Kaprun und die Folgen

Wien (OTS) - Der sehr folgenreiche Brand der Gletscherbahn von Kaprun gibt einmal mehr Anlass, über die Brandsicherheit von Tunnelanlagen nachzudenken.

Aufgrund der Tunnelbrände im Montblanctunnel und im Tauerntunnel haben viele der mit Brandschutzfragen in der Praxis und in der Theorie erfahrenen Experten erkannt, dass eine große Zahl der derzeit in Betrieb befindlichen Verkehrstunnelanlagen nicht beherrschbare Risiken enthalten.

Die üblicherweise aus der Administration oder aus der allgemeinen Verkehrstechnik stammenden Gegner neuer und verbesserter Sicherheitskonzepte für Tunnelanlagen argumentieren vorwiegend mit kommerziellen Argumenten, um zusätzliche Sicherheitseinrichtungen in Tunnelanlagen zu verhindern. Bei älteren oder bei bestehenden Anlagen ist es aber in vielen Fällen durchaus möglich, den z.T. überhaupt nicht vorhandenen Grundschutz durch eine technische Nachrüstung auf ein ausreichendes Niveau zu heben, ohne dass diese Nachrüstung unbezahlbar teuer würde.

Es ist jedoch nur unter dem Aspekt einer vorsätzlichen Missachtung der in den letzten wenigen Jahren gesammelten Erfahrungen bei Tunnelbränden zu verstehen, wenn neu projektierte Tunnelanlagen beliebiger Länge noch immer als einröhrige Systeme ohne zusätzliche Sicherheitseinrichtungen ausgelegt werden. Die Verantwortlichen der Betreibergesellschaften akzeptieren so überlange und nicht gesicherte Rettungswege innerhalb einer Gefahrenzone. Die Tunnelnutzer werden einem Risiko ausgesetzt, das fatale Folgen haben kann. Würde in einem normalen Gebäude, das mit einer vergleichbaren Sicherheitsphilosophie dimensioniert wurde, ein Mensch zu Schaden kommen, hätte dies für den Verantwortlichen mit hoher Wahrscheinlichkeit strafrechtliche Konsequenzen.

Schließlich werden nur in sehr seltenen Ausnahmefällen die im Vorbeugenden Brandschutz bewährten automatischen Löschanlagen eingesetzt. Sie könnten fehlende oder konstruktiv nicht realisierbare bauliche Sicherheitseinrichtungen in vielen Tunnelanlagen kompensieren.

Rückfragehinwies: Hans Jochen Blätte
LtdBD. Dipl.Phys.
Vorsitzender der Vereinigung zur
Förderung des Deutschen
Brandschutzes (vfdb)
Vizepräsident des CTIF
Tel: +49 202 494 300 (dienst)
+49 208 431846 (priv)
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