Das böse Spiel mit der Psychotherapie und den Psychotherapiebedürftigen

Richtigstellung der Aussagen des Obmannes der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) Franz Bittner

Wien (OTS) - Die Wiener Gebietskrankenkasse scheut - obwohl sowohl kassenintern als auch im Wiener Landesverband für Psychotherapie noch keineswegs Einigung über eine mögliche Kassenlösung in Wien erzielt wurde - nicht davor zurück, den Psychotherapiebedürftigen Hoffnungen auf "Psychotherapie auf Krankenschein" zu machen, die sich wieder einmal als Seifenblasen herausstellen könnten.

Was ist passiert:

Die Wiener Gebietskrankenkasse hat einen für die tatsächlichen Versorgungserfordernisse ungeeigneten Vertrag angeboten und den PsychotherapeutInnen-verband durch Parallelverhandlungen mit dem PsychologInnenverband auszuspielen versucht und so massiv unter Druck gesetzt.

Die Hauptkritikpunkte:

Im vormals zwischen dem Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie und dem Hauptverband der österr. Sozialversicherungsträger (HVST) ausverhandelten Gesamtvertrag waren für Wien zusätzlich zu dem Angebot der WahlpsychotherapeutInnen 150.000 Jahresstunden "Psychotherapie auf Krankenschein" vorgesehen. Jetzt bietet die WGKK dem Verein der PsychotherapeutInnen 40.000 und dem Verein der PsychologInnen 30.000 Stunden zur Verteilung an. Wir bleiben dabei: Das ist eine Kleinstversorgungslösung - weit entfernt von flächendeckender Versorgung, die eine gesetzlich geregelte Verpflichtung und Aufgabe der Kassen ist!

In diesem Vertragsmodell ist in keiner Weise gesichert, daß jene "Psychotherapie auf Krankenschein" bekommen, die es auch wirklich brauchen, weil sie hochgradig psychotherapiebedürftig sind und/oder sich hohe Selbstbehalte nicht leisten können. Es ist zu erwarten, daß die sozial Kompetenten zuerst den Zugang zur kostenfreien Psychotherapie finden werden. Ein weiteres Mal eine gesundheitspolitische Steinzeitlösung!

Das ÖBVP-Präsidium wendet sich weiters entschieden gegen das Beibehalten der fachfremden und rechtswidrigen Zugangskriterien und vor allem gegen die Einführung von psychologischer Diagnostik bzw. anderer willkürlich gesetzter Kontrollen für Psychotherapien, die länger als 30 Stunden dauern. Wer nur annähernd etwas vom psychotherapeutischen Prozess versteht, kann sich vorstellen, daß es eine patientenrechtlich höchst bedenkliche und den Erfolg einer Psychotherapie gefährdende Maßnahme ist, die/den PatientIn entweder zu Beginn oder während einer bereits länger laufenden Psychotherapie zum Psycho-Test schicken zu müssen. Empörend, daß die Krankenkasse diesen Punkt trotz massiver Proteste namhafter ExpertInnen in den Vertrag genommen hat. Im Zusammenhang mit der voreiligen Pressemeldung möglicherweise ein Indiz dafür, daß Fachlichkeit und

Patientenbedürfnisse im Vergleich zu taktischem Konkurrenzaufbau -auf diese Weise wurden nämlich die PsychologInnen eingekauft - kaum noch eine Rolle spielen.

Insgesamt hat das böse Spiel der Kassen mit der Psychotherapie nun ein Maß erreicht, daß kaum noch zu überbieten ist. Die Aktionen der WGKK vermutlich im Zusammenspiel mit dem HVST sind wohl nichts anderes als taktische Winkelzüge vor den beginnenden Gesprächen auf Bundesebene. Dort soll nämlich eine bundesweite Versorgungslösung in Anlehnung an das in Tirol seit Jahren erfolgreich praktizierte Modell besprochen werden. Statt sich mit Offenheit einem sinnvollen und effizienten Versorgungsmodell zu widmen, sollen die PsychotherapeutInnen vorab in die Knie gezwungen werden! Wir werden uns zu wehren wissen - daneben werden die Öffentlichkeit und ihre EntscheidungsträgerInnen Standpunkt beziehen müssen, um denen, die Psychotherapie wirklich brauchen, diese auch endlich zukommen zu lassen.

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