Kommentar 14.11.2000 - WirtschaftsBlatt zur Euro-Konjunktur Die EZB hat Europas Konjunktur auf dem Gewissen von Robert Lechner

Wien (OTS) - Das haben nicht einmal die lautesten Kassandrarufer
in der Eurozone erwartet: Die wirtschaftliche Dynamik lässt viel stärker nach, als ursprünglich erwartet worden ist. Das geht aus der Konjunkturprognose der acht führenden Wirtschaftsforschungsinstitute Europas hervor. Im dritten Quartal ist das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts der Euro-Mitgliedstaaten gegenüber dem Vorquartal von 3,7 auf 3,2 Prozent abgesackt. In den Konjunkturabteilungen der Think Tanks beginnt jetzt die Ursachenforschung. Der Ölpreisschub hat zwar die Lust der Europäer auf Konsum gebremst, kann aber nicht allein für die überraschende Abflachung der Wirtschaftsdynamik verantwortlich sein, sagen Experten. Als Erste sind die Spezialisten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung vorgeprescht und bestätigen, was Kritiker der Europäischen Zentralbank bereits seit dem Sommer vermuten: Die Frankfurter Währungshüter haben die Inflationsrisiken in der Eurozone falsch eingeschätzt. Die Euro-Notenbank fahre eine restriktive Geldpolitik, obwohl die Signale für dauerhafte Inflationsrisiken fehlen. In der Eurozone zeichnet sich nämlich nicht ab, dass die Gewerkschaften die heuer stark gestiegenen Energiepreise in Form deutlich höherer Löhne kompensiert sehen wollen. Von der Teuerung bei Erdöl werde im kommenden Jahr keine Gefahr mehr für einen preisstabilen Euro ausgehen. Fazit: Einige der sieben Zinsschritte seit November des vergangenen Jahres hätte sich die EZB sparen können. Einen Rückzieher können sich die Notenbanker aus Imagegründen aber nicht leisten. Die Unternehmen in der Eurozone müssen deshalb auch für das kommende Jahr mit schlechteren Geschäftsaussichten rechnen. Die grossen Finanzinstitute feilen bereits an einer Revision der Konjunkturprognosen. Merrill Lynch etwa erwartet für 2001 für die Euro-Länder nur noch ein Wirtschaftswachstum von höchstens 2,9 Prozent anstatt der bisher prognostizierten 3,2 Prozent. Ähnliche Resultate werden in den kommenden Tagen die HypoVereinsbank und die Deutsche Bank veröffentlichen. Während also die Wirtschaft der Vereinigten Staaten seit 116 Monaten tolle Wachstumsraten hinlegt, trübt sich in der Eurozone nach erst knapp eineinhalb Jahren soliden Aufschwungs der Konjunkturhimmel neuerlich ein. (Schluss) lech

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