Verzetnitsch: Sparpolitik der Regierung gefährdet Bildungsniveau (1)

Bundesregierung lässt in den Schulen Crash-Programm anlaufen

Wien (ÖGB). Bei einer Veranstaltung auf Einladung des Stadtschulrates für Wien stellte ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch zum Thema "ArbeitnehmerInneninteressen und Schule" Montag Abend fest, dass die Bildung unserer Kinder nicht nur ein wichtiges Anliegen aller ArbeitnehmerInnen, sondern auch vom ÖGB als Interessenvertretung ist. Allerdings, so Verzetnitsch weiter, dürfte so mancher Regierungsverantwortliche, wie die Maßnahmen der derzeitigen Bundesregierung im Bildungsbereich zeigen, dies nicht so sehen.++++

Blumigen Versprechungen stünden harte Maßnahmen gegenüber, die vor allem sozial Schwächere treffen. So gefährde Finanzminister Grasser mit seinem Ziel, 2,5 Mrd. S durch die Erhöhung der Schülerzahl pro Lehrer einzusparen, massiv die Bildungsqualität. Verzetnitsch: "Mit dieser Sparpolitik wird das österreichische Bildungsniveau gefährdet."

Crash-Programm der Regierung

Die Bundesregierung lässt sehenden Auges ein wahres Crash-
Programm anlaufen. Durch die Budgetkonsolidierung werden die BHS durch sinkende Sachbudgets, fehlende bauliche Investitionen und die Rückstellung von Bauvorhaben ernsthaft gefährdet. Die derzeitige Situation von überfüllten ersten Klassen und hohen Drop-out-Raten wird, gepaart mit LehrerInnenmangel und sinkenden Stundenkontingenten, noch weiter verschärft.

"Ein zukunftsorientiertes Schulsystem muss aber auch auf jene Rücksicht nehmen, die nach der Schulpflicht keine weiterführende Ausbildung annehmen", sagte Verzetnitsch. Trotz guter Wirtschaftsdaten ist kein ausreichendes Angebot an Lehrstellen vorhanden, um jedem Jugendlichen, der eine Lehre beginnen möchte, auch einen entsprechenden Ausbildungsplatz anbieten zu können." Erst vorige Woche haben Jugendliche im Rahmen einer Enquete über ihre Erlebnisse berichtet. 300 Bewerbungen um eine Lehrstelle. Das ist keine Seltenheit. Verzetnitsch: "Hier muss etwas getan werden."

Deregulierung und "Aufweichen" des Berufsausbildungsgesetzes
lösen das Problem nicht, sagte Verzetnitsch. Dies hätten die Maßnahmen der vergangenen Jahre gezeigt: Weder die Senkung des Schutzalters, die Erweiterung der Arbeitszeiten, die Vorlehre oder die Verlängerung der Probezeit, haben nennenswerte Steigerungen des Lehrstellenangebotes seitens der Wirtschaft gebracht.

Verzetnitsch: "Dringender Reformbedarf ist gegeben, da die Lebens-und Entwicklungschancen in einem hohen Ausmaß durch das erreichte Bildungsniveau beeinflusst wird. Die Gefahr arbeitslos zu werden, wächst bei geringerer beruflicher Erstausbildung, das Einkommen steigt mit der Höhe des jeweiligen Bildungsabschlusses. Um dem entgegenzuwirken, bedarf es gleichermaßen struktureller Änderungen und reformpädagogischer Ansätze, um ein Bildungssystem zu schaffen, das Chancen eröffnet." (ew)

ÖGB, 13. November 2000
Nr. 961

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Ernst Weber
Telefon: (01) 534 44/361 DW
Fax: (01) 533 52 93
E-Mail: presse@oegb.or.at
Homepage: www.oegb.at

ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB/NGB