Verzetnitsch: Sparpolitik der Regierung gefährdet Bildungsniveau (2)

Bildungssystem der Zukunft braucht Prinzipien

Wien (ÖGB). Ein Bildungssystem der Zukunft muss durch Prinzipien gekennzeichnet sein, stellte ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch zum Thema "ArbeitnehmerInneninteressen und Schule" bei einer Veranstaltung des Stadtschulrates für Wien weiters fest.++++

ÖGB-Präsident Verzetnitsch nannte folgende Prinzipien für ein zukunftsorientiertes Bildungssystem:

Durchlässigkeit
Die einzelnen Säulen des österreichischen Bildungssystems dürfen nicht durch Mauern getrennt werden, sondern das horizontale als auch das vertikale Wechseln von Bildungseinrichtungen muss deutlich erleichtert werden. Um die Forderung der Durchlässigkeit vor allem in der Oberstufe erfüllen zu können, sei eine stärkere modulare Ausrichtung unabdingbar, sagte Verzetnitsch.

Integration
Ein integratives Bildungssystem erhöht die Durchlässigkeit. Integration im Sinne von breiter Erstausbildung und standortübergreifender Schulpolitik sind Grunderfordernisse für ein zukunftsweisendes System.

Zugang ohne soziale Selektion, orientiert an Interesse und Begabung Auch wenn mit Beihilfen einer sozialen Selektion entgegengewirkt wird, bleibt eine Fehlverteilung, die junge Menschen von bestimmten Bildungseinrichtungen ausschließt. Doch nicht nur Gebühren stellen eine soziale Selektion dar, sondern auch fehlende Information über vorhandene Bildungseinrichtungen und fehlende oder zu niedrige Beihilfen für junge Menschen, die ausbildungsbedingt erst später ins Erwerbsleben einsteigen.

Staatliche Verantwortung
Die Verantwortung für die Ausbildung von jungen Menschen trägt der Staat. Gesetze, die die Bildung in Österreich regeln müssen Bundesgesetze bleiben. Nur eine bundesweite Bildungspolitik garantiert auch regionale Durchlässigkeit. Staatliche Verantwortung bedeutet nicht, dass alle Kosten ausschließlich staatlich zu tragen sind. Die österreichische Wirtschaft ist Nutznießer von gut ausgebildeten jungen Menschen und hat ihren Beitrag zu leisten. Aufgabe der Bundespolitik muss jedoch sein, die Finanzmittel zur Verfügung zu stellen, die notwendig sind, um eine hohe Qualitäts-Ausbildung junger Menschen garantieren zu können.

Soziale Absicherung von Menschen in Ausbildung
Damit das Einkommen der Eltern keinen Einfluss mehr auf die Bildungswahl der Kinder hat, muss die soziale Absicherung von Jugendlichen in Ausbildung für jene gewährleistet werden, deren Eltern nicht in der Lage sind, für die entstehenden Kosten aufzukommen.

Selbstbestimmtheit
Einsichten, die in der Erwachsenenbildung schon Einzug gehalten haben, müssen auch in der Erstausbildung Niederschlag finden. (ew)

ÖGB, 13. November 2000
Nr. 962

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