"Neue Zeit Kommentar": "Gegensätze" von Josef Riedler

Ausgabe vom 18.11. 2000

Graz (OTS) - Kein Ereignis in der jüngeren Geschichte Österreichs hat soviel Trauer und Schmerz ausgelöst, wie die Katastrophe von Kaprun. Die Staatstrauer, die Bundespräsident Thomas Klestil ausgerufen hat, war kein formaler Akt, es war wahrhaftig die Trauer von Millionen.

Auch die Menschlichkeit, mit der sich der Bundespräsident, der Parlamentspräsident, Regierungsvertreter und vor allem Landeshauptmann Schausberger um die Hinterbliebenen annahmen, die Opferbereitschaft, mit der die Berge- und Hilfsmannschaften an ihre Aufgaben herangingen, sind weithin mit Achtung und Respekt aufgenommen worden.

Umso erbärmlicher ist das Schauspiel, das katholische Kirchenfürsten in Salzburg um den Trauergottesdienst herum geliefert haben. Den Angehörigen anderer christlicher Religionen haben sie den ökumenischen Gottesdienst verweigert, den Angehörigen nichtchristlicher Religionen haben sie den Rücken gekehrt. Der Salzburger Erzbischof Eder, im Prunkornat, mit der bebenden Stimme der Falschheit, der nicht minder protzige Bischof Krenn, sie waren der personifizierte Hohn auf die tiefe Trauer einfacher Menschen. Gäbe es in Österreich nicht auch andere katholische Bischöfe, dann müsste sich das Land schämen. Entschuldigen für den Erzbischof und seine erzkonservative Gefolgschaft sollte es sich in jedem Fall. Wie sagt Jesus bei Matthäus 23, 14 - "Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr verprasst die Häuser der Witwen indes ihr lange Gebete hersagt. Darum wird ein strenges Gericht über euch kommen!"

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Neue Zeit
Tel.: 0316/2808-306

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PNZ/OTS