"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Eine Zwischenbilanz" (von Claus Reitan)

Ausgabe vom 16. 11. 2000¶

Innsbruck (OTS) - Franz Schausberger, Landeshauptmann von
Salzburg, hat Recht: Das Unglück von Kaprun bleibt eine nationale Katastrophe, die Österreich betrifft und uns weiterhin befassen wird. Aber die Art, wie die Verantwortlichen vor Ort die Katastrophe bewältigten, zeigt, dass man die Lehren aus vorangegangenen Unglücken zumindest zum Teil schon gezogen hat. Selbst, wenn noch einige Konsequenzen fällig sind.

So meinte ein Behördenvertreter, man habe einen Brand als Unfallursache einfach nicht angenommen. Ein fataler Irrtum, wie sich zeigt. Und für Brandschutzübungen lagen, so ein anderer Beamter, lediglich kleine Brände als Annahme vor, die sich mit einem Handfeuerlöscher bekämpfen liessen. Eine fatale Nachlässigkeit, wie sich zeigte.

Die Behörden haben Nachholbedarf. Schließlich verweisen Unternehmen, auch jenes von Kaprun, zurecht darauf, alle behördlichen Auflagen erfüllt zu haben. Also muss die Behörde vorausschauend und umfassend denken und handeln. Schon jetzt unterliegen Seilbahnen umfangreichen Auflagen hinsichtlich der Betriebssicherheit. Ob sie reichen, ist zu prüfen. Insbesondere, wenn es sich um Anlagen oder Straßen handelt, die durch Tunnels führen.

Andererseits: In der Hilfe vor Ort haben sich Militär und Kirche, Rotes Kreuz und Feuerwehr bewährt. Ebenso politisch Verantwortliche. Information wurde rasch und kompetent von allen Beteiligten geboten. Erfreulicherweise haben die meisten Medien im Gegenzug darauf verzichtet, Schicksale von Opfern auszuschlachten.

Die Zivilgesellschaft lebt. Eine Gewissheit, die es erleichtert, die Spaßgesellschaft zu akzeptieren.

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