie aufhalten."

Die Commission on Radio and Television Policy wurde 1990 vom ehemaligen U.S. Präsidenten Jimmy Carter gegründet, um die Rolle der freien Presse in den demokratischen Gesellschaften zu fördern. Die Commission konzentrierte sich anfangs auf medienpolitische Fragen in den Vereinigten Staaten, Ost- und Westeuropa, und erweiterte dann ihren Arbeitsbereich durch neue Mitglieder aus Mittel- und Osteuropa.

Die Commission wird unterstützt durch das DeWitt Wallace Center der Duke University, den ORF, das Institut für den Donauraum und Mitteleuropa, die American-Austrian Foundation, die Stadt Wien, das Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten und das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

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